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Rallye-Pilot geschockt: „Fast hätte es drei Tote gegeben“

Von Bernhard Leitner   17.März 2019

So richtig konnte sich Julian Wagner am Samstagabend über den zweiten Platz bei der Rebenland-Rallye und die verteidigte Gesamtführung der Österreichischen Rallyemeisterschaft nicht freuen. Zu tief saß bei ihm der Schock über jene Sekunden, die am Freitag beinahe in einer Katastrophe gemündet hätten. Wagner hatte sich von Beginn an mit Hermann Neubauer ein Sekunden-Duell um die Führung geliefert, als am Ende der vierten Sonderprüfung ein Zuseher trotz aller Warnungen die Fahrbahn querte: Unmittelbar vor dem mit 140 km/h heranbrausenden Skoda-Piloten und das außerdem an einer Stelle, an dem die Fahrzeuge zu einem Sprung ansetzten. 

„Rund 200 Meter vor dem Ziel war ein Sprung und der Mann ist genau auf der Kante der Kuppe über die Straße gelaufen. Ich musste blitzartig nach rechts lenken um auszuweichen, bin dadurch zu weit rechts abgesprungen und in der Wiese gelandet. Das wäre grundsätzlich noch zu korrigieren gewesen, aber ich habe auf der Wiese zwei Fotografen bemerkt, die ich voll getroffen hätte, wenn ich geradeaus gelenkt hätte“, erinnert sich der junge Mauthausener an die dramatische Szene. 

Bei dem lebensrettenden Ausweichmanöver drehte sich Wagner mit seinem Skoda Fabia R5 von der Strecke. Die dadurch verlorene Zeit wurde zwar später von der Rennleitung korrigiert, der Schrecken saß dem Mühlviertler dennoch eine ganze Weile in den Knochen. Wagner: „Auf dem Onboard-Video habe ich später gesehen, wie knapp das alles war! Der Zwischenfall hat mich aber die gesamte Nacht beschäftigt. Ich bin mehrmals aufgewacht und habe mir viele Gedanken darüber gemacht, was passiert wäre, wenn ich falsch reagiert hätte, oder wenn das Auto nach dem Sprung anders aufgekommen wäre. Es hätten drei Menschen sterben können.“

Umso bemerkenswerter sind die Leistungen, die der 24-jährige auf den folgenden Prüfungen zeigen konnte. Bereits auf der SP5 verlor er nur zwei Zehntelsekunden auf den führenden Ex-Staatsmeister Hermann Neubauer im Ford Fiesta R5. Auf der SP 8 markierte Wagner sogar Bestzeit, war auf SP10 ex aequo mit Neubauer erneut vorne und ließ auch auf der abschließenden Powerstage die gesamte Konkurrenz hinter sich. Am Ende fehlten dem Newcomer und Sieger bei der diesjährigen Jännerrallye gerade einmal 25 Sekunden auf Gesamtsieger Neubauer. Der Lohn dieser Anstrengungen: Platz zwei im Endklassement und Führung in der Staatsmeisterschaft mit 49 Punkten.

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19. November 2019