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Linz

Expertendiskussion: "Linz wird nicht zur Hochhaus-Stadt, sie ist es bereits"

Von Anneliese Edlinger und Reinhold Gruber   05. Februar 2018 06:51 Uhr

Expertendiskussion: "Linz wird nicht zur Hochhaus-Stadt, sie ist es bereits"
Soll Linz in die Höhe bauen, um mehr Wohnraum zu schaffen?

LINZ. Was spricht für, was spricht gegen den Trend, 80 Meter und höher zu bauen?

Auch wenn bei der von den Linzer Grünen organisierten Diskussion im Alten Linzer Rathaus vor allem Kritiker des Bauens in lichte Höhen am Podium standen – diskutiert wurde dennoch offen.

"Wir sind auch nicht grundsätzlich gegen Hochhäuser. Ein Problem wird es aber, wenn die Wohnungen unerschwinglich werden und nur die Investoren von Hochhäusern profitieren", sagt Grünen-Klubchefin Ursula Roschger.

300.000 Euro für 60 m2

Ähnlich sieht das Lorenz Potocnik, Neos-Fraktionschef und Stadtplaner, der als Negativ-Beispiel den Preis einer mittelgroßen Eigentumswohnung in einem Hochhaus unweit des Hauptbahnhofs anführt: "Da werden für den Quadratmeter 5000 Euro verlangt und auch gezahlt." Macht 300.000 Euro für 60 Quadratmeter. Um solche Entwicklungen zu verhindern, solle Hochhaus-Investoren – so wie in München – zwingend vorgeschrieben werden, dass 40 Prozent der Wohnungen zu leistbaren Preisen angeboten werden müssen, sagt Potocnik.

Kaum ein Thema "wird so unsachlich diskutiert wie der Hochhausbau", sagt der renommierte Städteplaner Reinhard Seiß. Für die einen sei er absolut toll, für die anderen die schlimmste Bauform überhaupt. Und wer glaube, dass sich Linz derzeit zur Hochhaus-Stadt entwickle, solle die Augen öffnen: "Linz ist bereits eine Hochhaus-Stadt."

Expertendiskussion: "Linz wird nicht zur Hochhaus-Stadt, sie ist es bereits"
Hochhäuser in Linz: Ein heißes Thema, das „sehr unsachlich diskutiert wird“, sagt Stadtplaner Seiß.

Städteplaner Reinhard Seiß

 

Das Hauptargument der Hochhaus-Befürworter im Rathaus, dass Linz aus Platzmangel in die Höhe wachsen müsse, stimme jedoch nicht, sagt Seiß. Linz habe keinen Mangel an Boden, dieser würde aber ineffizient eingesetzt. Solange mit ebenerdigen Supermärkten oder Fachmarktzentren Platz regelrecht vergeudet werde, statt dort Wohnbauten aufzusetzen, sei das Argument der Platznot einfach falsch.

1200 bis 1500 Menschen seien in einem 100 Meter hohen Gebäude täglich unterwegs, sagt die in Steyr tätige Architektin Karin Proyer. Also könne man Hochhäuser durchaus als "vertikale Gemeinde" verstehen. Und genauso viel Sorgfalt, wie bei der Planung eines großflächigen Gemeindegebiets an den Tag gelegt werde, brauche auch ein einzelnes Hochhaus.

Hein: Alternativen erwünscht

Als "unfair" und unsachlich hält der zuständige Stadtrat Markus Hein (FP) den wiederholt geäußerten Vorwurf, dass in Linz planlos und nur zum Wohle der Investoren agiert werde. "Jedes Projekt wird fachlich geprüft, aber das letzte Wort hat die Politik." Schließlich gehe es am Ende immer um die Frage, welchen Mehrwert ein Projekt für die Stadt habe.

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Hoch hinaus geht es derzeit bei mehreren Projekten in Linz.

Gleichzeitig gehe man transparent an die Sache, das habe auch Nachteile. "Die politischen Diskussionen werden zu früh geführt und gehen oft am eigentlichen Problem vorbei", sagt Hein.

"Dass wir keinen Plan haben, möchte ich so nicht stehen lassen. Und es ist auch falsch, dass jeder Investor als Schreckgespenst gesehen wird."

Er, so Hein, würde Alternativvorschlage der Kritiker jedenfalls begrüßen. "Ich würde gerne vernünftig diskutieren, welche Ideen sie haben, um den Wohnbedarf zu decken und gleichzeitig die Grünflächen zu schützen."

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