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Oberösterreich

Mordprozess: Landwirt lief nackt über Autobahn, dann erschoss er seine Mutter

Von nachrichten.at/apa   22. Oktober 2020 11:47 Uhr

Mutter erschossen - Schuldunfähiger Sohn vor Gericht
Der Angeklagte bei Prozessbeginn

STEYR. Ein 46-Jähriger, der Ende April in Kronstorf (Bezirk Linz-Land) seine 81-jährige Mutter mit zwei Schüssen in den Hals getötet haben soll, ist am Donnerstag vom Landesgericht Steyr bedingt eingewiesen worden.

Der Landwirt muss nicht in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher und darf zurück auf seinen Hof. Ihm wird jedoch ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Die Geschworenen hatten zwar die Frage nach dem Anlassdelikt des Mordes bejaht, allerdings sahen ihn alle als zurechnungsunfähig an.

Google-Betrieb als Stress-Faktor

Der Mann hatte im Gerichtssaal gar nicht geleugnet, geschossen zu haben. Laut eigenen Aussagen sei er quasi seiner Mutter zuvor gekommen. Er habe in der Tatnacht plötzlich auf seinem Nachttisch sein eigenes Totenbild gesehen, worauf er zu der Überzeugung gekommen sei, dass "meine Mutter mich jetzt töten oder erstechen will", meinte der große Mann vor Gericht. Darauf habe er das Gewehr geholt, dem Opfer die Tat angekündigt, es gestoßen und der betagten Frau zweimal aus direkter Nähe in den Hals geschossen. Danach rief der seit 2006 psychisch Kranke die Polizei und ließ sich widerstandlos festnehmen.

Heute tue es ihm leid und er wolle das Ansehen der Mutter hochhalten, versicherte der Sohn auf Nachfrage seines Anwalts. Auch wenn das Verhältnis der beiden Familienmitglieder nicht unproblematisch war, will das Einzelkind nicht unter der wohl dominanten Mutter gelitten haben. Vielmehr belastete ihn seit Monaten eine angekündigte Betriebsansiedlung von Google neben seinen Feldern.

"Stresssituationen fördern das Auftreten von Krankheitsepisoden." Nachdem seine Medikation nicht hoch war, sei auch der "Schutz vor Ausbruch einer neuerlicher Wahnsituation hoch gewesen, erklärte die psychiatrische Sachverständige Adelheid Kastner. So sei er nicht schuldfähig zum Zeitpunkt der Tat gewesen, weshalb der Staatsanwalt den Antrag auf Unterbringung gestellt hatte.

Gottes Stimme bei Fahrt zum Flughafen

Der Verteidiger formulierte es so, dass der große Mann mit der weichen Stimme nur mehr "Passagier in seinem Körper" gewesen war; nicht "der sanfte Riese", der im Ort als hilfsbereit und freundlich galt, sondern das "Scheusal paranoide Schizophrenie" habe getötet. Allerdings wäre "die Tat verhinderbar gewesen", nannte er einen Amtsarzt als den eigentlich Schuldigen.

Nur wenige Stunden vor der Tat war der 46-Jährige von einem Amtsarzt untersucht worden, aber nicht als Gefahr eingestuft worden. Grund für die Untersuchung war, dass er trotz Corona-Einschränkungen nach Salzburg zum Flughafen fahren wollte, um nach Kalifornien zu fliegen, nachdem er im Radio den Song "Hotel California" gehört habe. Auf der Fahrt zum Flughafen will er dann Gottes Stimme im Radio gehört haben, der ihm vorschrieb, sich allem Irdischen zu entledigen. Als der Sprit aus war, zog er sich aus und lief nackt auf der Autobahn weiter, bis er von Polizisten aufgegriffen wurde, die ihn einem Amtsarzt vorführten, beschrieb der Verteidiger, was an dem Tag geschah.

Dem Mediziner berichtete der Mann von seiner Erkrankung. Daraufhin riet ihm der Amtsarzt, die Dosis zu erhöhen und ließ ihn gehen, so der Jurist. Der beste Freund des Kranken holte diesen dann ab und fuhr ihn heim. Gegen 23.30 Uhr kamen sie am Hof in Kronstorf an, eine halbe Stunde später war die Mutter tot.

Psychotischer Schub nicht auszuschließen

Der Staatsanwalt sah in der Krankheit des Mannes jedenfalls eine Gefahr, da sich bei ihm die paranoide Schizophrenie ganz untypisch äußere. Im Gegensatz zu anderen Erkrankten sei es "erstaunlich, dass er sein Leben so meistern konnte". Ein psychotischer Schub sei nicht im Voraus erkennbar, daher sei nicht auszuschließen, dass er erneut jemanden etwas antue, wenn er unter Druck gesetzt werde. Daher beantragte er die Unterbringung.

Kastner kam zu dem Schluss, dass eine "unbedingte Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher durch andere Mittel wie regelmäßige Facharztkontrollen und das Weiterführen der Depotmedikation" zu ersetzen sei. Das Gericht entschied zudem die Bestellung einer Bewährungshilfe. Der Staatsanwalt nahm sich Bedenkzeit. Die Entscheidung ist somit nicht rechtskräftig.

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