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Georg Mittendrein: „Ich putsche nicht, ich entwickle“

PREGARTEN. Georg Mittendrein ist neuer Geschäftsführer des Kulturhauses Bruckmühle. Seinen sehr breiten und offenen Kulturbegriff will der Wiener auch in Pregarten weiterleben.

„Ich putsche nicht, ich entwickle“

Georg Mittendrein in seinem neuen "bisher skurrilsten" Büro Bild: Eidenberger

Mit 1. April tritt Georg Mittendrein (62) die Stelle als neuer Geschäftsführer der Bruckmühle an. Die Mühlviertler Nachrichten trafen den Wiener in seinem neuen Büro, das diesen ob seines Maschinenraum-Charmes – und Geruchs – nachhaltig beeindruckte: „Ich hatte schon skurrile Büros. Aber so etwas noch nie.“

 

Mühlviertler Nachrichten: Was verschlägt einen Wiener Theaterintendanten von Bayern nach Pregarten?

Mittendrein: Ich habe Wien vor 25 Jahren in kulturellem Unfrieden verlassen und bin nach Deutschland gegangen. Meine Familie blieb in Wien, was mich zum Pendler machte. Beruflich war das schon in Ordnung, aber irgendwann ist es genug mit der Fahrerei. Andererseits interessiert mich die Bruckmühle natürlich programmatisch. Die Verbindung von Kultur und Regionalentwicklung habe ich immer gemacht. Dass die Kultur nichts Weltfremdes ist, sondern zu etwas gut ist – das war immer meins.

War Ihnen die Bruckmühle vor Ihrer Bewerbung ein Begriff?

Nein. Was ich auf der Homepage gefunden habe, war mir sehr sympathisch. Die Verzahnung von Kultur, Sozialem und natürlich Wirtschaft. Pregarten hat für eine kleine Stadt sehr viel zu bieten. Und angenehm überrascht war ich auch davon, wie offen mit der Vergangenheit, zum Beispiel der Mühlviertler Hasenjagd, umgegangen wird. Da könnten sich die Wiener Philharmoniker ein Beispiel nehmen. Auch dass Pregarten überhaupt so etwas hat wie die Bruckmühle und die Erkenntnis, dass Kultur und Regionalentwicklung zusammengehören – das ist ja fast avantgardistisch.

Die Bruckmühle hat eine wechselhafte Geschichte – verschiedene Geschäftsführer, verschiedene Pächter im Gasthaus, lange Schwierigkeiten mit den Finanzen, ein durchwachsener Stand bei der Bevölkerung. Mit welchem Gefühl beginnen Sie Ihre Arbeit hier?

Ich bin gewohnt, fremd zu sein und mich einzuarbeiten. Pragmatisch gesagt steht das Programm bis zum Jahresende. Dass Kulturinstitute immer umstritten sind, ist klar. Was mich interessiert, ist das Verständnis für die Notwendigkeit dieser Einrichtung zu vertiefen. Man muss schauen, das Haus so offen wie möglich zu gestalten. Ich werde hier leben und wohnen und mich um jeden einzelnen Kontakt bemühen. Publikum ist nicht nur der belegte Theaterstuhl oder die verkaufte Eintrittskarte. Das wirklich Interessante ist, was Kultur in Menschen bewirken kann. Den Rest muss ich auf mich zukommen lassen. Ich sage oft im Scherz: Bei meiner ersten Station in Deutschland war das Wichtigste, was ich erreicht habe, die Eindämmung der Marderplage. Die Kulturschaffenden müssen sich in die Gesellschaft, in der sie leben, einbringen. Hochkultur war nie meins. Ich will etwas von den Menschen zurückbekommen.

Auf meine Frage an den Bürgermeister, welches denn die wichtigste Qualifikation für den neuen Geschäftsführer sei, kam wie aus der Pistole geschossen: Er muss gut mit den Vereinen zusammenarbeiten können. Ist es dafür ein Vorteil oder ein Nachteil, von außerhalb zu sein?

Natürlich ist das Fremdeln vorhanden: Wer ist das überhaupt? Ich schmeiße mich sehr gerne heftig in meine Tätigkeitsfelder. Aber es ist mir schon wichtig, eine Fremdheit zu bewahren, den Außenblick zu behalten. Ich muss schon das Innen kennen, aber muss auch zwei, drei Schritte zurücktreten können. Ich werde mich niemandem aufdrängen, aber für alle mit den Mitteln, die das Haus und ich bieten, zur Verfügung stehen.

Was kann eine Kultureinrichtung auf dem Land bieten? Noch dazu eine in Nähe und Konkurrenz zur Landeshauptstadt Linz?

Es gibt ja verschiedene Dinge, die man mit diesen Räumen machen kann. Aber ich glaube, ich würde nicht einmal auf eine einzige Idee kommen, die mit Linz konkurriert. Linz hat ein Landestheater, eines der besten Orchester Österreichs, Galerien und vieles mehr. Linz ist ein gutes Beispiel, das war ja schrecklich früher. Dann kam man drauf: Die Sache mit der Kultur rechnet sich doch. Jetzt muss ich mich einmal hier zurechtfinden und schauen, was wir machen können. Dann werden wir auf die Suche nach einem Alleinstellungsmerkmal gehen.

Welche neue Schwerpunkte gibt es, welche Elemente des Programms bleiben?

Ich werde mich bemühen, ein Programm zu machen, dass für die Menschen hier interessant ist. Jetzt muss ich mich mal einfinden und allen zuhören. Aber es steht natürlich auch alles auf dem Prüfstand. Ich putsche nicht, ich entwickle. Zum Beispiel: Der Literaturwettbewerb Schreibkraft ist gut. Ist er vielleicht besser, wenn wir ihn präzisieren? Der Leiter eines Kulturinstitutes muss mehrere Dinge im Auge haben. Es muss die Kasse stimmen und auch die Öffentlichkeitswirkung darf man nicht aus den Augen verlieren. Man darf schon seine Utopien behalten. Sie hemmungslos auszuleben, tun nur die Dummen von uns.

 

Biografie

 

62 Jahre ist Georg Mittendrein alt. Sich in diesem Alter einer neuen Herausforderung zu stellen, ist für ihn keine Besonderheit: „Ich habe das Glück gesund zu sein. Jugendlichkeit ist ja keine Frage des Alters. Eines meiner Hauptinteressen ist nach wie vor Rockmusik.“ Und ein Vorteil: „Das Karrierestreben habe ich nicht mehr. Mein Ehrgeiz ist der, diesen Job gut zu machen.“
Stationen: In den 1980er-Jahren gründete er das „Jura Soyfer Theater“ in Wien, ab den 1990er-Jahren war er Intendant in Thüringen, Südtirol, Naumburg, Sachsen und am Main. 2008 gründet Mittendrein das Maintal-Theater, das er bis zum Vorjahr leitete.
Der Theatergründer, Intendant, Regisseur und Autor ist verheiratet und Vater einer erwachsenen Tochter.
 
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Artikel Barbara Eidenberger 22. März 2013 - 00:04 Uhr
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