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Oberösterreich

"Manche behaupten wirklich alles, um anderen Leuten die Impfung auszureden"

Von Michael Schäfl  17. Januar 2022 00:04 Uhr

"Manche behaupten wirklich alles, um anderen Leuten die Impfung auszureden"
Tilman Königswieser vom Landeskrisenstab beantwortete Leser-Fragen zur Impfung.

Experten beantworten die Fragen der OÖN-Leser. Diesmal haben die OÖN Tilman Königswieser vom Landeskrisenstab um Antworten gebeten.

"Ich traue mich nicht impfen", schreibt eine OÖN-Leserin. Sie leidet an einer schweren Autoimmunerkrankung. Sie ist eine von zahlreichen Leserinnen und Lesern, die sich mit ihren Anliegen und Fragen täglich an die OÖNachrichten wenden. Denn Unsicherheit und Zweifel sind groß.

Auch, weil die abstrusesten Theorien und Verschwörungen zum Thema Impfung und Covid-19-Pandemie kursieren.

Mythen und Verschwörungen

Von Mikrochips, die mit dem Nadelstich in den Körper gelangen, vom Impfstoff, der das menschliche Erbgut verändert. Und mit menschlichen Zellen produziert und an ihnen im Labor ausprobiert wurde. "Wenn man die Impfstoffe in Verruf bringen will, dann schafft man das mit solchen sinnlosen Behauptungen perfekt", sagt Tilman Königswieser, Kinderarzt, Ärztlicher Direktor am Salzkammergut-Klinikum und Mitglied des Landeskrisenstabes. "Und manche behaupten wirklich alles, um anderen verunsicherten Leuten die Impfung auszureden. Denen ist jedes Mittel recht." Gemeinsam mit einem Team von Medizinexperten beantworten die OÖN die Zuschriften der Leserschaft. Dieses Mal beantwortet Tilman Königswieser die Zusendungen. Denn Covid-19 verunsichert, spaltet und belastet. Und das schon seit fast zwei Jahren.

Ihre Anliegen und Fragen können Sie, liebe Leserinnen und Leser, an uns richten. Schreiben Sie uns einfach eine E-Mail an leserbriefe @nachrichten.at

Frage 1: Wie sieht es eigentlich mit einer Covid-Impfung für Kleinkinder aus? Werden da aktuell wissenschaftliche Studien gemacht? Ist eine zeitnahe Zulassung absehbar?
Anonym, E-Mail

Momentan ist noch keiner der Impfstoffe für Kleinkinder zugelassen. Aber es gibt auf alle Fälle Bestrebungen, dass das relativ zeitnahe passieren wird. Im Ausnahmefall werden ja auch jetzt schon Kleinkinder geimpft – auch bei uns im Salzkammergut-Klinikum. Wir impfen etwa Kleinkinder mit Trisomie-21 oder jene, die bereits im ganz, ganz jungen Alter eine Lungentransplantation erhalten haben oder schwere Stoffwechselerkrankungen haben. Da muss das aber immer genauestens mit den Eltern abgesprochen werden.

Frage 2: Wie wahrscheinlich ist es für Genesene, sich wieder anzustecken oder gar einen schweren Verlauf zu haben? Sind diese besser geschützt als Geimpfte?
Tobias Kufleitner, E-Mail

Die Gefahr, dass sich Genesene wieder infizieren, ist durchaus gegeben. Gerade, wenn die durchstandene Infektion schon länger her ist und der Krankheitsverlauf nur minimal war. Gerade bei der aktuellen Omikron-Variante ist die Gefahr für Genesene, sich anzustecken groß. Drei- bis achtmal höher als bei allen anderen Varianten, die wir bis jetzt hatten. Zwar schützt eine Genesung gut, aber es braucht zusätzlich eine Impfung. Wenn infiziert, können Genesene auch einen schweren Verlauf haben, das ist allerdings nicht sonderlich wahrscheinlich.

Frage 3: Ich bin dreimal geimpft und nach jedem Stich wurde die Impfreaktion heftiger. Von leichten Kopfschmerzen bis zu starkem Schüttelfrost – Gibt es eine Erklärung dafür?
Anonym, E-Mail

Wir beobachten immer wieder, dass Menschen unterschiedlich und auch unterschiedlich stark auf die Impfung reagieren. Dass die immunogene Reaktion bei jedem etwas anders aussieht. Treten Nebenwirkungen auf, zeigt das ja auch, dass das Immunsystem gut arbeitet. Dass die Impfreaktion allerdings immer stärker ausfällt, wissen wir nicht. Beruhigend ist ja auch, dass die angeführten Nebenwirkungen alle zu erwarten sind, dass wir hier keine allergischen Reaktionen haben, denn das fürchten wir Mediziner ja am meisten.

Frage 4: Ich wurde im September mit dem Johnson&Johnson-Vektorimpfstoff geimpft. Warum wird als Auffrischung nun ein mRNA-Impfstoff empfohlen?
Manfred Staudinger, E-Mail

Die Wirksamkeit und auch die Anwendung ist bei den Messenger-RNA-Impfstoffen einfach besonders gut kontrolliert. Daher sind Pfizer und Moderna auch als Booster zugelassen. Das ist der Impfstoff von Johnson&Johnson ja nicht, weil hier die gesamtimmunogene Wirkung einfach zu gering ist. mRNA-, bei denen eine optimale Immunantwort verzeichnet wurde, und Vektor zu kombinieren, wird empfohlen, weil so beide Wirkweisen von Impfstoffen gut abgedeckt sind, eben über den Weg des Vektors und den der mRNA.

Frage 5: Ich war vor einem Jahr positiv. Leide schon länger an einer Schilddrüsenerkrankung und auch an Hashimoto. Meine Blutwerte sind immer hoch, nur mein Eisenwert ist niedrig. Ich traue mich nicht impfen.
Katarina Topalovic, E-Mail

Dass man da etwas ängstlich ist, verstehe ich sehr gut. Hashimoto ist eine Autoimmunerkrankung, eine chronische Entzündung der Schilddrüse, da erkrankt man am besten nicht noch einmal mit Covid-19. Daher ist die Impfung auch so wichtig, vor allem, weil man weiß, dass sie auch bei solchen Erkrankungen gut funktioniert.

Die Dame ist sicher in sehr guter medizinischer Betreuung, dort findet sie auch bestimmt Rat, wenn es um die Impfung geht. Solche Fälle sollten generell immer individuell geklärt werden, vor allem, wenn Patienten ängstlich oder unsicher sind.

Frage 6: Ich möchte wissen, ob es tatsächlich stimmt, dass bei der Produktion und Testung der zurzeit verfügbaren Impfstoffe Zelllinien aus abgetriebenen Kindern zur Anwendung gekommen sind.
H.L., E-Mail

Die Herstellung der Impfstoffe ist minutiös bekannt. Das ist ja auch alles nachlesbar. In der Impfung, da sind Lipide drinnen, Salze, Zuckerwasser und natürlich der Wirkstoff. Wenn man die Impfstoffe in Verruf bringen will, dann schafft man das mit solchen sinnlosen Behauptungen perfekt. Und manche behaupten wirklich alles, um anderen verunsicherten Leuten die Impfung auszureden. Denen ist jedes Mittel recht.

Ja, es stimmt, bei der Herstellung mancher besonderer Impfstoffe kommen tierische Zellen zur Anwendung, aber doch sicher keine menschlichen.

 

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Artikel von

Michael Schäfl

Redakteur Politik

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