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Leerstehende Geschäfte: Wirtschaft sieht darin kein spezielles Linz-Problem

Von Anneliese Edlinger und Reinhold Gruber   18.Februar 2019

Leerstehende Geschäfte: Wirtschaft sieht darin kein spezielles Linz-Problem
Damit auch in Zukunft die Menschen im Zentrum von Linz einkaufen, braucht es neue Akzente.

Der OÖN-Lokalaugenschein in der Linzer Innenstadt, bei dem Ende vergangener Woche vor Augen geführt wurde, wie viele leer stehende Geschäfte es derzeit gibt, hat viele Reaktionen hervorgerufen. Während die Wirtschaft bemüht war, die Situation als kein spezielles Linz-Problem abzutun, ist die politische Diskussion darüber, wie man darauf reagiert, jetzt erst so richtig entbrannt.

"Der Handel ist immer von Veränderungen betroffen gewesen und vor Herausforderungen gestanden", beschwören City-Ring-Obmann Werner Prödl, sein Stellvertreter Matthias Wied-Baumgartner, Passage-Centermanagerin Monika Sandberger und WKO-Obmann Klaus Schobesberger Einigkeit. Die Veränderungen seien auch immer gemeistert worden.

Von den Veränderungen im Handel – die Konkurrenz durch die Online-Plattformen wird zwar nicht explizit ausgesprochen, ist aber gemeint – seien alle betroffen, also sowohl die Städte wie auch die Einkaufszentren. Auf jeden Fall will die Wirtschaft vermeiden, dass die Leerstände im Zentrum mit fehlender Attraktivität gleichgesetzt würden. Sehr oft seien wirtschaftliche Überlegungen von Vermietern die Ursache dafür.

Es muss Maßnahmen geben

Dass Maßnahmen notwendig sein werden, ist der Wirtschaft klar. Die Richtung wäre ein professionelles "Flächenmanagement" in Zusammenarbeit von Stadt Linz, Linzer City Ring und Wirtschaftskammer. Ein solches hatte auch Wirtschaftsreferent Vizebürgermeister Bernhard Baier (VP), wie von den OÖN berichtet, in Aussicht gestellt.

Die Grünen begrüßen den Ansatz eines Profis, der sich um das Standortmarketing kümmert, wollen aber auch Fördermodelle entwickeln und Rahmenbedingungen schaffen, die den Geschäftstreibenden wie den Einkäufern die Linzer Innenstadt wieder schmackhaft machen. Entsprechende Anträge der Grünen hat es im Gemeinderat schon gegeben.

Auch die Linzer Freiheitlichen haben in der jüngsten Gemeinderatssitzung im Jänner Maßnahmen zur Erhaltung der Attraktivität der Innenstadt gesetzt. Via mehrheitlich angenommenen Antrag forderten sie, dass Bürgermeister Klaus Luger (SP) und Infrastrukturreferent Markus Hein (FP) unter Einbindung von Wirtschaftsreferent Baier und der kaufmännischen Innenstadtvereine (Kaufmännischer Verein, City Ring) "rasch ein Maßnahmenpaket" erarbeiten sollen, damit die Landstraße weiterhin "eine der beliebtesten Einkaufstraßen Österreichs" bleibe.

Ein Profi allein reicht nicht aus

"Einen Profi zu engagieren, der die leer stehenden Geschäftsflächen verwalten soll, ist zu wenig", sagt Stadtrat Hein. Vielmehr brauche es einen ganzen Mix an Maßnahmen. "Die Kunden kommen nicht nur zum Einkaufen nach Linz, sie wollen dabei auch etwas erleben und den Ausflug in die Stadt genießen", sagt Hein und verweist auf erfolgreiche Einkaufszentren, die auch beim Erlebnisfaktor ansetzen würden. "Die haben nicht umsonst ein sehr breites gastronomisches Angebot", so der FP-Chef. Der Markt für neue, junge Gastronomiebetriebe in der City sei da – wer ein gutes Angebot habe und Qualität biete, "ist auch erfolgreich." Aber auch die Kaufleute selbst lässt Hein nicht aus der Verantwortung: "Die Konkurrenz durch den Online-Handel ist sehr groß, da werden die alten Konzepte nicht mehr greifen, um ein Überleben zu sichern."

Die Mieten in der Innenstadt seien hoch und große Lagerräume für den stationären Handel auf Dauer nur schwer leistbar. "Es gibt aber Modelle, wo die Kunden das Produkt im Geschäft ansehen, angreifen und auch probieren können." Das gewählte Modell werde vom Unternehmer dann bestellt und dem Kunden nach Hause geliefert. "Damit werden Einkauferlebnis und Service geboten, ohne dass große und teure Lagerbestände angelegt werden müssen", nennt Hein ein Beispiel, in welche Richtung es gehen könnte.

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