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Innviertel

„Wir haben nur diese eine verwundbare Kugel“

Von Lisa Penz   29. Juni 2022 12:19 Uhr

Günther Mayr, ORF Wissenschafts-Leiter, über die Klimakrise
Günther Mayr, ORF Wissenschafts-Leiter, über die Klimakrise

BRAUNAU. Wie treffen die Klima- und Energiekrise die Wirtschaft? Darüber diskutierten Wirtschaftsvertreter am Montag in der WKO Braunau.

„Es ist noch nicht zu spät, aber es ist schon sehr spät“, sagte Günther Mayr am Montagabend auf die Frage, ob der Green Deal noch umgesetzt werden kann. Auf Einladung der WKO und der Raiffeisenbank Braunau hielt der Leiter des ORF Wissenschaftsressorts einen Vortrag zur Klima- und Energiekrise. Bis spätestens 2050 soll der europäische Kontinent klimaneutral sein, dieses Ziel haben sich die EU-Länder gesteckt. Österreich will das schon 2040 geschafft haben. „Das ist sehr ambitioniert“, sagt Mayr, „aber nicht unmöglich. Es muss enorm viel passieren, aber im Prinzip können wir das schaffen.“


Verkehr ist großes Problem
Von der Internationalen Raumstation aus, die von der Erde in etwa so weit entfernt ist wie Linz von Bregenz, generiert man täglich Fakten und Bilder rund um den Zustand der Erde. Und die sind beunruhigend. Die Gletscher schmelzen, die Waldbrände nehmen zu, der Meeresspiegel steigt. Das hat fatale Folgen: In 30 bis 40 Jahren wird es keine Gletscher mehr in Österreich geben. Viele Orte auf der Erde werden unbewohnbar sein.
Ursachen dafür gibt es mehrere. Die ganz große heilige Kuh sei nach wie vor der Verkehr, sagte Mayr. Hier sei in den vergangenen Jahren wenig Sichtbares passiert. Vor allem Schifftransporte und Kreuzfahrten stoßen viel Co2 aus.


Um die Klimaerwärmung zu stoppen und auch späteren Generationen einen bewohnbaren Planeten zu hinterlassen, gibt es einige Initiativen und Bestrebungen. Darunter auch aus der Wirtschaft. „Wir sind ein energieintensiver Industriebetrieb“, sagte Gerald Mayer, Vorstandsvorsitzender der Amag. Am Standort in Ranshofen braucht das Unternehmen ca. 750 Gigawattstunden jedes Jahr. Zwei Drittel Gas, ein Drittel Strom, ein kleiner Teil davon selbst produziert. Der Gasanteil soll auf erneuerbare Energien umgestellt werden, doch es gibt eine große Unsicherheit in der Versorgung. „Problem ist, dass es grünen Strom und Wasserstoff nicht ausreichend gibt und auch die Technologie teilweise noch nicht so weit ist“, sagte Mayer. Es gibt aber in der Amag einen Pfad zur Dekabonisierung, in dem definiert ist, dass bis 2040 alle Anlagen umgestellt werden. „Wir werden bis dahin einen dreistelligen Millionenbetrag ausgegeben haben, ohne dass wir ein Kilo mehr produziert haben“, sagte Mayer. „Auch das muss man sich ins Bewusstsein rufen.“ Er fordert Unterstützung vonseiten der Politik.


Diesen Punkt befürwortet Joachim Payr von der Energiewerkstatt (EWS) in Munderfing, auch wenn er in anderen mit dem Amag-Chef nicht übereinstimmte. Joachim Payr begleitet mit seinem Unternehmen seit fast 30 Jahren Projekte in der Alternativ-Energie-Szene im In- und Ausland. „Wir simulieren, wie die Zukunft sein soll: 2030 mit einer 100-prozentigen erneuerbaren Stromversorgung, 2040 mit Klimaneutralität. Für uns als Techniker geht es nicht mehr um das Wie, sondern um das Wann“, sagte Payr. Er sprach von einer fossilen Energiekrise, betonte aber, dass viel hinsichtlich erneuerbarer Energien geschehen sei: „Die technologischen Entwicklungen in den vergangenen sechs Jahren waren gewaltig.“ Die Stromentstehungskosten hätten sich durch Skalierung und Massenproduktion aus Windenergie und Photovoltaik extrem reduziert.

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