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Oberösterreich

Karfreitag im evangelischen Gosau: "Jetzt werden erst recht alle frei haben"

Von Philipp Hirsch 09. März 2019 00:05 Uhr

Karfreitag im evangelischen Gosau: "Jetzt werden erst recht alle frei haben"
Links die katholische und rechts die evangelische Kirche. Die große Mehrheit der Gosauer bekennt sich zum evangelischen Glauben.

GOSAU. Gosauer fühlen sich um den freien Karfreitag, den einst einer der ihren erkämpft hat, betrogen.

Die Gemeinde Gosau ist in vielen Belangen etwas Besonders: "Wir sind eine rote Gemeinde, evangelisch und mitten im Salzkammergut", sagt Bürgermeister Friedrich Posch (SP). Von etwa 1800 Gemeindebürgern bekennen sich 1380 zum evangelischen Glauben. Seit Jahrhunderten stellen die Evangelischen hier eine deutliche Mehrheit.

Dass die Bundesregierung nun den Karfreitag als Feiertag gestrichen hat, ist in Gosau derzeit ein äußerst emotional besetztes Tagesgespräch: "Jetzt haben sie uns den Karfreitag gestohlen, sagen die Leute", berichtet Bürgermeister Posch. Diesen "Diebstahl" ihres freien Karfreitags wollen die Gosauer aber nicht so einfach hinnehmen.

Bürgermeister will freigeben

Im Gemeindeamt wird die Arbeit am Karfreitag vermutlich auch in diesem Jahr ruhen. "Wenn es rechtliche Möglichkeit dazu gibt, werde ich den Mitarbeitern freigeben", sagt der Bürgermeister. Diese Möglichkeit gibt es. Posch könnte den Gemeindebediensteten einen Tag "Sonderurlaub" gewähren. Auch die Geschäfte in Gosau werden am Karfreitag wohl wie immer geschlossen bleiben. "Am Karfreitag ruht bei uns das Geschäftsleben. Auch die Katholiken bleiben da zu Hause. Das gilt jetzt erst recht", sagt Posch und verweist auf die hinlänglich bekannte Hartnäckigkeit der Menschen im Salzkammergut.

Was rät der Bürgermeister den Gosauern, um ihren Protest gegen die Karfreitagsregelung der Regierung zu zeigen? "Ich wünsche mir, dass unsere Kirche am Karfreitag besonders voll ist, das wäre das beste Zeichen, das wir setzen können."

Der freie Karfreitag ist übrigens eng mit der Geschichte Gosaus verbunden. Es war ein Gemeindebürger, der vor mehr als 60 Jahren die Diskussion um einen Feiertag für alle Protestanten zum Thema im Parlament gemacht hatte. Karl Spielbüchler (†1992) ist nicht nur wegen dieser Leistung bis heute einer der berühmtesten Söhne der Gemeinde.

Karfreitag im evangelischen Gosau: "Jetzt werden erst recht alle frei haben"
Karl Spielbüchler

Der einstige Bürgermeister und SP-Nationalratsabgeordnete sah in der Verankerung des Karfreitags im "Feiertagsruhegesetz" eine längst fällige Wiedergutmachung für jahrhundertelange Unterdrückung seit der Gegenreformation. Seit 1955 hieß es (vor allem dank Spielbüchler) im Gesetzestext: "Der Karfreitag gilt (...) als Feiertag für die Angehörigen der evangelischen Kirche, der Altkatholiken und Methodisten."

Dass die Bundesregierung das nun mit ihrem Entschluss rückgängig gemacht hat, schafft bei den Gosauern aus diesem Grund noch zusätzlich Ärger.

 

Die Abwehr der Gegenreformation im Salzkammergut

Um 1525 trat die evangelische Lehre zum ersten Mal in Gosau in Erscheinung. Protestantische Flüchtlinge hatten im Gosautal eine neue Heimat gefunden. Binnen weniger Jahre verschwand der römisch-katholische Glaube bei der Gosauer Bevölkerung, um 1550 wurde der katholische Pfarrer durch lutherische Prediger abgelöst. 1597 versuchte Kaiser Rudolf II. im Salzkammergut die Gegenreformation einzuführen. 1624 verlangte Kaiser Ferdinand II., dass die Bevölkerung binnen eines Jahres wieder katholisch werden sollte. Einige Gläubige verließen das Gosautal, der Großteil kehrte aber äußerlich zum Katholizismus zurück und begann Geheimprotestantismus zu praktizieren.

Erst im Oktober 1781 wurde durch Kaiser Joseph II. das Toleranzpatent verkündet. In Gosau bekannte sich daraufhin nahezu die gesamte Bevölkerung öffentlich zum evangelischen Glauben.

 

Sondersitzung der Synode in Wien

Nicht nur der (nicht mehr freie) Karfreitag beschäftigt die Synode der Evangelischen Kirche A.B., die heute in Wien zu einer Sondersitzung zusammenkommt. Auf der Tagesordnung steht auch die kirchliche Trauung für homosexuelle Paare.

Die Frage, ob es homosexuellen Paaren erlaubt sein soll, kirchlich zu heiraten, war bereits im Vorjahr Thema der Synode. Damals wurde beschlossen, die Pfarrgemeinden zu befragen und auf der jetzigen Sondersynode weiter zu beraten. In Oberösterreich hat sich, wie berichtet, die Mehrheit der 34 evangelischen Pfarrgemeinden gegen die kirchliche Ehe für homosexuelle Paare ausgesprochen. In anderen Bundesländern war die Tendenz genau umgekehrt. Oberösterreichs Superintendent Gerold Lehner rechnet mit einem Kompromiss.

 

 

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Artikel von

Philipp Hirsch

Redakteur Land und Leute

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