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„Was Alpbach für die Wissenschaft ist, wollen wir für Menschenrechte werden“

BEZIRK PERG. Die Gemeinden Mauthausen, Langenstein und St. Georgen/Gusen laden ihre Bürger ein, neue Formen des Erinnerns und des Lernens zu entwickeln.

„Was Alpbach für die Wissenschaft ist, wollen wir für Menschenrechte werden“

Symbolbild. Bild: apa

Neue Zugänge zu ihrem durch die NS-Zeit belasteten historischen Erbe wollen die Gemeinden Mauthausen, Langenstein und St. Georgen/Gusen gemeinsam erschließen. Helfen soll dabei vor allem die Wohnbevölkerung. „Aus der dunklen Vergangenheit sollen im Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern sinnvolle Erkenntnisse für die Zukunft entstehen“, sagte Projektleiter Alfred Zauner gestern bei der Präsentation der „Bewusstseinsregion Mauthausen – Gusen – St. Georgen“.

Hauptsächlich gehe es darum, den Menschen, die im direkten Umfeld ehemaliger Konzentrationslager leben, zu unterstützen, einen lebbaren Umgang mit der Vergangenheit zu entwickeln. „Gerade im Ausland bedeutet es für einen Mauthausener eine Überwindung, offen zum Heimatort zu stehen. Da kommt oft die Frage, wie man denn an so einem Ort überhaupt leben könne“, sagt Ortschef Thomas Punkenhofer. Aus dieser besonderen Verantwortung heraus wollen sich die Gemeinden in den kommenden Jahren als Region positionieren, die offensiv für Demokratie, Freiheit und Zivilcourage eintritt. „Was der Ort Alpbach in Tirol für die Wissenschaft ist, wollen wir für die Menschenrechte werden“, ergänzt St. Georgens Bürgermeister Erich Wahl.

Der Zeitpunkt, gerade jetzt mit diesem Vorhaben zu beginnen, sei aus zwei Gründen ideal. Einerseits jährt sich im kommenden Jahr der Anschluss an Nazi-Deutschland zum 75. Mal. Andererseits sei auch in der Bevölkerung der Umgang mit dieser Bürde ein anderer geworden, sagt Langensteins Bürgermeister Christian Aufreiter: „Bei uns war das KZ ja nicht irgendwo außerhalb am Ortsrand, sondern mitten drin in der heutigen Ortschaft Gusen. Das war über viele Jahre ein Tabu. Erst seit kurzem hat sich hier auch in der Bevölkerung ein anderer Zugang entwickelt. Es braucht eine gewisse geschichtliche und persönliche Distanz, um darüber offen sprechen zu können.“

Welche Maßnahmen ergriffen werden, um sich als Bewusstseinsregion zu präsentieren, soll in Bürgerräten sowie Themenrunden formuliert werden – siehe Infokasten. Die Menschen vor Ort sollen die Chance bekommen, ihre Anliegen und Bedenken offen anzusprechen. Zauner: „Nur im Dialog mit den Menschen kann das Projekt erfolgreich sein.“

 

Die nächsten Schritte

Kreativ-Workshops: In Themenrunden werden Menschen eingeladen, die der Region verbunden sind und ihr fachliches Wissen einbringen können: Wirtschaftstreibende, Kulturschaffende, Personen aus Opferverbänden oder Menschen, die in der Region aufgewachsen sind, heute jedoch anderswo leben.

Bürgerräte: Aus jeder der drei Gemeinden werden per Zufallsstichprobe 12 bis 15 Personen ausgewählt, die unter Anleitung professioneller Moderatoren ihre Wahrnehmungen, Erwartungen und Ärgernisse rund um eine künftige Bewusstseinsregion austauschen. Die Ergebnisse werden zusammengefasst und dienen als Grundlage für künftige Aktivitäten.

Zeitplan: Am 4. Dezember werden Projektleiter Alfred Zauner und Konfliktforscherin Brigitte Halbmayr in den Gemeindeämtern für Fragestunden zur Verfügung stehen: in St. Georgen von 9.30 bis 11.30 Uhr, in Langenstein von 13 bis 15 Uhr und in Mauthausen von 16 bis 18 Uhr. Die Bürgerdialoge und ihre Ergebnisse werden bis März 2013 bearbeitet.

 

Das Konzentrationslager Mauthausen

Das KZ Mauthausen existierte von August 1938 bis Mai 1945. In dieser Zeit wurden in das Lager und seine Nebenlager etwa 200.000 Menschen deportiert. Ziel des Lagers war „Vernichtung durch Arbeit“, besonders gefürchtet die „Todesstiege“, auf der die Häftlinge Granitblöcke schleppen mussten. Zehntausende Menschen starben in diesem KZ oder wurden ermordet. Ab 1942 wurden Tausende in Gaskammern umgebracht.

In den drei Nebenlagern Gusen I, II und III waren zwischen 1939 und ‘45 knapp 70.000 Menschen inhaftiert, auch hier kamen Zehntausende ums Leben. Die Häftlinge im Lager Gusen I mussten in den Gusener Steinbrüchen, im Stollenbau und in der Waffenindustrie arbeiten. Die Inhaftierten des Lagers Gusen II mussten für das geheime Luftwaffen-Projekt „B8 Bergkristall“ in unterirdischen Hallen Flugzeuge in Fließbandfertigung erzeugen.

 

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Kommentar "Verantwortung" von  Bernhard Leitner

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Artikel Bernhard Leitner 22. November 2012 - 00:04 Uhr
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