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Kulturzentrum hat einen Perger Chef

GRANADA. Dieter Stadler leitet das von Dietmar Schönherr gegründete „Haus der drei Welten“.

Kulturzentrum hat einen Perger Chef

Dieter Stadler lebt seit 25 Jahren in Nicaragua. Bild: Laglstorfer

„Wie viele Mitarbeiter haben S‘ denn?“, fragte der nicaraguanische Trappistenmönch und Kulturminister Ernesto Cardenal. „Rund 1000“, antwortete der damalige Caritas-Präsident Prälat Ungar. „Na, könnten S‘ uns da nicht einen geben?“ Dank dieser geschickt vorgetragenen Bitte hat es den aus Perg stammenden Caritas-Mitarbeiter Dieter Stadler 1988 von Wien nach Nicaragua – eines der ärmsten Länder Lateinamerikas – verschlagen.

Seither leitet der 60-jährige Perger die „Casa de los Tres Mundos“, übersetzt das „Haus der Drei Welten“, in der nicaraguanischen Stadt Granada. Das von Cardenal und vom österreichischen Schauspieler Dietmar Schönherr gegründete Entwicklungsprojekt gilt heute als das bedeutendste Kulturinstitut Zentralamerikas. Neben einem Veranstaltungszentrum gibt es in der „Casa“ unter anderem eine Kunst- und Theaterschule sowie einen Ausbildungs-Radiosender. Unterrichtet werden Kinder und Jugendliche aus allen sozialen Schichten.

Inflation: Rucksäcke voll Geld

„In meiner Anfangszeit Ende der 80er-Jahre haben wir das prächtige Gebäude der ‘Casa’, das damals fast verfallen wäre, jahrelang renoviert“, sagt Stadler über den ehemaligen Gouverneurssitz der früheren Kolonialherren aus Spanien. Damals herrschte in Nicaragua infolge des vorangegangenen Bürgerkrieges eine Hyperinflation von 30.000 Prozent: „Ich kann mich noch recht lebhaft daran erinnern, wie ich mit Rucksäcken voller Geld die bei uns tätigen Bauarbeiter bezahlen musste.“

Eines seiner vielen Erfolgsprojekte ist die 1992 gegründete hauseigene Musikschule, in der hunderte Kinder ein Musikinstrument lernen. Die praktisch kostenlose Ausbildung ist so gut, dass besondere Talente sogar zu einem Musikstudium herangeführt werden: „Einige unserer Schüler haben die Aufnahmeprüfungen an internationalen Musikhochschulen geschafft. In Nicaragua selbst gibt es leider noch keine Möglichkeit, das erlernte Instrument auf Universitätsniveau zu studieren“, sagt der Chef von rund 50 Mitarbeitern, darunter zahlreiche Musikschullehrer.

Zerstörerischer Hurrikan

1998 brauste der Hurrikan „Mitch“ über Zentralamerika und forderte viele Menschenleben. Angesichts der Überschwemmungskatastrophe initiierte Stadler das Dorfentwicklungsprojekt Malacatoya, um die schwer betroffene Landbevölkerung in der Gemeinde Granada an einen geschützten Standort umzusiedeln. „900 Menschen wurden evakuiert und viele von ihnen waren damals plötzlich obdachlos. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, das Dorf an einem sicheren Ort neu aufzubauen“, sagt der Oberösterreicher.

In den Folgejahren wurde die Errichtung von insgesamt 136 Einfamilienhäusern samt der erforderlichen dörflichen Infrastruktur für das neue Dorf Malacatoya von ihm koordiniert. „Wir haben über Spenden das Baumaterial, die Pläne und die Architekten zur Verfügung gestellt. Die Dorfbewohner haben sich dadurch ihre Häuser wieder selbst aufbauen können“, sagt der studierte Politologe und Historiker. Heute leben mehr als 1000 Menschen in Malacatoya, das sich dank der Unterstützung aus Österreich, der Schweiz und Deutschland zu einem ruralen Zentrum mit Schule, Gemeinde- und Gesundheitszentrum sowie einer Polizeistation entwickelt hat.

Seit mehr als zehn Jahren entsendet der Österreichische Auslandsdienst Sozialdiener nach Granada, die statt Bundesheer und Zivildienst an der „Casa“ mitarbeiten: „Engagierte Leute mit guten IT-Kenntnissen oder einer künstlerischen Ader können bei uns während ihres Zivilersatzdienstes viel bewegen“, sagt Stadler, der vor seinem Nicaragua-Engagement Auslandserfahrungen in Mexiko, den USA und Guatemala gesammelt hatte.

„Die Jahreszeiten fehlen mir“

Richtig vermissen würde er aus Österreich beim ersten Gedanken nichts, aber „manchmal wäre es schön, die vier Jahreszeiten aus der Heimat zu haben, schließlich gibt es in Nicaragua nur Trocken- und Regenzeit“, sagt der seit einem Vierteljahrhundert in Lateinamerika lebende Auslandsösterreicher. Nächstes Jahr feiert der Entwicklungshelfer, der mit einer Nicaraguanerin verheiratet ist, seinen 60. Geburtstag: „Im Moment habe ich kein Bedürfnis, nach Europa zurückzugehen. Aber wer weiß, was die Zukunft bringt!“

 

Casa de los tres mundos – das Haus der drei Welten

Das „Haus der drei Welten“ in Granada ist ein internationales Kultur- und Kommunikationszentrum. 1987 erwarben der österreichische Filmschauspieler und Schriftsteller Dietmar Schönherr und sein Freund Ernesto Cardenal, nicaraguanischer Poet, Mönch und damaliger Kulturminister, die Casa de Los Leones. Das Haus war während der Kolonialzeit offizieller Sitz des spanischen Gouverneurs in Granada, Nicaragua. Schönherr und Cardenal restaurierten die baufällige Adelsvilla und bauten sie zu einem Kulturzentrum aus. 1992 öffnet die „Casa de Los Tres Mundos“ ihre Türen. Hier finden Projekte aus den Bereichen Kunst, Bildung und Forschung statt.

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Artikel Rene Laglstorfer 23. August 2012 - 00:04 Uhr
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