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Linz

Ein Automat, der Lesestoff liefert: "Zuerst musste ich schon schmunzeln"

Von Julia Popovsky  24. August 2020 00:04 Uhr

Ein Automat, der Lesestoff liefert: "Zuerst musste ich schon schmunzeln"
Gerhard Bouchal betrat für Buchhändlerin Melanie Hofinger Automaten-Neuland.

LINZ/BAD ZELL. Gerhard Bouchal baute für Buchhändlerin Melanie Hofinger ein ganz spezielles Modell.

Ein Kaffee, ein Schokoriegel oder doch lieber ein Roman? Der kleine Hunger auf Süßes wird bei dem Automaten vor der Buchhandlung Veritas by Hofinger in der Linzer Harrachstraße zwar nicht gestillt, dafür aber jener von lesebegeisterten Besuchern. Mit dem dortigen Buchautomaten betrat nicht nur Buchhändlerin Melanie Hofinger, sondern auch Gerhard Bouchal von Fine Taste Logo Kaffee, der den Automaten designt hat, neue Wege.

Die Idee für das Projekt nahm in der Corona-Krise immer konkretere Formen an, wie Hofinger erzählt: "Ich wollte eine Abholstation als Alternative zum Onlinehandel einrichten und habe überlegt, wie ich so etwas machen könnte." Dabei erinnerte sie sich an ihre Zeit in der Gastronomie: "Und da habe ich mich gefragt, warum man nicht einfach so einen Snackautomaten umprogrammiert." Diese Frage gab sie an Bouchal weiter, der der Idee Leben einhauchte.

Ein Automat, der Lesestoff liefert: "Zuerst musste ich schon schmunzeln"
Gerhard Bouchal

"Zuerst musst ich schon schmunzeln", sagt der Linzer, dessen Firma in Bad Zell zu Hause ist. Denn: "Ich habe mich schon gefragt, ob das mit den Büchern in dieser neuen Zeit mit all den Onlinegeschichten überhaupt funktionieren kann." Doch mittlerweile macht er sich darüber keine Gedanken mehr: Der Buchautomat wird gut angenommen.

Andere Größe, andere Art

Sein Hauptgeschäft macht Bouchal eigentlich mit Kaffeeautomaten und deren Befüllung, zu einem kleineren Teil mit Snack- und Getränkeautomaten. Der Mechatroniker konfiguriert die Roh-Automaten für die Kunden, er ist für die Innenausstattung und den Einbau der Bezahlsysteme zuständig.

Für die Bücher brauchte es nun eine besondere Ausstattung: "Die haben einfach eine ganz andere Form. Deshalb habe ich mir zuerst angeschaut, was mechanisch überhaupt möglich ist, also was die Größe, Dicke und Höhe der Bücher angeht." Diese werden übrigens via Aufzug transportiert: Denn wenn sie einfach herunterfallen würden, wäre die Gefahr von Beschädigungen groß. Doch nicht nur die Automatenfüllung (neben Büchern sind etwa auch Lesebrillen und Tonies-Hörfiguren enthalten) war für Bouchal neu, sondern auch das völlig kontaktlose Zahlungssystem, das er erstmals verbaut hat. Und das, obwohl er über einige Erfahrung verfügt: So hat er im Vorjahr das seit mehr als 20 Jahren bestehende Familienunternehmen übernommen. Zwei Monate und etliche Arbeitsstunden hat es gedauert, bis der Automat fertig war: "Das war es mir wert, es ist echt ein Triumph, dass er jetzt steht und funktioniert."

Die Corona-Krise ist auch an dem Ein-Mann-Unternehmen nicht spurlos vorbeigegangen, das Geschäft ist um 30 Prozent eingebrochen. Nichtsdestotrotz hält Bouchal an seinen durch Corona ausgebremsten Expansionsplänen weiter fest.

Buchhändlerin setzt Expansionskurs fort

LINZ/MAUTHAUSEN/LAMBACH. An außergewöhnlichen Ideen und Expansionsfreudigkeit mangelt es Buchhändlerin Melanie Hofinger definitiv nicht: Weshalb sie weiter wachsen und, wie berichtet, bald zwei neue Filialen außerhalb der Landeshauptstadt eröffnen wird.

Die 27-Jährige, die mittlerweile die Verantwortung für 22 Mitarbeiter trägt, will mit ihrem Wachstumskurs ein starkes Zeichen setzen: Und zwar für den regionalen Handel und gegen die allzeit präsente Online-Konkurrenz.

Zwei neue Filialen

„Man kann nicht auf der einen Seite immer sagen, es soll nicht online eingekauft werden, wenn es auf der anderen gar keine Möglichkeit gibt, im näheren Umfeld bei einem regionalen Händler Lektüre zu beziehen“, sagt Hofinger. Weshalb die Unternehmerin mutig für den regionalen Handel eintreten will. Denn immerhin ist „das Buch ja ein Grundnahrungsmittel für das Gehirn“, wie sie es formuliert.
Am 7. September ist es so weit: Dann werden die neuen Filialen, eine in Mauthausen im Donaupark und eine in Lambach beim Stift, eröffnet. Hofinger will dort allen voran das junge Lese-Publikum ansprechen.

Die Corona-Krise hat die Unternehmerin, die dann fünf Geschäfte führen wird, nicht abgeschreckt. Im Gegenteil: „Wir haben eine Möglichkeit gesucht, so schnell wie möglich aus der Kurzarbeit rauszukommen und dabei die Mitarbeiterzahl zu halten. Und da war mir schnell klar, dass das nur mit einer Expansion funktionieren wird.“
Das gedruckte Buch erfreue sich nämlich, trotz E-Book-Angeboten, immer noch großer Beliebtheit: „Gerade jetzt, wo die Menschen viel Zeit zum Lesen haben. “

 

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