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Mühlviertel

Späte Ehre für einen vertriebenen Sohn Pergs

Von OÖN   11. Mai 2017 17:14 Uhr

Ausstellung Thomas Lansius Heimathaus Museumsverein
Ausstellungskurator Franz Pfeiffer mit August Spaller.

PERG. Wie der in Perg aufgewachsene Thomas Lanz an der Universität Tübingen Karriere machte, zeigt eine Sonderausstellung im Stadtmuseum Perg.

Dem Leben des europaweit anerkannten Gelehrten Thomas Lansius sowie den Wirren der Reformation und Gegenreformation im Unteren Mühlviertel ist die diesjährige Sonderausstellung im Perger Heimathaus gewidmet. Anlass für die Schau ist der 440. Geburtstag von Thomas Lansius. Aufgewachsen in Perg als Sohn eines hier ansässigen Tuchscherers ließ der junge Thomas Lanz schon bald großen intellektuellen Fähigkeiten aufblitzen. Das Problem: Als Anhänger der Lutherischen Reformation machte er ihm alsbald die aufgeheizte Stimmung in der Zeit der Gegenreformation zu schaffen, sodass er an der Universität in Tübingen inskribierte, wo er rasch eine beachtliche wissenschaftliche Karriere begann. Unter ihm als Universitätsprofessor erlangte Tübingen einen guten Ruf unter den Adelshäuser in ganz Mitteleuropa. Im Jahr 1627 hielt Lansius, wie er sich nun nannte, die Festrede an der Universität Tübingen zum 100-jährigen Reformationsjubiläum.

„Wir haben versucht, das Wirken dieses großen Gelehrten gerecht zu werden und gleichzeitig auch sein Lebensumfeld und das seiner Zeitgenossen hier in Perg zu veranschaulichen“, sagt Heimatvereins-Obmann Franz Moser. Dafür wurde ein entsprechend großer Recherche-Aufwand betrieben. Ausstellungskurator Franz Pfeiffer: “Wir haben einige Tage in Tübingen verbracht und haben dort in der Bibliothek einige seiner 400 Jahre alten Originalschriften studiert.“ 

Erste Rechenmaschine der Welt

Dem Thomas Lansius ist auch das Wissen darüber zu verdanken, wer die mechanische Rechenmaschine erfunden hat. Die erste mechanische Rechenmaschine der Welt war aus Holz und verbrannte, bevor sie ganz fertig war. Der Erfinder, Wilhelm Schickard aus Tübingen, hatte sie für Johannes Kepler gebaut. Thomas Lansius bewahrte den Nachlass seines Kollegen, Freundes und Nachbarn Wilhelm Schickard nach dessen Tod verschnürt im Keller seines Wohnhauses für die Erben auf. Darin befand sich auch eine Skizze der “Rechenuhr” Schickards. Diese Skizze und eine weitere Skizze aus dem Nachlass von Johannes Kepler ermöglichten ab 1957 die Herstellung von funktionsfähigen Nachbauten.

In Österreich sind nur zwei derartige Nachbau-Rechenmaschinen verfügbar, eine im Technischen Museum in Wien und eine im Archiv der Johannes Kepler Universität in Linz. Während der Sonderausstellung “Thomas Lansius - Flucht & Karriere” wird das Linzer Exponat von Mai bis Oktober 2017 im Heimathaus-Stadtmuseum Perg zu bewundern sein.

Weitere Originalexponate und Repliken für die Ausstellung wurden von der Universität Tübingen, vom Stift Kremsmünster, vom Schlossmuseum Peuerbach, vom Innviertler Volkskundehaus, vom Heimatmuseum Langenstein, von den Pfarren Pergkirchen und Bad Kreuzen und vom Evangelischen Museum Oberösterreich in Rutzenmoos zur Verfügung gestellt.

Zur Eröffnung der Ausstellung trugen Andreas Holzer, Anton Neulinger und Gerhard Raab ein instrumental begleitetes Lied vor, das zuletzt vor 360 Jahren bei einer der Trauerfeierlichkeiten für den im hohen Alter von 80 Jahren verstorbenen Thomas Lansius zu hören war.

 

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