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Innviertel

Schärdinger Innenstadt: "Sie hätte viel Potenzial"

Von Valentin Berghammer 06. Oktober 2019 12:04 Uhr

Schärdinger Innenstadt: "Sie hätte viel Potenzial"
Hat ihr Potenzial noch nicht voll ausgeschöpft: Die Schärdinger Innenstadt.

SCHÄRDING. Wie die Stadt für junge Unternehmer attraktiver werden kann – Selbstständige berichten über ihre Erfahrungen.

"Was der Schärdinger Innenstadt wirklich fehlt, ist ein Mix verschiedener Branchen", sagt Christian Armstark, Unternehmer aus Schärding. Der 35-Jährige war schon im elterlichen Betrieb und als Vertreter der Jungen Wirtschaft aktiv, ehe er sich 2014 mit seinem eigenen Innenarchitektur-Büro selbstständig machte. Daher kennt auch er – als gebürtiger "Innstädter" – die Probleme, die die Bezirkshauptstadt in puncto Attraktivität für junge Unternehmen hat.

Idee von Co-Working Spaces

Ein Versuch, diese zu steigern, wurde im Juli 2018 gestartet, als im Technologie- und Gründerzentrum (Techno-Z) sogenannte "Co-Working Spaces" entstanden – Arbeitsplätze die längerfristig, aber auch vorübergehend, für ein Projekt oder zeitlich befristet gemietet werden können. Damit soll Start-ups und Unternehmensgründern eine professionelle Infrastruktur geboten werden. Auf OÖN-Anfrage ist derzeit aber kein einziger Arbeitsplatz vergeben. Für Armstark, damals noch als Vertreter der Jungen Wirtschaft an der Aktion beteiligt, nur bedingt erklärbar, "da die Idee von ‘Co-Working Spaces’ in anderen Regionen in Oberösterreich gut funktioniert". Unternehmer würden aber bei der Gründung nicht als erstes an Schärding als Standort denken. Wichtig sei es daher Impulse zu setzen, um die Stadt für junge Wirtschaftstreibende interessanter zu gestalten.

Altbauten als große Chance

Christian Armstark hätte dafür auch konkrete Vorschläge: "Um die Innenstadt noch ruhiger und damit anziehender für Kunden zu gestalten ist die Idee einer Begegnungszone sicher keine schlechte." Damit könne man zwar weiterhin mit dem Auto in die Stadt kommen, der Verkehr würde sich aber aufgrund der Geschwindigkeitsminimierung beruhigen. Zudem sieht der Innenarchitekt auch in den Schärdinger Altbauten ein enormes Potenzial. Diese moderner zu gestalten, würde die Stadt – die laut Armstark ohnehin schon über eine tolle Lebensqualität verfügt – noch einmal auf eine andere Stufe heben.

"Ich überlege ernsthaft, hier eine Initiative zu starten", stellt der Schärdinger eine Aktion, um Leerstände zu bekämpfen, in Aussicht. Damit die beliebte Barockstadt zukünftig noch attraktiver wird – auch und vor allem für junge Unternehmen.

Nachgefragt bei....

... Maria Hofbauer, "Marias Nähstube"

Nähen mit und aus Leidenschaft

Seit 2014 betreibt Maria Hofbauer ihre „Nähstube“. Schon zuvor war sie mit ihrer Schneiderei in der Innenstadt beheimatet, der Verkauf war aber bis zum Umzug in St. Florian zu finden. „Die Zusammenlegung hat auf jeden Fall Sinn gemacht“, sagt Hofbauer, die am liebsten vor ihrer Nähmaschine sitzt: „Ich mache das Ganze, weil es mir einfach Spaß macht. Eigentlich wär ich ja schon in der Pension.“

Mit der Entwicklung ihres kleinen Ladens ist sie sehr zufrieden. „So ein Geschäft, wie das meine, gibt es in Schärding auf diese Art und Weise kein zweites Mal“, nennt Hofbauer einen Grund für ihren unternehmerischen Erfolg. In diesem Jahr sei ihr aber schon ein Rückgang an Besuchern in der Schärdinger Innenstadt aufgefallen. „Ich weiß von meinen Kunden, dass immer weniger Leute in die Stadt kommen, weil sie befürchten sehr schnell einen Strafzettel zu bekommen“, spricht Hofbauer die Parkraumüberwachung am Stadtplatz an. Hierbei müsse die Stadtgemeinde mehr Fingerspitzengefühl beweisen.

