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Oberösterreich

Lockdown verlängert: "Angst vor der Zukunft"

Von Michael Schäfl und René Laglstorfer  19. Januar 2021 00:04 Uhr

Lockdown verlängert: "Angst vor der Zukunft"
Ab 25. Jänner müssen im Handel und in den Öffis FFP2-Masken getragen werden.

LINZ. Gesichter hinter der Maske: Die Folgen des verschärften Lockdowns im Alltag

Seit Samstag steht fest, der Lockdown wird nicht nur verlängert, sondern auch verschärft. Erst am 8. Februar sollen Schulen, Museen und auch der Handel wieder geöffnet werden. Gastronomie und Tourismus bleiben bis Ende Februar geschlossen.

"Es macht wirklich keinen Spaß mehr", sagt Günter Maurer vom Gasthof "Maurerwirt". Von seiner Stätte aus blickt er auf die Kirchschlager Rodelwiese. Dort tummeln sich Hunderte, während seine Stube menschenleer bleibt. "Für uns geht es ans Eingemachte", sagt Maurer. Auch Eva Brandstötter blickt mit Sorge auf die kommenden Wochen. Bis Juni ist die alleinerziehende Mutter aus Vöcklabruck noch in Karenz: "Ich wüsste sonst nicht, wie ich meinen kleine Pauli ernähren soll. Ich habe Angst vor der Zukunft."

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"Wir sind schon zu lange daheim"

Charlotte Stütz, Schülerin aus Ried in der Riedmark

Am 25. Jänner hätten die Klassen in den Präsenzunterricht zurückkehren sollen, doch der Lockdown wurde verlängert – und auch das Distance Learning um zwei Wochen. „Wir sind wirklich schon zu lange daheim“, sagt Schülerin Charlotte Stütz. „Ich hoffe, dass wir nach den Semesterferien vielleicht wieder einen geregelten Schulalltag haben.“

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Karenz und Existenzängste

Eva Brandstötter, alleinerziehende Mutter aus Vöcklabruck

Eva Brandstötter ist eine alleinerziehende Mutter. Sie ist aber nicht nur für ihren Paul, sondern auch für die Finanzen zuständig. „Wäre ich nicht in Karenz, wüsste ich nicht, wie ich ihn ernähren soll“, sagt die 36-Jährige. Die Karenz endet im Juni, wie es dann weitergeht, weiß die Mutter nicht: „Ich habe Angst vor der Zukunft, bis Juni muss ich Arbeit finden.“

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Große Müdigkeit in der Schule

Edeltraut Kufleitner, Schulleiterin aus Linz

„Die Kinder und Eltern können nicht mehr “, sagt Edeltraut Kufleitner, Direktorin der Linzer Volksschule 20 (VS 20). „Die Müdigkeit wird immer mehr.“ Auch wenn kein Unterricht in den Klassenzimmern stattfindet, dürfen Eltern ihre Kinder zur Betreuung in die Schule schicken. In der VS 20 geht das so weit, dass in vielen Klassen mehr als die Hälfte der Kinder zur Betreuung im Klassenraum sitzen. „Viele Eltern haben keine Wahl, sie müssen ihre Kinder in die Schule schicken“, sagt Kufleitner.

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„Jetzt geht es ans Eingemachte“

Günter Maurer, Wirt aus Kirchschlag

Durch die Fenster seines Gasthofs „Maurerwirt“ blickt Günter Maurer auf die Rodelwiese Kirchschlag. Während sich hier Hunderte Kinder und Erwachsene tummeln, bleibt seine Stube leer. „Es macht keinen Spaß mehr“, sagt der Vollblut-Wirt. „Für uns Gastronomen geht es ans Eingemachte. Jeder ist psychisch belastet.“ Dass der Lockdown verlängert werde, damit habe er gerechnet. Für Maurer sei die Planlosigkeit das größte Problem: „Wir haben nicht einmal ein Datum, auf das wir uns vorbereiten können.“

