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Weidlinger: "Viele Kinder bewegen nur noch ihre Daumen"

Von Erhard Gstöttner   14.April 2015

"Viele Kinder bewegen nur noch ihre Daumen"
Günther Weidlinger errang fünf österreichische Langstrecken-Rekorde.

"Kinder sind unsere Zukunft, doch unsere Zukunft bewegt sich nicht mehr", sagt Günther Weidlinger (37), Österreichs erfolgreichster Langstreckenläufer und nationaler Marathon-Rekordhalter. Seine internationale Laufkarriere hat Weidlinger beendet. Jetzt ist er Botschafter des Linz-Marathons und für die Aktion "Schule läuft" im Einsatz. Zugleich studiert er Sportmanagement.

"Wenn sich Kinder nicht bewegen, dann bewegt sich die nächste Generation auch nicht mehr", sagt Weidlinger. Das Verhalten zu ändern ist schwierig, aber keineswegs unmöglich. Für die Aktion "Schule läuft" besucht Weidlinger in ganz Oberösterreich Schulen, hält dort Motivationsvorträge und führt Turnstunden durch.

Begeisterte Kinder

"Die Kinder sind zu motivieren, ja sogar zu begeistern", erzählt der Langstreckenläufer von seinen Erfahrungen. Begeistert sind die Kinder, dass ein erfolgreicher Spitzensportler sie besucht, um mit ihnen zu sporteln. Weidlinger sieht die teilnehmenden Kinder durchaus positiv: "Die Kinder in meinen Turnstunden sind wirklich pflegeleicht." Der oberösterreichische Leichtathlet setzt aber nicht nur auf die Kinder, sondern auch auf deren Eltern: "Ich bin froh, dass auch sie zu meinen Vorträgen in die Schulen kommen, denn zu ihnen muss noch mehr vordringen, wie wichtig Bewegung ist." Denn Bewegung sei kein Selbstzweck, sondern prägend für das ganze Leben. Bewegungsarmut führe zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und zu Diabetes auch schon in jungen Jahren, sagt Weidlinger: "Das belastet die Menschen und auch unser Sozial- und Gesundheitssystem."

Die Generation Computerspiel

Ist Weidlingers Pessimismus übertrieben? Kinder leben doch gerne ihren Bewegungsdrang aus. Weidlinger: "Kinder und Jugendliche bewegen sich viel zu wenig." Er habe in jungen Jahren viel im Freien gespielt, sich an der frischen Luft bewegt, erzählt der gebürtige Braunauer von seiner Kindheit und Jugend: "Dann kam die Generation, die mit Computerspielen aufgewachsen ist. Die bewegten noch ein Lenkrad oder einen Joystick." Die heutige Smartphone-Generation müsse eigentlich fast gar nichts mehr in Bewegung setzen, sagt Weidlinger: "Viele Kinder bewegen nur noch ihre Daumen auf ihren Handys. Sie müssen immer weniger tun, um bespielt zu werden. Das geschieht überall, zu Hause, an den Haltestellen, im Bus, in der Schule." Er benutze freilich auch ein Smartphone: "Für mich ist das allerdings ein Arbeitsgerät, das ich auch ausschalten kann."

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