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Anton Lukesch: Ein bewegtes Künstlerleben ging zu Ende

LINZ. Er war ein ruheloser Bohémien, dessen Leben von Höhen und Tiefen geprägt war. Der am eigenen Leib das Schicksal der Obdachlosigkeit erlebte, aber immer wieder Fuß fasste. Am 17. Mai wurde der Linzer Kunstmaler Anton Lukesch zu Grabe getragen.

Ein bewegtes Künstlerleben mit allen Höhen und Tiefen ging zu Ende

Anton Lukesch bei einem seiner letzten öffentlichen Auftritte in Linz. Bild: Gerhard Haas/GMR

Siebzig Jahre ist Anton Lukesch alt geworden. Seinen Lebensabend verbrachte er, nach einem Schlaganfall an den Rollstuhl gefesselt, im Seniorenpflegeheim „Kursana“ in Urfahr. Sein Lebenswille war bis zuletzt ungebrochen: Nach dem Schlaganfall halbseitig gelähmt, lernte er, mit der Linken zu malen, schuf letzte, kunstfertige Öl- und Acrylbilder nach Motiven des Jakobsweges.

Bis zum „Professor“ hat es der Akademische Maler gebracht, der in seinem Werk tiefe Religiosität mit exaltierter Lebenslust verband. Unverkennbar durch seinen grau gesprenkelten Backenbart, war er ein Original, dessen Leben viele Stationen hatte. Mehrere Jahre verbrachte er bei den Indios am Amazonas, in seiner Heimat ermöglichten ihm zahlreiche Gönner immer wieder Auskommen und Unterkunft.

Mit Ferdinand Kaineder, Leiter der City-Pastoral in Linz, verband ihn eine Freundschaft. „Ich habe den Anton 1982 als Zivildiener bei der Heilsarmee in der Bethlehemstraße kennengelernt, als er nach seiner Scheidung ganz unten war“, erinnert er sich. Lukeschs Schaffensdrang blieb von seiner persönlichen Malaise unberührt: Er versah die Wände zwischen Pfarrhof und Caritashaus mit großflächigen Bildern der biblischen Brotvermehrungsszene. Sakrale Darstellungen blieben auch nach der Besserung seiner Lebensumstände sein bevorzugtes Motiv. Zwei Mal wurden seine Bilder im Linzer Dom ausgestellt, für Stift Göttweig schuf er Wandmalereien. 2007 gestaltete er den Kunstadventkalender in der Linzer Hofgasse zu Motiven aus Schuberts „Winterreise“. Für das Weingut Dockner in Göttweig entwarf er später die viel bewunderten Etiketten der Rotweinmarke „Sacra“.

Anfang Mai erlebte Lukesch, von Auszehrung schon schwer gezeichnet, die Eröffnung seiner letzten Ausstellung in einem Weingut in Fels am Wagram (Bezirk Tulln). Kaineder sprach in Anwesenheit von Lukeschs einziger Tochter Marion einführende Worte. „Am nächsten Tag haben wir von seinem plötzlichen Ableben erfahren“, sagt Kaineder. Ein bewegtes Künstlerleben, das 1940 in Linz begann und in der NS-Zeit aufgrund seiner „halbjüdischen“ Herkunft ständig bedroht war, ging damit zu Ende.

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Artikel Von Alfons Krieglsteiner 02. Juni 2010 - 00:04 Uhr
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