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Sandstürme, 40 Grad im Schatten und Kriegswunden, die nur langsam heilen

ARBING. Heinz Wegerer leitet für „Ärzte ohne Grenzen“ die Logistik von drei großen Flüchtlingslagern um die irakische Stadt Kirkuk.

MSF Kirkuk Wegerer

Die Temperaturen rund um Kirkuk klettern oft über die 40-Grad-Marke. Bild: Ärzte ohne Grenzen

Dass ihm das Schicksal von Menschen in ärmeren Regionen der Welt nicht egal ist, beweist Heinz Wegerer seit drei Jahren mit dem Aufbau der „Arbing School Of Kamobo“ in Kenia. Nun hat es den Mühlviertler in ein Land verschlagen, in dem Menschen nicht nur materielle Not leiden, sondern auch die Schrecken von Krieg und Terror miterleben mussten: Seit Mai arbeitet Heinz Wegerer in der Region Hawija im Nordirak. Hier ist der ausgebildete Logistiker für die Betreuung der technischen Infrastruktur bei drei Hilfsprojekten von „Ärzte ohne Grenzen“ zuständig. 

Die Situation der Menschen aus der irakischen Provinz Hawija ist trist, berichtet der Mühlviertler: „Etwa 100.000 Menschen wurden während der IS-Herrschaft und den folgenden Militäroperationen vertrieben. Sie haben kein Zuhause mehr, medizinische Einrichtungen liegen teilweise in Trümmern. Trinkwasser und Strom, aber auch Arzneimittel sind Mangelware.“ Bis zu 10.000 Flüchtlinge fanden in jenem Camp bei Kirkuk Unterschlupf, in dem Wegerer aktuell arbeitet. Wegerer: „In den vergangenen Wochen haben viele wieder versucht, nach Hawija zurückzukehren. Ärzte ohne Grenzen versucht jetzt in zwei weiteren Projekten, auch dort, eine medizinische Grundversorgung aufzubauen.“ 

Als Supply Chain Manager ist der Arbinger für die Materialversorgung aller drei Projekte rund um Kirkuk verantwortlich. Er leitet ein Team mit drei irakischen Angestellten und muss sicherstellen, dass die Mediziner die nötigen Ausrüstung und Medikamente zur Versorgung der Patienten zur Verfügung haben. 

Mit einem Engagement bei „Ärzte ohne Grenzen“ hat Heinz Wegerer, der im Juli im Irak seinen 30. Geburtstag feierte, schon länger spekuliert: „Mich fasziniert die Bereitschaft, Menschen in Not zu helfen – ohne Wenn und Aber. Eine eigentlich natürliche Sache, die in der heutigen Zeit leider nicht mehr als selbstverständlich angesehen werden kann.“ Heuer habe er sich bereit gefühlt, sein bisher erworbenes fachliches Wissen in den Dienst dieser Organisation zu stellen. 

Zur Vorbereitung auf seinen Einsatz im Irak durchlief Wegerer ein ausführliches Training, in dem auch auf die kulturellen Gegebenheiten vor Ort eingegangen wurde. Auf einige Kleinigkeiten musste sich der Österreicher dennoch erst einstellen. „Es ist verpönt, als Mann einer Frau zur Begrüßung die Hand zu reichen. Das wäre für die Frau sehr unangenehm. Für mich war es auch eine Umstellung, dass man beim Sitzen die Füße nicht überkreuzen soll, weil man sonst dem Gegenüber die Fußsohle präsentiert.“ 

Eine Belastung bedeutete für den Mühlviertler natürlich das Klima: „Das ist hier wirklich extrem. Seit ich im Mai hier angekommen bin, gab es noch keinen Niederschlag, dafür jede Menge Sandstürme. Die Temperaturen liegen seit Monaten täglich bei teils deutlich über 40 Grad. Auch in der Nacht hat es selten unter 30 Grad.“ Frisches Leitungswasser genießen zu können, ist eine jener Annehmlichkeiten, die Wegerer nach seiner Rückkehr im November besonders genießen wird. Auch die Sicherheit, Straßenecken ohne Maschinengewehre und gepanzerte Fahrzeuge. „Dennoch werde ich die Menschen hier auch vermissen. Wie sie geschafft haben, sich trotz aller Gewalt, Kriege und dem Leid, das sie erfahren mussten, aufzuraffen und positiv zu denken, das ist einfach bemerkenswert.“


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Artikel Von Bernhard Leitner 28. September 2018 - 09:51 Uhr
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