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Die Fraktionschefs: Gute Hirten und Krampusse

LINZ. Die Geschäftsführer der Gemeinderatsgruppierungen müssen Mehrheiten finden, aber auch Angriffe führen können.

Viele Überraschungen in der Weihnachtswelt

Gute Hirten oder Krampusse? Bild:

Was sind Gemeinderatsfraktionen, was tun deren Chefs? Kurz gesagt: Jede im Linzer Stadtparlament mit mindestens zwei Mandaten vertretene wahlwerbende Gruppe ist eine Fraktion. Jede Fraktion hat das Recht, ihren Vorsitzenden selbst zu wählen. Er oder sie ist dann Geschäftsführer der Gemeinderatsgruppe.

Auf Befragung durch die OÖNachrichten betonen die Chefs der fünf Fraktionen im Linzer Gemeinderat (SP, FP, VP, Grüne und Neos) das Positive. Gemein ist den Chefs, dass sie neu in dieser Funktion sind. Völlig neu in der institutionellen Politik ist der Architekt und Neos-Fraktionsobmann Lorenz Potocnik. Nach sechs Jahren in den Gemeinderat zurückgekehrt ist der 72-jährige Architekt und Denkmalschützer Günther Kleinhanns, der nun die FP-Fraktion anführt.

Die Fraktionsobleute haben zwei wesentliche Aufgaben, eine nach innen, die andere nach außen. "Nach innen muss man ausgleichend und motivierend wirken", sagt die ehemalige Grünen-Fraktionschefin Gerda Lenger, die in der Vorwoche nach 24 Jahren aus dem Gemeinderat ausgeschieden ist.

Kompromissfähig und hart

Nach außen sind die Fraktionschefs die Verbindungsleute zu den anderen Fraktionen, müssen dort Bündnispartner suchen, Kompromisse schließen. So gesehen sind die Fraktionschefs gute Hirten.

Aber sie müssen auch angriffig sein, nicht nur in Reden im Gemeinderat, sondern mitunter auch gegenüber den eigenen Leuten und in Verhandlungen mit den anderen Fraktionen. So muss ein Fraktionschef auch hart und grimmig wie ein Krampus auftreten können.

 

Die drei Fragen:

 

  1. Was ist das Reizvolle an der Arbeit eines Fraktionschefs im Linzer Gemeinderat?
     
  2. Was befähigt Sie zum Fraktionschef? Welche Voraussetzungen bringen Sie mit?
     
  3. Was ist Ihnen am wichtigsten in der Arbeit als Fraktionschef im Linzer Gemeinderat?

 

 

 

Parteien stellen Weichen für Linzer Gemeinderat

Christian Forsterleitner (SP):

  1. Ich möchte einen Beitrag für eine offene, moderne Stadt leisten. Das geht, wenn wir gut zusammenarbeiten. Diese Zusammenarbeit zu ermöglichen, ist auch meine Aufgabe.
  2. Seit zwölf Jahren bin ich im Gemeinderat der Stadt Linz und habe hier viel Erfahrung gesammelt. Und ich habe eine gute Gesprächsbasis mit allen anderen Fraktionen.
  3. Konkretes, Taten. Ich möchte dazu beitragen, dass etwas weitergeht. Das erwarten die Linzerinnen und Linzer zu Recht von uns, und das ist mein Ansporn und Ziel.

 

 

 

Günther Kleinhanns (FP):

  1. Reizvoll ist die Menschenführung, besonders der Umgang mit so vielen Idealisten, mit ihren Vorstellungen und Visionen von einem besseren und wenig gestörten Zusammenleben in Linz. Die Stärke braucht man zum Angehen notwendiger, oft aber unangenehmer, von Anderen deshalb schon lange liegengelassener Aufgaben.
  2. Vermutlich ein, von Anderen beobachteter, längerer Erfahrungsweg als eingesessener Linzer, Techniker, Beamter, Verhandler, als geselliger, kulturell und auch sonst vielseitig interessierter, neugieriger, auch zäh-ausdauernder und vor allem kompromissfähiger Typ.
  3. Den Gleichklang der jetzt im gemeinsamen Aufbruch befindlichen Gemeinderäte, dieser Idealisten, zu erhalten, zu verbessern, auf realistische, verfassungskonforme Strukturen zu stellen und für die Gesamtheit der Linzer und Linzerinnen rasch und gut spürbar zu verstärken.

 

 

 

Klubobmann Linzer ÖVP

Martin Hajart (VP):

  1. Die inhaltliche Schwerpunktsetzung und die damit einhergehende Positionierung der eigenen Fraktion gegenüber den anderen. Ich freue mich vor allem auch auf die Arbeit gemeinsam mit meiner Fraktion, einer sehr guten Kombination aus erfahrenen Mandataren und neuen, engagierten Persönlichkeiten.
  2. Ich habe nun neun Jahre lang im Büro der ÖVP-Vizebürgermeister Erich Watzl und Bernhard Baier gearbeitet sowie als Sekretär des ÖVP-Gemeinderatsklubs. Zudem war ich zuerst in der JVP aktiv und bin seit einigen Jahren Obmann der ÖVP im Hafenviertel. Jetzt ist es Zeit, selbst politisch Verantwortung zu übernehmen.
  3. Ich persönlich sehe Politik als Wettbewerb der besseren Ideen. Eine gute Idee sollte umgesetzt werden, unabhängig von wem sie stammt.

 

 

 

Klubobfrau der Grünen Linz

Ursula Roschger (Grüne):

  1. Die umfassende Perspektive, der notwendige Überblick über die gesamte politische Situation in Linz, um gemeinsam mit anderen Fraktionen konstruktiv an der Weiterentwicklung der Stadt zu arbeiten.
  2. Meine politische Arbeit der letzten Jahre, v.a. im Linzer Gemeinderat und in verschiedensten politischen Bereichen sind von Vorteil, um sofort die Arbeit für die anstehenden Projekte aufzunehmen. Es gibt viel zu tun.
  3. Geprägt und gestärkt hat mich der Vorsitz im Kontrollausschuss und die Arbeit für die Aufklärung des Swaps.
  4. Ich möchte dazu beitragen, damit wir uns als neues Grünes Team im Gemeinderat bestmöglich einbringen. Besonders im Umwelt-, Bildungs- und Sozialbereich können und wollen wir in Linz gestalten. Das soziale Gleichgewicht in der Stadt darf durch die enge SPÖ-FPÖ-Zusammenarbeit nicht gefährdet werden.

 

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Artikel Erhard Gstöttner 19. November 2015 - 00:04 Uhr
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