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Fritz Riedl: Umtriebiger „Weberknecht“ mit Weltruf

Von Irene Gunnesch   30. August 2012

Umtriebiger „Weberknecht“ mit Weltruf von Irene Gunnesch
Der große Weber Fritz Riedl, wie man ihn kannte: Mit einem Pfeiferl vor einem seiner markanten Bildtteppiche

Ich betrachte die Wolle als sensibles Material!“ – sagte Fritz Riedl einmal in einem Interview. Sein virtuoser Umgang mit dem „sensiblen Material“ katapultierte den am 10. Juni 1923 in Wien geborenen, lange Jahre in Linz tätigen Tapisserie-Künstler in die Elite der bildenden Kunst: 1954 war er bei der Biennale in Venedig vertreten, 1959 bei der documenta in Kassel, 1963 erhielt er den Großen Preis der Biennale São Paolo.

Fritz Riedl, Pionier der freien Webkunst in Österreich, hatte vor und nach dem Zweiten Weltkrieg Malerei bei Albert Paris Gütersloh an der Akademie der bildenden Künste in Wien studiert. Seine Studienkollegen waren unter anderem Friedensreich Hundertwasser und Arik Brauer. Deren phantastische Bildwelten ließ er später in gewaltige Bildteppiche umsetzen. In seinen eigenen Manufakturen, die er in Mexiko (Guadalajara) gegründet hatte. In einem Land, in dem er mit Virginia McLachlan seine Lebensliebe fand und das ihm zur zweiten Heimat wurde.

Den Impuls, statt der Malerei die Tapisserie in den Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens zu stellen, gab 1949 eine Ausstellung moderner französischer Gobelins in Wien. Riedl: „Das war für mich wie ein Blitzschlag. Wie besoffen war ich die nächsten drei Tage. Ich hab’ dann einfach gewusst: Das ist es!“ Nach einem Arbeitsstipendium in Aubusson hatte sich seine Leidenschaft gefestigt. Schon Anfang der fünfziger Jahre fanden seine in abstrakt-geometrische Strukturen aufgesplitteten Bildteppiche internationale Anerkennung. Und sie brachten ihm eine Professur an der Linzer Kunsthochschule, an der er 1978 das Institut für künstlerische Textilgestaltung gründete. Studierende von Riedl waren dort etwa die Künstlerinnen Monika Pichler, Gabriele Kreczi-Mach, Anna Goldgruber sowie (mit ihm nicht verwandt) Priska Riedl.

Kunstschauplatz

Gearbeitet hat Fritz Riedl anfangs in einem riesigen Dachatelier am Sebastianplatz im 3. Wiener Gemeindebezirk, in dem Künstlerkollege Markus Prachensky eine Zeitlang wohnte und sich Riedl mit Hans Weigel und Friedrich Torberg jeden Mittwoch um halb neun traf: „Drei Webstühle hatte ich dort stehen. Das Atelier hatte 240 m2. Wir haben die Türen aufgemacht und mit Pfeil und Bogen geschossen!“ Dieses Atelier verarbeitete Thomas Bernhard in bekannt sarkastischer Form im Buch „Holzfällen“ als „Kunstschauplatz“. Laut Bernhard, der auch mit Riedls damaliger Frau, der Schauspielerin Elfriede „Joana Thul“ Sklusal befreundet gewesen war, wäre „der Fritz“ ohne „die Joana“ nämlich „der liebenswürdige pfeifenrauchende Maler und Teppichweber für die Mittelklasse geblieben“. Ein Mensch, „der mit seiner Arbeit und der Pfeife und einem Glas Wein vor dem Zubettgehen“ zufrieden gewesen wäre.

Nun: Fritz Riedl hat Thomas Bernhards harsche Kritik überlebt. Und seine prägnanten Tapisserien (in Linz etwa in der katholischen Kirche Auhof-Dornach zu sehen) nehmen auch nach seinem Tod in der Vorwoche einen Fixplatz in der Kunstgeschichte ein.

Die Verabschiedung findet morgen, Freitag, 12 Uhr, im Linzer Urnenhain statt.

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