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„Bei uns steht alles still“

Leopold Krempl, Sportunion Neumarkt

Mitte Jänner beginnen die Fußballer der Sportunion Neumarkt bei Freistadt mit dem Training. Doch heuer bleibt der Rasen leer. „Bei uns steht alles still“, sagt Leopold Krempl, seit mehr als vier Jahrzehnten ist er bereits beim Verein, doch so etwas hat er noch nie erlebt. „Es gibt kein Training, es gibt kein Vereinsleben. Jetzt käme uns ein Wunder gerade recht“, sagt Krempl. Er hofft, dass die Meisterschaft bald wieder weitergeht: „Dann können wir zumindest in die erste Klasse aufsteigen.“

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Das "Geschenk Gemeinschaft"

Mirjam, Ordensschwester

Mirjam und ihre 30 Mitschwestern der Marienschwestern vom Karmel leben gemeinsam in einem Mutterhaus. „Wir befinden uns in einer glücklichen Lage“, sagt die 22-Jährige. „Zwar fallen die für uns gewohnten Kirchenbesuche weg, doch wir sind in unseren Wohnungen nie alleine.“ Häufig würden ihr ihre Freundinnen erzählen, dass ihnen im Lockdown zu Hause die Decke auf den Kopf fallen würde; dieses Gefühl kenne Mirjam jedoch nicht: „Uns wurde das große Geschenk der Gemeinschaft gemacht.“

"Drunter und drüber"

„Drunter und drüber“

Christian Fößl, Pensionist

„Das ist ein ewiges Drunter und Drüber“, sagt Christian Fößl. „Da kennt sich ja keiner mehr aus.“ Als Pensionist habe er in Zeiten der Pandemie noch „Glück gehabt“, denn er müsse nicht arbeiten gehen und sich auch nicht „im Homeoffice plagen“. Große Sorge bereitet dem 72-Jährigen die Situation in den Schulen. „Die Kinder müssen endlich wieder ins Klassenzimmer zurück, daheim geht nur Wissen verloren. Ganz zu schweigen von der sozialen Isolation.“

 Aus dem Takt

Aus dem Takt

Günther Reisegger, Landeskapellmeister

In den Vereinsheimen herrscht Stille, der Blasmusikverband ist verstummt. „Viele Vereine machen online weiter und halten ihre Mitglieder bei der Stange“, sagt Landeskapellmeister Günther Reisegger. „Wir versuchen alles, um aus der Krise eine Chance zu machen. Vor der Pandemie waren Treffen und gemeinsames Musizieren noch selbstverständlich, aber jetzt sehen wir erst, wie gut es uns damals ging.“

Eine andere Normalität

Eine andere Normalität

Anna Kafka, Chemie-Studentin

Die Linzer Kepler-Uni hat auf Fernunterricht umgestellt, Lehrveranstaltungen finden online statt. Und dennoch steht Chemie-Studentin Anna Kafka mit knapp zehn Mitstudierenden in einem Labor. „Nur die Veranstaltungen, die wirklich nicht durch Distance Learning ersetzt werden können, werden noch in Präsenz abgehalten“, sagt Kafka. „Ich bin aber froh, dass das so gehandhabt wird, denn ansonsten würde ich wohl ein Semester meines Studiums verlieren.“

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Zwecklose Planungen

Klaus Dopler, Pfarrer von Gallneukirchen

„Gerade war ein Brautpaar bei mir, das komplett in der Luft hängt. Wir machen alle Planungen und Vorbereitungen, zum Beispiel für die Erstkommunionsfeste, und dann können wir wieder alles über den Haufen schmeißen. Es ist zermürbend“, sagt der Gallneukirchner Pfarrer Klaus Dopler. Er hofft, dass zum „erstmöglichen Zeitpunkt“ nach dem 8. Februar wieder öffentliche Gottesdienste stattfinden können. „Die Kirche lebt von Beziehungen.“

 

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