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Nachbargemeinden wollen nicht in Groß-Linz aufgehen

GROSSRAUM LINZ. Leonding, Traun, Ansfelden, Puchenau und Steyregg wollen selbstständig bleiben und lehnen die Idee, in die Landeshauptstadt eingemeindet zu werden, strikt ab.

"Sicher nicht!" – Nachbargemeinden wollen nicht in Groß-Linz aufgehen

Das Rathaus auf dem Hauptplatz: Auch künftig kein Regierungssitz von Groß-Linz. Bild: OON

206.000 Menschen leben bereits in Linz, der Zuzug hält an. "Irgendwann", so sagte Infrastrukturstadtrat Markus Hein (FP) zu den OÖNachrichten, sei die Fläche erschöpft, da müsse man "auch über Eingemeindungen nachdenken".

Eine Idee, die bei den Nachbarn gar nicht gut ankommt. "Ich sehe keine Veranlassung, dass Leonding ein Teil von Linz werden soll", sagt Walter Brunner (SP), der Bürgermeister von Leonding, mit 28.844 Einwohnern viertgrößte Stadt in Oberösterreich.

Brunner hat keine Freude mit dem Verhalten der Linz-Politik: "Es wäre fair gewesen, wenn Linz uns die Verkehrsprojekte präsentiert hätte, die auch uns betreffen. Linz ist bei der Zusammenarbeit sehr zurückhaltend, man könnte fast sagen: geradezu autistisch."

"Small is beautiful"

Linz-freundlich klingt zunächst Manfred Baumberger (SP), der Bürgermeister der 17.000-Einwohner-Stadt Ansfelden: "Linz ist als zentrale Stadt wichtig. Ansfelden soll aber selbstständig bleiben. Wir wollen mehr Zusammenarbeit." Die Kooperation sei vor allem beim Verkehr sowie bei Bildungs- und Pflegeeinrichtungen wichtig.

"Ganz sicher nicht. Darüber brauchen wir gar nicht reden", sagt Trauns Bürgermeister Rudolf Scharinger (SP) über Eingemeindungs-Überlegungen. "Nur weil Linz die Flächen ausgehen, sollen wir dort ein Stadtteil werden?" Nicht einmal im Ansatz gebe es da Gemeinsamkeit. Vorstellen kann sich Scharinger aber gemeinsame Planung, wenn auch nicht unter Linzer Führung. Das müsse "auf Augenhöhe" passieren.

Ähnlich die Meinung von Johann Würzburger (SBU), dem Ortschef von Steyregg: "Small is beautiful." Steyregg habe mit 5000 Einwohnern eine gute Größe, und das solle so bleiben. Sehr gerne, so Würzburger, wolle er mit Linz "in der Verkehrsfrage kooperieren".

Da würde auch Puchenaus Bürgermeister Gerald Schimböck (VP) mitmachen, lehnt aber eine Eingemeindung ebenso kategorisch ab. Er halte gar nichts von einem Groß-Linz, sehr viel aber von gemeinsamer Verkehrsplanung, sagt Schimböck.

Pro & Contra: Braucht es ein Groß-Linz?

 

Eingemeindungen erfolgten zuletzt in der Nazi-Ära

Die Idee, Nachbargemeinden mit Linz zu vereinen, ist nicht neu. Zuletzt hatte das der Kommunalwissenschafter Friedrich Klug, der seinerzeitige Chef des Linzer Kontrollamtes, 2003 vorgeschlagen. Der Vorschlag blieb Theorie, zu groß war der Widerstand der Linzer Nachbar-Bürgermeister. Nun hat der Linzer Infrastruktur-Stadtrat Markus Hein (FP) den Vorschlag wieder aufgegriffen.

Die letzte Linzer Eingemeindung erfolgte vor 79 Jahren. Damals kam das Keferfeld von Leonding zur Stadt Linz. Auf dem Keferfeld entstand eine große Einfamilienhaus-Siedlung. Die Häuser waren für ehemalige Bewohner von St. Peter vorgesehen. Allerdings zog aufs Keferfeld viel Kaderpersonal der Hermann-Göring-Werke (heute: voestalpine).

Von 1873 bis 1938

Ein Jahr früher, ebenfalls in der Nazi-Ära, fielen die bis zu diesem Zeitpunkt selbstständigen Gemeinden Ebelsberg und St. Magdalena an Linz. Die ersten Eingemeindungen erfolgten 1873, damals kamen Lustenau und Waldegg dazu. 1915 folgte die bis dahin eigenständige Gemeinde St. Peter. 1919 wurde die Stadt Urfahr Teil von Linz, 1923 Kleinmünchen. 1934 kamen Heilham und ein Teil von Steyregg zu Linz.

Linz-Politiker denken über Stadtentwicklung nach

Kommende Woche begibt sich die Linzer Stadtregierung wieder einmal zu einer Klausur aufs Land. Am 22. und 23. März logieren die vier weiblichen und vier männlichen Regierungsmitglieder im Hotel Brunnwald in Bad Leonfelden (Bezirk Urfahr-Umgebung).

Im Mühlviertler Kurort denken die Linzer Stadtlenker auch über die künftige Stadtentwicklung nach. Stadtentwicklungsdirektor Gunter Amesberger referiert zu diesem Tagesordnungspunkt auch, wie viele Flächen für Betriebsbauten es in Linz noch gibt. Auch eine Diskussion über sparsame Nutzung von Energie sowie über Lichtverschmutzung ist vorgesehen. Viel Zeit bleibt aber nicht. Denn für das ganze Thema Stadtentwicklung ist nur eine Stunde am Donnerstagabend vorgesehen.

Insgesamt stehen neun Themen auf der Tagesordnung der Stadtregierungsklausur. Diskutieren werden die Gemeindepolitiker auch über die Neugestaltung des Urfahrmarkt-Geländes und des Problemgebiets Hessenpark. Nur 45 Minuten eingeplant sind für das Kapitel Finanzen, zu dem Finanzdirektor Christian Schmid referiert.

Zusammenarbeit

Ein vorbildliches Projekt haben die Gemeinden Wilhering, Pasching, Oftering, Kirchberg-Thening und Leonding Mitte 2017 gestartet. Diese fünf Orte im Bezirk Linz-Land arbeiten in Planungsfragen zusammen. „Auch die Stadt Linz ist zu einem Teil eingebunden“, sagt Leondings Bürgermeister Walter Brunner (SP). Das Land macht ebenfalls mit: „Es fördert unser Projekt und ist in Fragen der Raumordnung dabei“, erläutert Bürgermeister Brunner. Sinnvoll wäre auch ein engerer Planungsverbund mit Linz, sagt Brunner: „Aber da müssten alle Partner gleichberechtigt sein. Bisherige Versuche sind gescheitert.“

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Artikel Anneliese Edlinger und Erhard Gstöttner 14. März 2018 - 00:04 Uhr
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