Lade Inhalte...

Linz

Je verrückter das Wetter, desto wichtiger die Bäume

Von Erhard Gstöttner 22. März 2019 09:22 Uhr

Je verrückter das Wetter, desto wichtiger die Bäume
Linz-Urfahr: Demonstration vor exakt drei Jahren (22. März 2016) gegen das Fällen der Allee an der Donaulände.

LINZ. Gespräch mit einer Umwelt-Expertin: Wie kann man die zunehmende Sommerhitze in der Stadt bändigen?

Im Linzer Schlossmuseum fand gestern eine Tagung von Baumexperten aus dem In- und Ausland statt. Die OÖN befragten beim Symposion Karin Büchl-Krammerstätter, die Leiterin der Wiener Umweltschutzabteilung, über die Bedeutung von Bäumen in Städten in Zeiten des Klimawandels und über Unterschiede beim Baumschutz in Wien und in Linz.

 

Welche Bedeutung haben Bäume, vor allem große, im städtischen Raum?

Bäume sind in Städten besonders wichtig, vor allem aus umweltschützerischen Gründen. Im Sommer bilden sich in den Städten Hitzeinseln, denn die Sommer werden seit Jahren heißer. Dazu kommt die starke Versiegelung von Flächen in Städten.

Bäume wirken wie biologische Klimaanlagen. Doch in Städten kann man nicht überall Bäume setzen. Welche Möglichkeiten gibt es noch, um den Sommer in Städten erträglicher zu machen?

Man hat sich lange zu wenig um Gebäude gekümmert. Es ist ein riesiger Unterschied, ob Fassaden und Dächer hell oder dunkel sind. Denn dunkel speichert Wärme, helle Farben reflektieren die Hitze. Um den Klimawandel auszuhalten, braucht man ein Gesamtpaket: helle Flächen schaffen, wenig Bodenversiegelung, Bodenentsiegelung, viele Wasserflächen, da auch diese kühlend auf die Umgebung wirken. Nötig ist auch ein neuer Umgang mit Regen. Es gibt immer mehr Starkregen, so dass die Kanäle die Wassermengen nicht mehr fassen können. Mit dem Konzept der Schwammstadt schafft man es, dass Wasser nicht einfach in Kanälen davonrauscht, sondern für Bäume nutzbar wird.

Welche Bäume sind besonders geeignet, um die Hitze in der Stadt erträglich zu machen?

Vor allem große, großkronige, alte Bäume, die natürlichen Schatten spenden. Wir brauchen Bäume, die mit Hitze und Trockenheit gut zurechtkommen.

Durch welche weitere Maßnahmen kann man in aufgeheizten Städten Abkühlung herbeiführen?

Durch die Begrünung von Gebäuden. Das gelingt auch durch einfache und preiswerte Methoden, indem man zum Beispiel Fassaden mit der Kletterpflanze Veitschi begrünt. Die Begrünung bringt mehr Lebensqualität und wirkt auch als Artenschutz, da so Lebensraum für Insekten und Vögel entsteht. Vor allem brauchen wir große alte Bäume in der Stadt zur Kühlung. Grundsätzlich hängen die genannten Maßnahmen von der Werthaltung einer Gesellschaft ab: Was mir etwas wert ist, das schütze und erhalte ich.

Was kann der Einzelne machen, um die nötigen Maßnahmen zu verwirklichen?

Jeder braucht mehr Bewusstsein und mehr Eigenverantwortung auch in solchen Fragen. Probieren Sie es aus: Stellen Sie sich an einem heißen Sommertag in den Schatten eines Baumes, dann unter einen Sonnenschirm und vergleichen Sie die Wirkung. Wir sollten weg von der Suche nach Schuldigen, sondern handeln.

In Wien gibt es seit 45 Jahren ein Baumschutzgesetz. In Oberösterreich lehnen die Verantwortlichen ein solches Gesetz ab. Was empfehlen Sie?

In Wien hat sich das Baumschutzgesetz bewährt. Baumschutzgesetze sind für große Städte sehr wichtig.

Je verrückter das Wetter, desto wichtiger die Bäume
Karin Büchl-Krammerstätter, Leiterin der Wiener Umweltschutzabteilung

Karin Büchl-Krammerstätter, Leiterin der Wiener Umweltschutzabteilung

 

Interessieren Sie sich für diesen Ort?

Fügen Sie Orte zu Ihrer Merkliste hinzu und bleiben Sie auf dem Laufenden.

Artikel von

Erhard Gstöttner

Lokalredakteur Linz

Erhard Gstöttner
Lädt
turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon fügen Sie das Schlagwort zu Ihren Themen hinzu.

turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon öffnen Sie Ihre "meine Themen" Seite. Sie haben von 15 Schlagworten gespeichert und müssten Schlagworte entfernen.

turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon entfernen Sie das Schlagwort aus Ihren Themen.

turned_in

Fügen Sie das Thema zu Ihren Themen hinzu.

mehr aus Linz

6  Kommentare expand_more 6  Kommentare expand_less