"Fatsy": Der letzte Cowboy feiert, wie nur Cowboys feiern

Von Von Renate Schiesser   27.April 2010

Vom alten Zahnarztbesteck über Sättel, Sporen und die Backpulverdose der Mutter der legendären Dalton-Gang bis natürlich zum wesentlichen Merkmal, dem Hut. Hunderte Bilder und Schilder, die die Wände des 450 Jahre alten Hauses pflastern, das im Übrigen 70 Jahre älter ist als das älteste Haus Amerikas. Wer Hans Jörg „Fatsy“ Ratzenböck in dem etwas abgelegenen Haus im Linzer Süden besucht, braucht vor allem eines: Zeit. Immerhin sind es rund 5000 Exponate, die der Cowboy von Linz im einzigen Cowboymuseum Europas zusammengetragen hat. Ein buntes Sammelsurium aus allem, was der Westen so hergibt.

„Ich lebe auch den Real Cowboy“, sagt Fatsy Ratzenböck in einer Mischung aus breitem Linzer und noch breiterem amerikanischen Slang. Das ist sein Leben. Hier in Linz, aber trotzdem mit einem Hauch von Prärie und Unabhängigkeit, wenn er mit einem seiner Pferde über die Pichlinger Wiesen reitet.

Infiziert hat sich Hans Jörg Ratzenböck schließlich auch in der Landeshauptstadt. Zehn Jahre lang hat er in der Besatzungszeit die Flaggenparade beobachtet. Da hat es ihn erwischt, das Virus, und bis heute, mit 66 Jahren, nicht losgelassen. Der amerikanische Traum hat sich für ihn ja auch ein bisschen erfüllt, nahe dem Pichlinger See.

Von seinen Reisen auf den Spuren der echten Cowboys – immerhin 29.000 Kilometer – hat er deren wahre Geschichte mit nach Hause gebracht und weitererzählt. Die ist ein bisschen anders als im Film, sagt Ratzenböck. Gar so glamourös war das Leben der Viehtreiber nicht. „Aber wer wäre denn ins Kino gegangen, wenn sie das gezeigt hätten“, drückt Ratzenböck ein Auge zu.

Zum Erzählen der Tatsachen gibt es schließlich ihn. Das hat sich der gelernte Installateur und Mitarbeiter der Stadtbetriebe Linz (SBL), Musiker und Hofmarschall der Linzer Faschingsgilden jetzt in der Pension gemeinsam mit Gattin Ilse noch mehr auf die Fahnen geheftet.