Archiv | ePaper | Digital
 |  A A A
Mittwoch, 12. Dezember 2018, 02:11 Uhr

Linz: 2°C Ort wählen »
 
Mittwoch, 12. Dezember 2018, 02:11 Uhr mehr Wetter »
Oberösterreich  > Nachrufe

Johann "Hansi" Schorn: Freundlicher Werber mit Prinzipien

Hansi und ich wollten heuer zum dreißigsten Jubiläum des Linzer Pflasterspektakels gemeinsam ein Buch machen", erzählt Sigi Janko, der ehemalige Kulturdirektor der Stadt Linz und Pflasterspektakel-Vater.

Freundlicher Werber mit Prinzipien Von Erhard Gstöttner

Hansi Schorn: Voller Leidenschaft als Werber, Segler und Italien-Fan Bild: privat

Doch das gemeinsame Buch wird es nicht geben. Denn der Werbefachmann und Künstler Johann "Hansi" Schorn ist am vergangenen Freitag im 71. Lebensjahr völlig unerwartet in seinem Haus in Puchenau bei Linz gestorben.

Das Pflasterspektakel hatte Schorn von Anfang an als Werbeexperte begleitet. "Er hatte immer tolle Ideen", sagt Janko. Schorn war als Werber auch mit anderen markanten Linzer Ereignissen verbunden. "Linz muss die sauberste Industriestadt werden!" – diese Kampagne des damaligen Linzer Bürgermeisters Hugo Schanovsky im Jahr 1985 hatte Schorn entwickelt. Zuvor engagierte er sich für die Gründung des Posthofs im Linzer Hafenviertel als Kulturhaus.

1975 Arthouse gegründet

Als Bewohner der Puchenauer Gartenstadt war Schorn ehrenamtlicher Kulturarbeiter. Denn Puchenau war vor Entstehen der von Roland Rainer geplanten Gartenstädte ein kleiner Ort. Plötzlich lebten dort Tausende Menschen, doch kulturell war wenig los. 1980 gründete Schorn die Kulturinitiative Puchenau (KIP), setzte mit Künstlern Akzente im Ort.

Der gebürtige Urfahraner war ursprünglich für die Linzer Agentur MMS, den seinerzeitigen Platzhirschen, tätig. Mit 30 Jahren machte er sich selbstständig, gründete die Werbeagentur Arthouse. Seine Arbeiten sind voll kreativem Geist und künstlerischer Ideen. Schorn war auch technisch auf der Höhe der Zeit. Der Autor dieser Zeilen hatte bereits Anfang der Achtzigerjahre die Gelegenheit, in Schorns Atelier in der Linzer Schubertstraße Computer Aided Design (CAD) kennenzulernen.

Linz war stets wichtiger Ort für Schorn. Er gestaltete zum Beispiel die Goldene Nica für den Prix Ars Electronica, die Klix-Verkehrssicherheitskampagne, die grafischen Elemente zur Bewerbung von Linz als Kulturhauptstadt 2009, die Culinary Art Festivals und viel mehr. Doch Schorn lehnte auch Aufträge ab, denn er war Humanist und sozial geprägt. Mit seinen Werbearbeiten errang er höchste Auszeichnungen, acht Senatoren, zwei Caesaren und einen Silver Award in New York.

"Er war stets voller Ideen, immer bestrebt, seine Arbeiten noch besser zu machen", sagt Sigi Janko. Hansi Schorn verstand es, auch abseits der Arbeit zu leben. Er war leidenschaftlicher Segler, häufig mit seinem Boot "Ciao 2" auf dem Attersee unterwegs. Und er liebte Italien. Schon als Jugendlicher hatte er Süd-Italien erkundet. Später wurde Venedig sein italienischer Lieblingsort, vor allem der Lido. Und er versäumte keine Biennale in Venedig.

Späte Hochzeit

Vor zwei Jahren überraschte Schorn Verwandte, Freunde und Bekannte. Denn nach vielen Jahren heiratete er seine Silvia, mit der er die mittlerweile erwachsene Tochter Iris hat, die auch Grafikerin geworden ist. "Vergangene Woche habe ich Hansi noch getroffen. Er war das blühende Leben und voller Ideen", erzählt ein Freund.

Kommentare anzeigen »
Artikel Erhard Gstöttner 11. Januar 2016 - 00:04 Uhr
Mehr Nachrufe

Ein Pfarrer, der gerne Nikolaus spielte

Dass Pater Josef Brugger kurz vor dem Fest des heiligen Nikolaus die Augen für immer schließen konnte, ...

Ein Mesner mit kriminalistischem Spürsinn

Franz Reindl, einst Mesner in der Freistädter Stadtpfarrkirche, starb im Alter von 90 Jahren.

Pionier der nachhaltigen Landwirtschaft

In all seinen beruflichen Jahren hat sich Karl Hader konsequent für eine nachhaltige Landwirtschaft ...

Weltoffener Biobauer

Neue Wege hat Josef Ortner, bekannt mit dem Hofnamen Schaberl, oft aufgezeigt, auch in der letzten Phase ...

Walter Wagner: Er kochte für Peter Ustinov

Er war ein richtiger Koch, so wie man ihn sich vorstellt", schwärmt Manfred Grubauer vom Linzer ...
Meistgelesen   mehr »
Weitere Meldungen
OÖNachrichten auf Facebook OÖNachrichten auf Twitter OÖNachrichten auf Google+ OÖNachrichten RSS