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Ingrid Pernkopf: Die Küche war ihr Wohnzimmer

Sie verkörperte wie keine Zweite die Freude und die Lust am Kochen und an regionalen Spezialitäten.

Die Küche war ihr Wohnzimmer Von Gerald Winterleitner

Ingrid Pernkopf Bild: Privat

Am 19. Juli war Ingrid Pernkopf noch als Köchin in der ORF-Sendung "Leben heute" zu sehen. Es war ihr letzter Auftritt. Die Gmundnerin, Autorin von 15 Kochbüchern und beliebte Wirtin des Landhotels Grünberg am See, das sie gemeinsam mit ihrem Mann Franz führte, starb am Dienstagabend nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 57 Jahren. Sie hinterlässt zwei Kinder und vier Enkelkinder. "Oberösterreich verliert mit ihr eine Brückenbauerin der Wirtegemeinschaft am Traunsee und eine bedeutende kulinarische Botschafterin", sagte Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger in einer ersten Reaktion.

"Wir haben gekämpft und bis zuletzt gehofft", sagt Franz Pernkopf. Nach einer Operation an ihrem Geburtstag habe sie noch einige Tage vom Balkon aus ihren See genießen dürfen, dann musste sie zurück ins Spital. "Ihre Tradition und ihre Liebe zur Küche gehen hier im Haus weiter", sagt Franz Pernkopf, "ihre Bücher sind für alle ein Andenken."

Ingrid Pernkopf wurde am 26. Juli 1959 in Gmunden geboren und wuchs gemeinsam mit ihrer Schwester Edith "unterm Stoa" im elterlichen Gasthof am See und in der kleinen Landwirtschaft der Großeltern auf. Die Wurzel ihrer Leidenschaft für Regionalität und das Kochen wurde früh gepflanzt. So lernte sie schon in der Kindheit den Wert eines Apfels oder einer Handvoll Kirschen, von einem Stück Bratenfleisch oder von Sauerkraut zu schätzen. Diese Erfahrung hat sie nachhaltig geprägt. In ihrem Buch "Restküche" etwa widmete sie sich mit Einfallsreichtum jenen Überbleibseln in der Küche, die oft gedankenlos weggeworfen werden. Ihrer Leibspeise, Knödeln in allen Variationen, widmete sie ein eigenes Werk, ebenso den Geheimnissen der oberösterreichischen Küche, das sie mit ihrem Entdecker Christoph Wagner gemeinsam schrieb. Ihr 15. Buch, die "Mehlspeisküche", erscheint im Herbst. Trotz ihres Erfolges von weit mehr als 200.000 verkauften Büchern waren ihr Allüren unbekannt. Größte Freude bereitete es ihr, wenn sie gemeinsam mit den langjährigen Mitarbeitern ihre Gäste zufriedenstellen konnte.

"Die Vielfalt hat das Leben meiner Frau bestimmt", sagt Franz Pernkopf, "von pikant bis süß, sie hat alles geschätzt. Auch die Wertschätzung der Produzenten war ihr sehr wichtig." Ihr Wissen behielt sie nie für sich, sondern gab es mit Feingefühl in Kochkursen nicht nur an Erwachsene, sondern sogar an Kinder weiter.

Das Begräbnis von Ingrid Pernkopf findet am Mittwoch, 24. August, um 13 Uhr in der Stadtpfarrkirche Gmunden statt.

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Artikel Gerald Winterleitner 18. August 2016 - 00:04 Uhr
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