Das tut Maria Hofbauer auf jeden Fall, wenn sie für ihre Kunden Kleidung näht und zusammenflickt. Der Laden läuft gut. Weil es für sie keine Pflicht ist, sondern ihre Leidenschaft. Das spüren auch ihre Kunden, die die Arbeit von Hofbauer sehr schätzen.

...Thomas Jaud, „Dr. Green“

Zweiten Cannabis-Shop eröffnet

Für ein erfolgreiches Unternehmen braucht es eine gute Idee. Genau eine solche hatte Thomas Jaud, Geschäftsführer von „Dr.Green“, als er im Dezember 2016 seinen ersten Cannabis-Shop in St. Florian eröffnete. Dabei bekämpft der 31-Jährige auch das gängige Vorurteil, dass die Pflanze nur als Rauschmittel diene. „Ich bin ein Kämpfer für die Sache“, sagt Jaud. Er wolle ein Bewusstsein in der Bevölkerung schaffen, dass Hanf als medizinisches Mittel eine sehr gut funktionierende Alternative zur herkömmlichen Medizin biete. Zudem darf in Österreich die Cannabis-Pflanze zwar angebaut, jedoch nicht zum Blühen gebracht werden. Denn erst dann enthält sie THC, das beim Rauchen zu einem Rauschzustand führt.

Jaud spricht von einer positiven Entwicklung seines Unternehmens, es laufe besser wie erwartet. Rückschläge musste der Jung-Unternehmer aber trotzdem bereits verkraften: Ein Shop in der Rieder Innenstadt musste im diesjährigen Mai aufgelassen werden. Der Grund: „Zu wenig Frequenz“, so Jaud. Dies sei aber in der Schärdinger Innenstadt nicht der Fall. Daher wurde erst vor kurzem in der Innbruckstraße ein weiterer Shop errichtet. Damit kommt Thomas Jaud seinem Ziel wieder einen kleinen Schritt näher: „Wir wollen der größte Cannabis-Anbieter in Oberösterreich werden.“

...Dominik Radlinger, „Ink ´n´ Roll Tattoo“

Ganz besonderer Körperschmuck

Eine ruhige Hand und einen klaren Kopf – das benötigt Dominik Radlinger nicht nur, wenn er seiner täglichen Arbeit nachgeht. Auch bei der Führung seines Unternehmens bewies er dieses Geschick. Sein Tattoo-Studio „Ink ´n´ Roll Tattoo“ ist ein sehr erfolgreicher Betrieb und auch weit über die Grenzen von Schärding bekannt. Radlinger gibt sich aber bescheiden: „Als Dienstleister hat man es in der Stadt auf jeden Fall leichter. Ein Tattoo kann man sich schließlich nicht im Internet bestellen.“

Es gebe zwar auch in Schärding Konkurrenz, doch habe jeder Tätowierer seine eigene Handschrift. „Das ist wie beim Essen. Jeder geht halt dorthin, wo es ihm am besten gefällt.“ Dass sein Studio nicht am besser frequentierten Stadtplatz, sondern in der benachbarten Lamprechtstraße liegt, ist für Dominik Radlinger ebenso kein Problem: „Ich bin sogar froh, dass ich in einer kleineren, ruhigeren Nebenstraße bin.“ Natürlich sei Laufkundschaft an sich nicht schlecht. Der Rieder nimmt sich aber lieber Zeit für seine Kunden und baut auf das Modell der Terminvergabe. Außerdem sei es immer von verschiedenen Faktoren abhängig, ob ein Tattoo in einer oder mehreren Sitzungen gestaltet werden kann.
Für Dominik Radlinger hat sich der Schritt in die Stadt auf jeden Fall ausgezahlt: Will man einen Termin beim beliebten Tätowierer vereinbaren, so muss mit einer Wartezeit von zehn bis zwölf Monaten gerechnet werden.

