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Mühlviertel

Des Braumeisters Spielwiese trägt erste hopfige Früchte

10. April 2014 00:04 Uhr

Des Braumeisters Spielwiese trägt erste hopfige Früchte
Bayer-Brüder: Schlägl-Braumeister Reinhard, Hopfenbau-Genossenschafts-Geschäftsführer Hermann und Schlägl-Mitbruder Petrus (v.l.).

SCHLÄGL. Kleinbrauerei: Den ersten Sud aus der Experimentier-Brauerei haben sich die Mühlviertler Hopfenbauern reserviert.

Während andere Brauereien ihre vage an Bier erinnernden Getränke zu Schleuderpreisen verkaufen, haben die Chorherren zu Schlägl bar jeder wirtschaftlichen Vernunft eine Mini-Brauerei in Betrieb genommen. Ziel ist es, den kreativen Köpfen rund um Braumeister Reinhard Bayer freien Lauf zu lassen, um neue Bier-Kreationen zu schaffen – in Nischen, versteht sich. Denn bei einem Preiskampf, der ohnehin nicht zu gewinnen sein wird, seine Seele zu verkaufen, steht weder den Prämonstratensern noch den Kollegen der Mühlviertler Qualitätsbrauereien gut zu Gesicht. Vielmehr ist man bemüht, alte Werte lebendig zu halten, und dazu braucht es eben auch moderne Interpretationen. "Wir haben hier eine Spielwiese für unseren Braumeister geschaffen", sagt Stiftskämmerer Markus Rubasch. Dieser wird, was die Ideenfindung angeht, auch von seinen Bier-Sommeliers unterstützt. So sollen abseits von Massenmärkten Spezialbiere entstehen. Gerade diese Spezialitäten sind es, für die die gesamte Mühlviertler Bierkultur zwischen Freistadt und Hofstetten, Neufelden und Schlägl in Kennerkreisen so geschätzt wird. Bei einem Besuch im Mühlviertel können sogar erfahrene Bier-Spezialisten ins Schwärmen geraten. Zum Erhalt dieses guten Rufs trägt die Stiftsbrauerei nunmehr mit der neu installierten Experimentier-Brauanlage bei, die am Dienstag erstmals in Betrieb genommen wurde. Dabei handelt es sich um eine drei Hektoliter umfassende Versuchsbrauerei, die es erlaubt, neue Ideen auszuprobieren oder auch uralte Rezepturen und Bierstile aufleben zu lassen.

Herausragende Hopfenkultur

Der Kreativität der Brauer ist auch das facettenreiche "Abtei Bier" zu verdanken, das als echter Geheimtipp unter Kennern in einer Kleinauflage direkt in Schlägl erhältlich ist. Während vor allem belgische Klöster ihre Rezepte vermehrt an große Brauereien lizenzieren, legt man in Schlägl Wert auf Originalität, denn: "Für ein echtes ,Abtei Bier’ reicht es nicht, sich das Rezept zu kaufen – da gehört schon mehr dazu. Dieses ,Mehr’ ist zum Beispiel auch die enge Zusammenarbeit mit regionalen Lieferanten", erklärt Braumeister Reinhard Bayer. Darum kamen auch die Vertreter der Mühlviertler Hopfenbauern zum Einbrauen des ersten Sudes. Mittlerweile lagert das "Schlägl Tradition" schon im Keller des Stiftes. Dieses Bier verrät schon in seiner Bezeichnung die gleichnamige Mühlviertler Hopfensorte als wichtigen Bestandteil.

Internationaler Kongress

Verkostet wird die neue obergärige Bierkreation zu einem herausragenden Anlass: Im Zuge des in Linz stattfindenden 55. Fachkongresses ist das Internationale Hopfenbaubüro am 29. Juli zu einer Exkursion in Schlägl zu Gast, was wiederum der überregionalen Bekanntheit der Mühlviertler Hopfenkultur geschuldet ist. (fell)

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