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Oberösterreich

Moderne Pilgerwege

Von Roman Sandgruber 20. Juli 2019 00:04 Uhr

Moderne Pilgerwege

Wandern und Pilgern waren früher mehr Schmerz als Freude. (…) Bei der Pilgerreise kam hinzu, dass ihr Sinn ausdrücklich in der Anstrengung lag.

Pilgern ist eine Ursehnsucht. Der Mensch ist ein Pilger und Wanderer, auch wenn und obwohl er sesshaft geworden ist. Doch Wandern und Pilgern waren früher mehr Schmerz als Freude. Beschwerlich waren alle Reisen, ob man nun als "Reisiger" in den Krieg zog, als Kaufmann ferne Länder aufsuchte, als Hausierer von einem Ort zum anderen tingelte, als Forscher unbekannte Risiken und Strapazen in Kauf nehmen musste oder als Herrscher von einer Versammlung zur nächsten reiste, um Recht zu sprechen und Urkunden auszustellen.

Bei der Pilgerreise kam allerdings dazu, dass ihr Sinn ausdrücklich in der Anstrengung lag, sonst hätte sie ja keine Buße, keine Bitte oder keinen Dank bedeutet. Man verstärkte die Strapazen nicht selten durch zusätzlich auferlegte Qualen, indem man sich etwa wie Anton Bruckners Mutter beim Bittgang auf den Pöstlingberg Steinchen in die Schuhe legte oder die letzten paar hundert Meter auf Knien zurücklegte. Natürlich war so eine Pilgerfahrt bei allen Strapazen immer auch ein Ausbruch aus dem meist noch viel mühsameren Arbeitsalltag und winkte am Ziel nicht nur eine seelische Reinigung, sondern auch eine leibliche Erquickung. Wallfahrt und Gasthaus gehörten immer schon zusammen. Und die seelische Erbauung bedeutete auch körperliche Erholung. Die Wallfahrt war die "Landpartie der Armen". So ist das schlechte Gewissen fehl am Platz, wenn heutzutage das Wandern und Pilgern zwar boomt, der religiöse Inhalt aber meist ganz dem Erleben und Vergnügen gewichen ist.

Oberösterreich ist reich an pilgerischen Zielen. Nicht weniger als 347 solcher Gnadenstätten mit mehr oder weniger weitem Einzugsbereich sind in einer älteren Studie über die Geschichte des Wallfahrtswesens in Oberösterreich aufgelistet. Prunkvolle Bauten und unscheinbare Gnadenbilder sind darunter. Sie erlebten Konjunkturen und Krisen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat das Pilgern zwar immer mehr an religiöser Kraft und Sinnstiftung eingebüßt, aber gewandert wird mehr als je zuvor, nicht nur auf den alten Pilgerrouten, sondern auch auf völlig neu angelegten. Der Weg ist das Ziel. An die zwanzig mehr oder weniger gut ausgeschilderte Pilgerwege schlägt ein Pilgerführer für Oberösterreich vor: mehrere Jakobswege, Marienwege und Wolfgangiwege, dazu einen Johannesweg, einen Martinsweg oder auch einen Josefsweg, aber auch solche mit höchstens quasireligiöser Aufladung: den Baumweg, den Stoakraftweg, den Bründlweg und den Granitweg. Letzteres klingt härter, als es ist.

Die zahlreichen Kraftplätze zwischen den Flüssen, unter den Bäumen und auf den gut gepflegten Wegen sollen es möglich machen, Ruhe zu finden und Kraft zu tanken. Der Erfindungsgabe sind kaum Grenzen gesetzt. Also auf zum fröhlichen Pilgern!

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