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Linz

Geboren auf der Donau: „Mein Schicksalsfluss“

Von Herbert Schorn   06. Oktober 2011 00:04 Uhr

Geboren auf der Donau: „Mein Schicksalsfluss“
Im Regensburger Hafen

LINZ. Franz Thek kennt die Donau wie kaum ein anderer: Der Sohn eines Schiffssteuermanns wurde auf einem Donauschlepper geboren und verbrachte dort seine Kindheit. „Ich fühle mich noch heute an der Donau zuhause“, sagt er.

12. Mai 1948. Frau Thek, Gattin des Steuermanns Ferry Thek, ist hochschwanger. Die Wehen setzen ein. Sie erwartet ihr erstes Kind. Doch an eine Geburt ist noch nicht zu denken. Die werdende Mutter sitzt auf dem Donauschlepper Höflein fest – und Linz, wo die Hebamme zusteigen soll, ist noch weit entfernt. „Meine Mutter hat bis zum Schluss nicht gewusst, ob es sich bis Linz ausgehen wird“, erzählt Franz Thek.

Es ging sich aus. Die Hebamme kam, Franz wurde auf dem Schiff, das an der Donaulände ankerte, geboren. Diese Geburt und die Kindheit auf dem Schlepper haben den Linzer geprägt: „Auch heute fühle ich mich noch zuhause, wenn ich an der Donau spazieren gehe.“

Mit zunehmendem Alter findet er hier immer mehr Erinnerungen, vor allem an die Kindheit: „Die Donau ist sozusagen mein Schicksalsfluss.“ Sie hat ihn Zielstrebigkeit und Ausgeglichenheit gelehrt.

Mit seinen Eltern und Geschwistern verbrachte er die ersten sechs Lebensjahre auf dem Schlepper. Sein Vater lenkte eines von bis zu sechs Schiffen, die im Zugverband Waren auf der Donau transportierten, meist zwischen Wien und Regensburg. Geliefert wurden häufig Kohle für die Voest und die Stahlbleche der Voest, wenn es von Linz wieder wegging.

Spielplätze auf dem Schiff

Auf dem Schiff gab es wunderbare Möglichkeiten zum Spielen: „Da haben wir schön Kohlen schaufeln können“, erzählt Thek und lacht. „Ausg’schaut hamma wie die Rauchfangkehrer.“ Nachsatz: „Aber das war egal. Wasser war ja genug da.“ In Franz’ Kaufmannsladen mussten die Matrosen einkaufen, das Beiboot wurde im Sommer mit Wasser angefüllt und so zum Swimmingpool für die Kinder umgewandelt. Die Mutter brauchte Weitblick und Einfallsreichtum: Lebensmittel mussten oft für zwei Wochen eingekauft werden, und wenn das Wasser knapp wurde, wurde mittels ausgehöhltem Kalkstein das Donauwasser zu Trinkwasser.

„Es war ein bisschen wie ein Zigeunerleben“, erinnert sich der Linzer. Im Sommer gab es auf den Landgängen viel zu entdecken, im Winter boten Eisschollen Nervenkitzel: „Selbst wenn die Schollen auf die Schiffswand gekracht sind, bedrohlich war die Donau für mich nie.“ Im Gegenteil: „Der Wellenschlag war beruhigend.“

Dennoch hatte der Beruf des Vaters auch seine Schattenseiten. Als die Kinder zur Schule mussten, wurde die Familie getrennt. Die Mutter blieb mit den Kindern in Aschach, der Vater schipperte weiter. „Ab da bin ich fast ohne Vater aufgewachsen“, sagt der 63-Jährige.

„Sehnsucht nach Donau“

Beruflich trat der Sohn nicht in die Fußstapfen des Vaters: Er machte eine Schriftsetzerlehre bei der Druckerei Wimmer und arbeitete ab 1981 in der Redaktion der OÖNachrichten. 2009 ging er als Kulturredakteur in Pension. Heute wohnt er in Urfahr, nur fünf Minuten von der Donau entfernt. Zu diesem Fluss hat er eine besondere Beziehung: „Die Donau hat mich nie losgelassen.“

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