...Lukas Kienbauer, "Lukas Restaurant & Steak"

Haubenlokal und Steakhouse

Für ihn hat sich der Schritt in die Innenstadt im wahrsten Sinne des Wortes ausgezahlt: Lukas Kienbauer ist mit seinem Haubenrestaurant „Lukas“ am unteren Stadtplatz weitum bekannt und beliebt. 2018 kam auch noch sein zweites Restaurant „Lukas Steak“ am Oberen Stadtplatz hinzu.

Vor allem dort habe sich das Lokal in der Stadt ausgezahlt, so Kienbauer: „Das Steak-Restaurant eignet sich sehr gut für spontane Besuche, da ist die Lage am Stadtplatz natürlich optimal.“ Das „ältere“ Restaurant laufe dagegen unabhängig vom Standort sehr gut, da die Gäste hauptsächlich aufgrund des ausgezeichneten Rufs des Lokals kommen. Der 28-jährige Haubenkoch hebt aber den Doppelpass, der dabei mit dem Tourismus in Schärding gespielt wird, hervor: „Viele auswärtige Gäste verbinden einen Besuch bei uns mit einer Übernachtung, um den Abend in vollen Zügen genießen zu können“. Lukas Kienbauer fällt aber auf, dass dies die einheimische Jugend in der Innenstadt immer weniger tut. „Die Nachtlokale in Schärding werden nicht mehr in der Häufigkeit wie früher besucht.“ Der Koch vermutet, dass sich der Anspruch der Jugend verändert habe, die sich nach mehr Party und besonderen Events sehne, „wo sie dann auch etwas in den sozialen Netzwerken präsentieren können“.

...Eva Hargassner, "Matilda - Tante-Emma-Laden"

Kreativer „Tante- Emma-Laden“

„Neben all den Handwerksgeschäften wollte ich der Straße einen kreativen Touch verleihen“, nennt Eva Hargassner einen ihrer Gründe, wieso sie sich für die Eröffnung eines kreativen „Tante-Emma-Ladens“ in der Lamprechtstraße entschieden hat. Seit April 2018 gibt es bei „Matilda“ verschiedene Kisten zu mieten, die Bastlern und kreativen Köpfen eine lokale Fläche bieten, um ihre selbst hergestellten Produkte zu präsentieren. Zudem bietet Hargassner verschiedene Schmankerl zum Verköstigen an.

Ihrer Prämisse, die Schärdinger Stadt weiterhin zu beleben, kommt sie mit ihrem erfolgreichen Konzept sehr gut nach. „Ich möchte das sogenannte ‘Sterben‘ der Innenstadt vermeiden und dagegen aktiv etwas tun“, sagt die junge Unternehmerin. Ihr sei es ein Anliegen diese zu beleben und weiterzuentwickeln. Ganz alleine gehe das natürlich nicht: „Die Stadtgemeinde bzw. der Tourismusverband legt den Fokus hauptsächlich auf unsere Gastronomie. Dass es in Schärding aber auch tolle Handelsgeschäfte gibt, wird viel zu wenig beworben.“ Eva Hargassner spricht vor allem die vielen, schönen Nebenstraßen an, die es in der Barockstadt zu sehen gibt. „Schärding hat viel mehr als nur den Stadtplatz zu bieten. Auch in den lieben, kleinen Gassen gibt es so viel zu entdecken.“

 

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