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„Luftg’selchter Pfarrer“ starb mit 37 Jahren an einem Blutsturz und war Pfeifenraucher

ST. THOMAS AM BLASENSTEIN. Einsatz von Chemikalien und spezielle Lagerung machten Leichnam besonders haltbar

Mumie

Ein Brustkreuz ruht auf dem Oberkörper der Mumie. Bild: Judith Wimmer

Spannung, Neugierde und großes Interesse der Bevölkerung kennzeichneten am Sonntagnachmittag die Präsentation aktueller Forschungsergebnisse rund um den „luftg’selchten Pfarrer“ im Saal der Volksschule St. Thomas am Blasenstein. Andreas Nerlich vom städtischen Klinikum München sowie Oliver Peschel und Peter Hofer vom Institut für Rechtsmedizin an der Universität München waren in das Mühlviertel gereist, um hier die Ergebnisse ihrer eingehenden Untersuchungen der berühmten Mumie vorzustellen. Und sie stellten den zahlreichen besuchern auch eine computergestützte Gesichtsrekonstruktion des Leichnams vor.

Pfarrer starb natürlichen Todes

Ihr Ergebnis: Beim „luftg’selchten Pfarrer“ handelt es sich – wie schon seit längerer Zeit vermutet – um den 1746 im Alter von 37 Jahren verstorbenen Pfarrvikar Franz Xaver Sydler von Rosenegg. Wahrscheinlichste Todesursache ist ein Blutsturz in Folge einer Lungentuberkulose. Hinweise auf einen gewaltsamen Tod fanden sich ebenso wenig wie jene auf eine Vergiftung. Diese Theorie war immer wieder ins Spiel gebracht worden, seit eine Röntgenuntersuchung im Jahr 2000 auf eine rätselhafte „Kugel“ im Unterbauch der Mumie gestoßen war. Die nun durchgeführte Computertomografie identifizierte diese Kugel nämlich als Überrest einer gläsernen Rosenkranzperle. Die Münchner Gereichtsmediziner gehen davon aus, dass der Körper des Franz Xaver Sydler nach dessen Tod mit Stoffresten, Hobelspänen und Astwerk ausgestopft wurde. Eine toxikologische Untersuchung ergab außerdem, dass die Haltbarmachung des Leichnams mit Einsatz von Chemikalien unterstützt wurde. Dies und eine längere Lagerung unter Luftabschluss haben den Leichnam dermaßen gut erhalten, dass er etwa 100 Jahre nach seinem Tod zur regionalen berühmtheit wurde.

„Vielleicht sollte Franz Xaver in das Stift Waldhausen gebracht werden, um dort die letzte Ruhe unter seinen Ordensbrüdern zu finden. Oder er wurde dort präpariert und kam dann zurück nach St. Thomas“, so Judith Wimmer vom Kunstreferat der Diözese Linz. Die würde die Ähnlichkeit mit den Waldhausener Mumien erklären.

Als Pfeifenraucher „überführt“

Ein kleines „Laster“ des Priesters deckten die Wissenschafters bei ihrer Untersuchung auf: Die Abnützung der Vorderzähne identifizieren ihn als leidenschaftlichen Pfeifenraucher. Ansonsten sei er gut genährt gewesen und musste keine schwere körperliche Arbeit leisten.

Seit ihrer Rückkehr aus München ist die Mumie wieder auf ihrem angestammten Platz in der Gruft der Pfarrkirche St. Thomas zu sehen. Einen willkommenen finanziellen Beitrag zur Sanierung der Gruft leistete Michael Leimer am Ende der Präsentation am Samstag: Der Besitzer der „Rieglmühle“ spendete die auf 3.000 Euro aufgerundeten Einnahmen aus dem „Tag des Denkmals“ für diesen Zweck.

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Artikel 05. November 2018 - 13:08 Uhr
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