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Linz

Direktor Louis Knie: „Ich bin von Kind auf süchtig nach dem Zirkus“

Von Von Herbert Schorn   13. August 2010 00:04 Uhr

Direktor Louis Knie: „Ich bin von Kind auf süchtig nach dem Zirkus“
Die Pferdedressur ist im Zirkus Knie Chefsache: „Die Kunst des Dompteurs ist die Geduld. Man muss kontinuierlich arbeiten.“

LINZ. Zehn Monate pro Jahr ist Louis Knie (35) mit seinem Zirkus unterwegs, lockt mit 50 Mitarbeitern und 60 Tieren pro Tag 1000 Zuseher in sein Zelt – ab Donnerstag in Linz. Die vielen Reisen stören den Zirkusdirektor in siebter Generation nicht: „Für uns Kinder war es ein Schock, im Winter plötzlich in einem Haus zu leben.“

OÖN: Herr Knie, ist der Zirkus nicht eine etwas altmodische Unterhaltungsform?

Knie: Nicht unbedingt. Im Zirkus hat sich sehr, sehr viel geändert. Zirkus ist nicht mehr der Clown mit der roten Nase, der schießt und ein anderer fällt um. Wir gehen stark mit der Zeit, holen uns Anregungen aus Amerika und vom Moulin Rouge in Paris. Choreografie, Musik und Lichteffekte sind sehr wichtig geworden.

OÖN: Was lässt den Zirkus trotz starker medialer Konkurrenz bestehen?

Knie: Zirkus ist live, das ist etwas ganz Spezielles, vor allem für die Kinder. Aber auch die Erwachsenen vergessen für zweieinhalb Stunden ihre Sorgen. Die Leute kommen schon vorher, trinken ein Bier, haben Spaß mit einem Clown, können die Tiere anfassen.

OÖN: Was fasziniert Sie selbst am Zirkus?

Knie: Ich bin im Zirkus aufgewachsen, habe schon als kleiner Junge in der Schweiz mit Tieren gearbeitet. Im Zirkus gibt es viele Nationen, viele Sprachen, die müssen alle miteinander auskommen. Wir sind eine kleine Stadt auf Rädern. Wir spielen in neun Monaten in 40 Städten.

OÖN: Gab es für Sie eine andere Denkmöglichkeit als den Zirkus?

Knie: Als ich mit der Schule fast fertig war, hat mich mein Vater gefragt: „Was willst du? Den Zirkus oder ein privates Leben?“ Für mich gab’s nichts anderes. Wenn man mit dem Zirkus aufwächst, ist es sehr schwierig, wegzukommen.

OÖN: Sie sind also von Kind auf süchtig nach dem Zirkus?

Knie: (lacht) Das kann man wohl sagen! Im Zirkus ist immer was los. Es gibt immer jemanden, der am Abend draußen sitzt, Musik macht oder ein Glas Wein trinkt. Man ist nie allein. Für uns Kinder war es ein Schock, im Winter plötzlich drei oder vier Monate in einem Haus zu leben und das alles nicht zu haben.

OÖN: Wie sieht Ihr Arbeitspensum aus?

Knie: Um neun Uhr beginnen die Tierproben, danach ist Zeit für Administratives wie Leute einteilen, die nächste Stadt oder die nächste Saison vorbereiten. Um 13 Uhr ist Tierpflege, dann bringen wir die Nachmittagsvorstellung in Gang. Ich bin sieben Tage die Woche von 9 bis 22, 23 Uhr im Einsatz.

OÖN: Und wie erholen Sie sich von so viel Arbeit?

Knie: Ende Jänner stellen wir den Zirkus ins Winterquartier, dann gehts zum Zirkusfestival nach Paris oder nach Monte Carlo, da hängt man dann ein paar Tage Urlaub dran.

OÖN: Also lässt Sie der Zirkus auch im Winter nicht los.

Knie: (lacht) Nein.

OÖN: Wie hält man es aus, so oft in einer anderen Stadt zu sein?

Knie: Im Sommer ist es einfach, aber es gibt Zeiten, wo es härter wird. Im November etwa, wenn alles verdreckt ist und wir mit Traktoren raus- und reingezogen werden müssen. Das ist kein Honiglecken.

OÖN: Was bedeutet für Sie Heimat?

Knie: Das ist für einen Reisenden schwer zu sagen. Ich glaube, unsere Heimat sind unsere Wohnwagen.

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