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Wie Rohrbachs Bürger zur ersten Feuerlöschspritze kamen

Von OÖN, 08. Juli 2024, 06:00 Uhr
Wolfgang Sauber (l.) und Albert Ettmayer (r.) überreichten das Ergebnis ihrer Nachforschungen an Bürgermeister Andreas Lindorfer und Rohrbachs Feuerwehrkommandanten Martin Wakolbinger. (Fellhofer)

ROHRBACH-BERG. Feuersbrünste waren stets eine große Gefahr. Mensch und Material waren immer schon der Schlüssel zur schnellen Brandbekämpfung.

Das Rohrbacher Marktarchiv mit Originaldokumenten von 1415 bis 1848 enthält viele wertvolle, mitunter auch von Kaisern ausgestellte Urkunden aus Pergament mit anhängenden Wachssiegeln. Bisweilen gibt das Archiv auch interessante "Alltagsgeschichten" preis, die vom oftmals schweren Leben in den vergangenen Jahrhunderten erzählen. Ausgegraben werden diese immer wieder von Albert Ettmayer, der den Großbrand am Stadtplatz vor wenigen Wochen zum Anlass nahm, um sich gemeinsam mit seinem "Lehrmeister" in der Heimatforschung, Wolfgang Sauber, auf die Spuren der organisierten Brandbekämpfung in Rohrbach-Berg zu begeben. Diese ist sogar noch älter als die vor gut 150 Jahren gegründete Freiwillige Feuerwehr Rohrbach.

Feuer war bis vor 200 Jahren eine ernstliche Bedrohung. Ohne die Mittel der modernen Feuerbekämpfung war im Brandfall nicht nur ein Haus, sondern oft der halbe Markt betroffen, und die Menschen verloren ihr Existenz.

Schon eines der ältesten Dokumente Rohrbachs aus dem Jahre 1512 befasst sich mit einem Großbrand im Markt: 16 Bürger verklagen ihren Mitbürger Jörg Peckesperger, in dessen Haus der Brand ausgebrochen war, auf Entschädigung. Dieser verliert dadurch nicht nur sein ganzes Vermögen, sondern auch sein Bürgerrecht. In einer Bittschrift an den Kaiser aus dem Jahr 1558 wird überdies beklagt, dass es innerhalb der letzten Generation vier Brände in Rohrbach gab. Auch in einem Dokument aus dem Jahr 1713 wird über eine "Feuersbrunst" im Jahre 1676 berichtet.

In der Topothek Rohrbach-Berg werden spätere Großbrände aus dem Jahr 1879 und nach dem Zweiten Weltkrieg angeführt, die "halb Rohrbach einäscherten".

Brandschutz anno 1799

Wie sehr den Menschen immer die Angst vor dem Feuer im Nacken saß, bezeugt auch die erste überlieferte Rohrbacher Brandschutz-und Feuerlöschordnung aus dem Jahre 1799, die vorsah, dass in allen Bürgerhäusern stets ein Feuereimer und ein Bottich mit Wasser am "Boden" verwahrt werden mussten. Noch im Jahr 1843 bestellte der Markt Rohrbach "100 wasserdichte aus Stroh gefertigte, innwendig mit Leinwand gefütterte und mit Ölfirnis gegen das Durchnässen geschützte Feuerlöscheimer".

In einer alljährlichen Feuerbeschau wurden die Vorschriften streng kontrolliert. Tätigkeiten bei offenem Feuer, besonders in der Nacht, wurden daher stark beschränkt. Dazu gehörte beispielsweise auch "das Strohschneiden, Dreschen, Flachs brechen, Hecheln und dergleichen Arbeiten". Ganz verboten war das Tabakrauchen an feuergefährlichen Orten, auch wenn die Pfeife einen Deckel hatte. Im Übrigen musste bei der jährlichen "Ehaft", also dem Treffen aller Bürger, die Feuerlöschordnung verlesen werden, damit auch die Analphabeten Bescheid wussten.

Wasser von der Wäsch’

War aber ein Brand erst einmal ausgebrochen, so regelte die "Feuerlöschordnung" von 1799 auch die Maßnahmen zur Brandbekämpfung. Für das Herbeischaffen von Wasser bei Bränden im unteren Teil des Marktes waren sämtliche Bürger auf der Mauer mit ihren Dienstboten zuständig und mussten mit ihren Wassergeschirren das Wasser, teils von der unteren Wäsch’, teils vom dortigen Teich, teils von der sogenannten Bachwäsch’, in die Wasserfässer füllen. Bei Feuer im oberen Teil des Markts waren die Bürger vom unteren Teil zuständig. Weiter heißt es, dass die "Häusler" und weiblichen Dienstboten das Wasser in Feuereimern und anderen Behältnissen den auf den Leitern und Dächern löschenden Personen zureichen mussten.

Erste fahrbare Feuerspritze

Aus einem Schreiben des Marktes Rohrbach an das Mühlkreisamt in Linz ist zu erfahren, dass am 22. Juni und 30. Juli 1837 in Rohrbach zwei Feuersbrünste ausbrachen, wobei 17 Bürgerhäuser und das Marktbräuhaus total zerstört wurden und eine weitere Ausbreitung nur durch die neuen Feuerwehrspritzen der benachbarten Orte Haslach, Schlägl und Helfenberg, verhindert werden konnte. Da Rohrbach selbst nur eine eigene kleine tragbare Feuerspritze besaß, entschloss sich der Magistrat, eine eigene Feuerspritze anzuschaffen. Da dafür kein Geld in der Marktkasse war, musste beim Mühlkreisamt um Genehmigung angesucht werden, das Geld aus dem wohlausgestatteten "Sozialfonds" des Bürgerspitals zu entnehmen zu dürfen. Auch das Distriktskommissariat Götzendorf gab seinen Segen mit der Auflage, die Rohrbacher mögen sich ihre Feuerspritze tunlichst selbst bezahlen.

1843 wurde in Rohrbach jedenfalls die erste fahrbare Wagenspritze um 492 Gulden 30 Kreuzer angekauft. Die Anschaffung wurde ausgeschrieben: C.T. Staffelmayr, bürgerlicher Glockengießer zu Steyr, bekam den Zuschlag, der drauf hinwies, dass er selbst dieses Modell erfunden habe. Der Vorteil dieser Spritze läge vor allem darin, dass diese sehr leicht zu "drücken" sei, womit die halbe Anzahl der Menschen als bisher zum Pumpen benötigt würde. Zehn Eimer (ca. 560 Liter) Wasser konnten in einem Behälter gefasst werden, der innen mit Kupfer, außen mit Eisen beschlagen war. Für den Wasserstrahl wurde eine Höhe von 16 bis 18 Klafter als notwendig erachtet, um auch die Dächer noch erreichen zu können.

Am 28. Mai 1854 wurde die Feuerspritze im Rahmen einer Übung erprobt, wobei alle Bürger namentlich zum Arbeitseinsatz eingeteilt waren. Mit der Bedienung der Spritze wurden etwa die Herren Karl Niedersüß jun., Alois und Georg Nößlböck, Josef Oberngruber und Josef Ransmayr betraut.

Freilich brauchte man auch ein Zeughaus, es wurde in der Lederergasse – der heutigen Poeschlgasse – errichtet. Bis zum Umzug in die Gewerbeallee 1993 fand dort auch die 1873 gegründete Freiwillige Feuerwehr Rohrbach Quartier.

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