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Siegfried Strasser: Ein Großer ist gegangen

Von Klaus Buttinger   03.Juli 2017

Ein Großer ist gegangen Von Klaus Buttinger
Faszinator Sigi Strasser

"Wie rasieren Sie sich?", fragte der "Bildermacher", wie er sich gerne bezeichnete, mit seinem typisch hintergründigen Lächeln den Betrachter. "Meistens nass, warum?", antwortete dieser.

"Ja, sehen Sie denn nichts?" Da erst erkannte der Mann, dass Strasser hunderte Köpfe von Einwegrasierern verkehrt herum auf die Leinwand geklebt, dann übermalt und mit Fäden tollkühn überspannt hatte. Solche Irreführungen machten ihm unheimlichen Spaß.

1929 geboren, war Siegfried gerade noch ein Bub, als die Bombenflieger über Wels kamen. Angezogen von jeder Art Technik, versteckte er sich nicht im Luftschutzbunker, sondern lief auf einen Hügel, um die Flugzeuge zu beobachten. In seinem Atelier, das Freunde den "Salon Strasser" nannten, hortete er seine Modellflieger. Eine Schreibmaschine, eine Computer-Platine oder die Concorde hielt er für ästhetischer als so manches, "was ein sogenannter Künstler aus dem Handgelenk auf die Leinwand pinselt". Nicht nur im "Atelier" konnte man mit Sigi poltern, diskutieren, genießen, spielen. Nur eines mochte er nicht: fade Leute.

Heute früh, vor einer Woche, starb Sigi Strasser im Welser Krankenhaus nach kurzer Krankheit. "Ein Großer ist gegangen", sagt seine Lebensgefährtin Renate Marko, die mit Sigi in einer über 26 Jahre dauernden, innigen Liebe verbunden war, mit Fug und Recht.

Vom Fahrdienstleiter im Almtal, der dann die Linzer Kunstschule mit Auszeichnung absolviert hatte, wuchs er in den internationalen Kunstbetrieb hinein. Er stellte solo in Hamburg aus, in Mailand, Turin, Como und am John-F.-Kennedy-Airport in New York.

Strasser war Gastdozent an der Kunstschule Mannheim und ausstellungsbeteiligt in halb Europa. Die Hamburger Nachrichten schrieben 1966 treffend über Strassers Werke, sie seien "höchst eigenartige Gewächse, deren heitere Ironie eine bildhafte Einkleidung gefunden" hätten.

Vor einem Jahr ehrte die Stadt Wels Sigi Strasser mit der Goldenen Verdienstmedaille. Er nahm es mit Humor wie fast alles – ja sogar den Tod. Der große Sigi Strasser trat aus dem Atelier des Lebens mit einem Lächeln auf den Lippen.

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