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Detlef Wimmers letzte große Reise

Bevor er am 7. März als Vizebürgermeister abtritt, hat Detlef Wimmer (FP) gestern seine letzte Dienstreise gestartet. Ein Blick auf einen Politiker, der bis zum Schluss polarisiert.

Detlef Wimmers letzte große Reise

Junger Parteichef: Als 24-Jähriger im Wahlkampf 2009 Bild: Weihbold

Es ist eine weite, aber eher unspektakuläre Reise, zu der sich Detlef Wimmer gestern gemeinsam mit Bürgermeister Klaus Luger (SP) aufgemacht hat. Eine Woche lang sind die beiden höchstrangigen Politiker von Linz in Tansanias Hauptstadt Dodoma unterwegs. "Als eine Art Helfer", sagt Wimmer und legt in dem für ihn so typischen, schnellen Stakkato-Sprech los: Dodoma wachse schnell und könne in Sachen Infrastruktur und Abfallentsorgung viel von Linz lernen.

Neue Städtepartnerschaft

Es habe schon mehrere wechselseitige Delegations-Besuche gegeben, Dodomas Feuerwehrleute hätten von den Linzern gelernt und umgekehrt und nun sei er unterschriftsreif, der Vertrag für die 20. Städtepartnerschaft, die die Landeshauptstadt Linz eingehe. Eben mit Dodoma, jener Stadt, in der das Dokument diese Woche feierlich unterzeichnet werde.

Detlef Wimmers letzte große Reise

Zudem sei Tansania ein Land, das Flüchtlinge zurücknehme und das gehöre unterstützt mit Hilfe vor Ort. Nachsatz: Auch wenn das einige seiner freiheitlichen Gesinnungsgenossen verwundere, dass er sich "in Afrika, bei den Schwarzen" engagiere.

Und schon sind wir mittendrin im Weltbild des Detlef Wimmer, der mit seinen 34 Jahren bereits auf ein Jahrzehnt als Berufspolitiker zurückblicken kann. Eine Politik-Karriere, die in vier Wochen schlagartig zu Ende gehen wird.

Als Wimmer 2007, als damals 22-Jähriger, handstreichartig die Führung der damals heillos zerstrittenen Stadt-FPÖ an sich zog, hat die Härte und Konsequenz, mit der er diese Übernahme durchzog, nicht nur in den eigenen Reihen eine Art von Bewunderung ausgelöst. "Machtstrategisch agieren kann er", hieß es damals auch in der SPÖ über den jungen Burschenschafter, der aus seiner Gesinnung nie ein Hehl gemacht hat. Im Gegenteil.

Wimmer war wiederholt in den Gefilden unterwegs, die FP-Landesparteichef Manfred Haimbuchner gerne als "Narrensaum" in der FPÖ bezeichnet. Als Landesobmann des Rings Freiheitlicher Jugend (RFJ) brachte er Aufkleber in Umlauf, auf denen eine Zigarettenmarke "Gemischte Sorte" mit dem Warnhinweis "Zuwanderung kann tödlich sein" abgebildet war.

Später erweiterte er seinen Aktionsradius und reiste wiederholt auf die Krim, um beim dortigen Jalta-Wirtschaftsforum seine freundschaftliche Begeisterung für Russland hervorzuheben.

Und es war Detlef Wimmer, der jenen "Kooperationsvertrag" vorbereitet hat, den die FP-Bundesspitze rund um HC Strache, Norbert Hofer und Harald Vilimsky im Dezember 2016 mit Vertretern von Wladimir Putins Partei "Einiges Russland" in Moskau unterzeichnet hat.

Detlef Wimmers letzte große Reise

Letzter "Höhepunkt" rund um Wimmers außenpolitisches Engagement: Ende 2018 wurde er in der Ukraine zum "Kreml-Agenten" erklärt. Mit einem Einreiseverbot hatte ihn die Ukraine da schon vorher belegt gehabt.

Was für andere Kommunalpolitiker die Ausnahme ist, hat Detlef Wimmer wiederholt geschafft: den Sprung in die Schlagzeilen – auch bundesweiter – Medien. Zuletzt vor wenigen Wochen. Als die OÖNachrichten öffentlich machten, dass sich Wimmer nach seinem überraschenden Abgang als Linzer FPÖ-Chef für den Posten eines Sektionschefs im Sozialministerium beworben haben soll, war das Zeitungen von Vorarlberg bis Wien eine Meldung wert.

So gerne Detlef Wimmer über seine Erfolge als Linzer Sicherheitsreferent spricht, (Ausbau der Ordnungswache, Installierung von Überwachungskameras in den Straßenbahnen, Einführung von Alkohol- und Waffenverbotszonen im Stadtgebiet) so kurz und knapp werden seine Antworten, wenn es um die Gründe für seinen Abgang aus der Politik geht.

Teil des extrem-rechten Flügels

Gerüchte über angebliche Übergriffe, die selbst Parteifreunde in Umlauf gebracht hatten, seien falsch. Er gehe, "weil ich nie ewig Berufspolitiker bleiben wollte" und er mit 34 Jahren noch jung genug für einen Umstieg in ein Berufsleben abseits der Politik sei.

Dass er – auch innerhalb der FPÖ – polarisiert hat, weiß Wimmer. Ebenso, dass er in der öffentlichen Wahrnehmung zum extrem-rechten Flügel gezählt wird. Wobei er selbst es anders formulieren würde: "Die Politik braucht auch Leute, die nicht nur nach Schema F einer Parteiakademie reden."

Wie auch immer.

In gut vier Wochen, am 7. März, geht Wimmers Zeit als Berufspolitiker zu Ende. Da werden in der Gemeinderatssitzung seine Nachfolger – Markus Hein als Vizebürgermeister, Michael Raml als Stadtrat – angelobt werden.

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Artikel A. Edlinger Und R. Gruber 11. Februar 2019 - 00:05 Uhr
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