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Weitere Bohrung bei größter Geothermie Österreichs

Von Dieter Seitl   18.November 2015

Enorme Nachfrage: Weitere Bohrung bei größter Geothermie Österreichs
Energie-Ried-Geschäftsführer Helmut Binder (l.) und Siegfried Liebich

Die Nachfrage nach erneuerbarer Heizenergie aus tiefen Erdschichten ist so groß, dass die Geothermie Mehrnbach-Ried um eine Bohrung erweitert werden soll. 8,5 Millionen Euro sind dafür kalkuliert. Weite Teile Rieds und Teile Mehrnbachs werden mittels Geothermie versorgt, der Netzausbau läuft: Im Rahmen des behördlich angeordneten, dreijährigen Probebetriebs mit vorgeschriebenen Entnahmemengen werden derzeit 65 Liter pro Sekunde gefördert, im Jänner und Februar geht es an die Höchstlast von 75 Litern pro Sekunde.

Große Nachfrage zu bedienen

Selbst dies wird die große Nachfrage nicht bedienen können: Bereits jetzt sind so viele Firmen, Großgebäude, Wohnblöcke und Privathäuser am größten Geothermieprojekt Österreichs angeschlossen, dass 42 Millionen kW/h aufgebracht werden müssen. Im Rahmen des Probebetriebs mit festgesetzten Entnahmemengen muss mittels Gas zugeheizt werden – das Geothermienetz wird weiter ausgebaut, auch im Vollbetrieb würde die aktuelle Entnahmebohrung nicht ausreichen.

"Für die nächste Heizsaison 2016/17 sprechen wir von 65 Millionen kW/h. Wir sind vertriebsmäßig sehr gut unterwegs. Es gibt ein Griss um die Geothermie", sagt Energie-Ried-Geschäftsführer Helmut Binder auf OÖN-Anfrage.

Aus großer Tiefe wird mittels Entnahmebohrung Heißwasser gefördert und nach dem Wärmetausch mittels zweiter Bohrung wieder in die Tiefe verpresst. Im Rahmen des Probebetriebs wird festgestellt, ob die Rieder Geothermie bestehende andere Geothermien und Thermen, auch in Bayern, im Rahmen der unterirdischen Wasserschichten beeinflussen. Dies soll eine Messsonde bei Reichersberg anhand des Wasserspiegels zeigen – vermutlich bei "Volllast" im Februar. Wobei es um internationale Verträge geht, die eine negative Beeinflussung "untersagen".

An der derzeitigen Entnahmebohrung kommt das Wasser oben mit 87 Grad an, mit steigender Entnahmemenge im Jänner und Februar dürften es 90 Grad werden. Eine nun geplante, dritte Entnahmebohrung soll mit jener bereits bestehenden Bohrung unterirdisch "korrespondieren", bei der sich mit 107 Grad eine besonders hohe Wassertemperatur gezeigt hatte – in der aber derzeit verpresst statt entnommen werden muss, um andere Projekte nicht zu beeinflussen.

Kann dort mittels dritter Bohrung so entnommen und verpresst werden, dass sich in der Tiefe der Druck auf "gleicher Ebene" ausgleicht, wäre das aus Temperatursicht ein durchschlagender Erfolg. "So oder so. Die Nachfrage ist sehr groß. Wir werden eine dritte Bohrung brauchen", sagt Binder. Vorbehaltlich der erforderlichen Genehmigungen ist bereits eine Bohrstelle in Mehrnbach-Abstätten im Visier. "Von uns aus ist eine dritte Bohrung jedenfalls geplant. Das Projekt ist zur Ausschreibung per Anfang März vorbereitet. Geplant ist, ab November 2016 zu bohren."

120 Liter pro Sekunde denkbar

8,5 Millionen Euro sind dafür vorgesehen, inklusive Leitung zum Heizhaus, das sich ebenfalls in Mehrnbach befindet. Mit der neuen Bohrung ist auch eine leistungsfähigere Pumpe in der Dimension um 120 Liter Heißwasser pro Sekunde denkbar.

In die größte Geothermie Österreichs sind bereits 35 Millionen Euro investiert. Der Leitungsausbau wird vorangetrieben, im nächsten Jahr allerdings in kleinerem Stil. Jetzt gelte es, den benötigten "Nachschub" zu sichern.

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