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Linz

Bis zum Himmel: Linz und seine Hochhäuser

26. Februar 2018 01:04 Uhr

Baustart für den Lux Tower mit 126 Wohnungen
Unweit des Power Tower der Energie AG (links) entsteht der Lux Tower.

Sind Hochhäuser ein Irrweg oder notwendig für die Stadtentwicklung? Die OÖNachrichten sprachen mit Architekten.

  1. Warum erregt das Thema Hochhaus die Gemüter? Man hat den Eindruck, Hochhäuser werden entweder gelobt oder verteufelt.
  2. Sollen Hochhäuser eher gebündelt an einem Standort oder quer über die Stadt verteilt gebaut werden?
  3. Gibt es Standorte in Linz, die sich besonders für den Bau von Hochhäusern anbieten oder eignen würden?
  4. Was sind die Kriterien für ein gutes Hochhaus? Immerhin gibt es Menschen, die gerne in Hochhäusern wohnen würden.
  5. Soll ein Hochhaus das Stadtbild prägen oder sich diesem anpassen?
  6. Gibt es Alternativlösungen, um viele Menschen auf relativ wenig Platz gut wohnen zu lassen?

Franz und Martin Kneidinger

Geschäftsführer Architekten Kneidinger ZT GmbH

Bis zum Himmel: Linz und seine Hochhäuser
Franz und Martin Kneidinger

 

  1. Vielleicht, weil die Hochhäuser aus den 1950er-Jahren teilweise als Negativbeispiele gesehen werden. Die Stadt entwickelt sich weiter und das Hochhaus ist ein guter Baustein. Wenn das Leitbild höhere Dichte und Urbanität verlangt, kann das Hochhaus ein sehr gutes Instrument sein.
  2. Das ist der falsche Ansatz. Es gibt Zonen, die sehr gut für dichte Verbauung geeignet sind. In der Stadt gibt es begrenzten Raum, da wird es in die Höhe gehen. Das ist logisch. Ein Büro-Hochhaus ist etwas anderes als eines für Wohnen. Aber jedes Hochhaus braucht einen öffentlichen Mehrwert. Das ist das Entscheidende: Wo kann ich diesen generieren und wie?
  3. Das Bahnhofsviertel ist ein tolles Beispiel. Dort wurde gesagt "Wir staffeln uns lieber in die Höhe", dafür werden Freiflächen für die Öffentlichkeit generiert. Auch der Mikrostandort Friedhofstraße ist sehr gut und eine geeignete Zone für sinnvolle Verdichtung. Am Bulgariplatz wäre ein Wohn-Hochhaus zum Beispiel nicht geeignet. Dort kommen ein Hotel und Büros hin. Der Standort wertet das Viertel auf und hat Signalwirkung.
  4. Wir müssen differenzieren. Nicht jedes Hochhaus eignet sich zum Wohnen. Wenn ich oben dichter plane, muss es unten durchlässiger sein und Freiräume haben. Die braucht ein gutes Wohn-Hochhaus. Auch die Durchmischung ist eine Frage. Als Mehrwert müsste in einem frei finanzierten Wohnbau ein gewisser Anteil an geförderten Wohnungen angeboten werden. Wie das rechtlich geht, weiß ich nicht. Aber sozial wär’s schlau.
  5. Das geht gar nicht. In welchem Jahrhundert muss ich dann das Stadtbild konservieren? Alleine durch Gebäude verändert eine Stadt immer ihren Charakter. Hochhäuser sind nur ein Teil davon. Durch beschränkten Platz geht es in die Höhe. Richtigerweise muss man sich fragen, wo das passt und nicht sagen, "Bloß kein Hochhaus".
  6. Die Stadt ist ein Zusammenspiel von verschiedenen Wohn- und Aufenthaltsangeboten und die müssen in Harmonie miteinander sein. Genau deswegen bedarf es einer guten Stadtentwicklung, einer guten Architektur und eines guten Planungsprozesses. Das unter einen Hut zu bringen, ist wichtig. Es braucht einen gesunden Mix aus Wohnformen und -bauten. Das macht eine Stadt in Wirklichkeit aus.

Heinz Plöderl

Architekt, Pauat Architekten ZT GmbH

Architekt, Pauat Architekten ZT GmbH
  1. Es ist schwierig, hier ohne Emotion zu diskutieren, weil Hochhäuser Stadtstrukturen und Skylines wesentlich verändern. Es gibt gewohnte Ansichten einer Stadt. Sobald ein Hochhaus beginnt, diese zu trüben, werden Stadtstrukturen wesentlich beeinträchtigt. Wie aktuell beim geplanten Hochhaus in der Kaarstraße in Urfahr.
  2. In unseren Breiten brauchen wir gar keine Hochhäuser, wenn wir lebenswerte attraktive Städte mit spannenden Raumsequenzen haben wollen. Gegen ein Hochhaus spricht auch unser eigenes Navigationssystem, das sehr geerdet ist. In Paris leben die Menschen auch dicht, dort hat man das aber auf intelligente Art und Weise geschafft.
  3. Wir brauchen uns gewissen Entwicklungen nicht zu verschließen. Es ist durchaus vorstellbar, dass es städtebauliche Zonen gibt, die Potential haben. Diese müssten aber in einem ganz anderen Diskussionsprozess herausgearbeitet werden. Sobald wir jedoch über gemeinwohlorientierte Stadtplanung sprechen, erledigen sich diese Fragen von selbst.
  4. Es gäbe natürlich Kriterien für ein höheres Haus. Aber dazu bräuchten wir andere Rahmenbedingungen. Aufgrund des Zuzuges brauchen wir bezahlbaren Wohnraum. Den können hohe Häuser nicht abdecken. Es wird gesellschaftspolitisch nicht über die leerstehenden Gebäudestrukturen diskutiert, die weitergenutzt oder erneuert werden könnten.
  5. Ein Hochhaus kann sich nicht anpassen. Denn das Hochhaus ist gegenüber dem allgemeinen Maß, auch mit seinen Proportionen, vom Baukörper her zu groß. Es wird das Stadtbild vereinnahmen. Ob es dieses auch prägt, sei dahingestellt.
  6. Diese Alternativen gibt es in Paris und Barcelona. Sie werden dort gelebt. Da gibt es eine klare Struktur. Wir müssen wieder lernen, für wen wir die Stadt planen. Darum brauchen wir wieder dementsprechend dimensionierte Strukturen. Wir müssen wieder über Ensembles und Straßenzüge und Plätze reden, weniger über alleinstehende Häuser. Sechs- bis achtgeschossige Blockrandbebauungen bringen wieder Lebensqualität in die Städte. Menschen brauchen attraktive Begegnungszonen. Denn ein Indikator für lebenswerte und attraktive Städte ist es doch, wenn wir viele Menschen und Kinder auf den Plätzen und in den Straßen sehen.

 

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