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Mühlviertel

Erst Jubel, dann Ernüchterung: Erster Weltkrieg im Mühlviertel

Von OÖN   26. Juni 2014 00:04 Uhr

Nach dem Jubel die Ernüchterung: Der Erste Weltkrieg im Mühlviertel

FREISTADT. Vor 100 Jahren wurde Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajevo erschossen wurde. Kurz darauf brach der Krieg aus. Im Schlossmuseum gibt es dazu eine Ausstellung, die am Freitag eröffnet wird.

Die Schauplätze waren zwar weit weg von der Heimat. Ihre Schatten hatten aber bald auch das Mühlviertel erreicht. In einer kleinen, feinen Ausstellung zeigt das Schlossmuseum anhand von eigenen Exponaten den Krieg in Freistadt – und veranschaulicht das große Weltgeschehen auf lokaler Ebene. Am Freitag (19 Uhr) wird die Schau eröffnet. Sie ist die dritte eines fünfteiligen Ausstellungsreigens zum Gedenkjahr 1914.

Das Schicksal des Soldaten Sepp

Eine kleine Sensation ist etwa die Hinterlassenschaft von Sepp Breslmayr, dem späteren Sparkassenchef in Freistadt, der als 24-jähriger Offizier in die Schlacht nach Südtirol zog. Den Alltag der Gebirgssoldaten hielt er mit seiner kleinen Westentaschen-Kamera fest. Er brachte nicht nur sich selbst wieder einigermaßen heil nach Hause, sondern auch viele Fotos und schriftliche Kriegsdokumente, die heute Raritäten sind.

Während Breslmayr an der österreichisch-italienischen Grenze sein Leben riskierte, lief im Mühlviertel die Propagandamaschine wie geschmiert. In den Webereien wurden auf Handtüchern die Kriegserklärungen aufgelistet und unter die Leute gebracht. Bürger als auch Kommunen investierten in Kriegsanleihen. Von den großen Zinsversprechungen blieb nur wertloses, bedrucktes Papier übrig. An etwaige finanzielle Verluste konnte die Stadtgemeinde kaum Gedanken verschwenden: Theodor Scharizer, Bürgermeister von 1909 bis 1919, und seine Beamten hatten alle Hände voll zu tun, die knappen Lebensmittel möglichst gerecht zu verteilen. Ein gewaltiger bürokratischer Aufwand, wie die Aktenberge zeigen. Nicht nur an der Front gab es viele Tote: Die Nahrungsnot forderte auch im Mühlviertel viele Opfer und trieb die Säuglingssterblichkeit in die Höhe.

Gefangenenlager in Freistadt

Der Krieg prägte auch das Stadtbild. Entlang der Linzer Straße wurde ab Herbst 1914 ein Gefangenenlager für 20.000 Soldaten aus dem Boden gestampft. Der Freistädter Standort sollte als Musterlager dienen – eine Stadt in der Stadt mit eigener Infrastruktur von der Fleischhauerei und Kirche bis zum Kino.

Unbedingt empfehlenswert ist ein geführter Rundgang, bei dem die teilweise kuriosen Exponate erklärt werden. Explosivstes Ausstellungsstück ist etwa eine originale Konservendose aus der Soldatenverpflegung. Der Inhalt – das berüchtigte Truppenkraut – gärt auch nach 100 Jahren noch.

Nähere Details und Vorschau auf www.museum-freistadt.at

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