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Viel Mut zur Wahrheit: „Ich wurde sexuell missbraucht!“

RIED. Nach Jahrzehnten des Schweigens und Unterdrückens beschreibt ein Opfer sexueller Gewalt in einem Buch seinen Lebensweg. Dazu kommt das öffentliche Eingeständnis, an Parkinson zu leiden.

Viel Mut zur Wahrheit: „Ich wurde sexuell missbraucht!“

Mit dem Buch »Barrieren.FREI« hat Wolfgang Pirker nach Jahrzehnten sein Schweigen gebrochen. Bild: Rabe

Am letzten Samstag hat für Wolfgang Pirker, 57, ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Er hat die letzte Barriere überwunden, die er seit Kindestagen nicht überwinden konnte.

„Ich wurde als Kind sexuell missbraucht, es geschah in der eigenen Familie, es war mein Schwager, der katholischer als der Pfarrer war, aber es passierte auch in kirchlichen Kreisen“, sagt er.

Buch als Befreiungsschlag

Im Saal des Jagerwirtes in Gobrechtsham ist es still, die Atmosphäre emotional, menschlich und tief berührend. Pirker hat seinen Befreiungsschlag in Form des Buches mit dem Titel „Barrieren.FREI – Reden über sexuelle Gewalt und Morbus Parkinson“ präsentiert.

Sein öffentliches Bekenntnis zur unheilbaren Krankheit ist der zweite Schwerpunkt in seinem authentischen Buch. Die Diagnose bekam er vor zehn Jahren. Aber er berichtet auch Heiteres aus seiner Jugendzeit, man kann über so manche Episode auch schmunzeln. Trotzdem, das Buch beweist viel Mut zur Wahrheit. Und die Wahrheit ist zumutbar, heißt es immer wieder.

Wer ist Wolfgang Pirker? Erst einmal eine große Persönlichkeit, die nie den einfachen Weg gegangen ist. Unbequem ist er sicher auch. Als erster Stadtrat der Österreich-Grünen saß der gebürtige Kärntner im Rieder Stadtparlament. Der studierte und promovierte Geograph war lange Jahre Lehrer an der Hauptschule Waldzell.

Bis zu seiner Pensionierung, die ihm vor Augen führte: Ich kann nicht mehr unterrichten, ich muss mit meiner Krankheit leben. Er beschreibt in seinem Buch ausführlich seine Erfahrungen mit Ärzten, positive und negative.

Nicht beliebt gemacht

„Ich bin überzeugt, dass die Schulmedizin und die ganzheitliche Medizin wichtig sind“, sagt er. Wer Pirker kennt, weiß, dass er keine halbe Sachen macht. Er hat sich mit seiner Krankheit intensiv auseinander gesetzt. Er weiß, dass auch psycho-soziale Faktoren bei Parkinson bedeutend sind. Er hat sich vernetzt und ist zum Spezialisten seiner Krankheit geworden. Er rechnet auch mit der 2-Minuten-Medizin ab und erzählt, wie er von Ärzten behandelt wurde. Er, der sich fragen traute, der hinterfragte – und sich so nicht gerade beliebt machte.

Prominente Unterstützung zu seinem Schritt in die Öffentlichkeit fand er bei Ärztinnen, bei Experten, die er im Zuge seiner Recherchen über die Krankheit kennenlernte. So auch bei Josef Hartmann, der 1995 durch sein Outing eine große Krise in der katholischen Kirche auslöste. Stichwort: Groer.

Und dann natürlich bei seiner Frau Margarita, in der er seine große Liebe und Stütze gefunden hat.

 

Das Buch gibt es im Rieder Buchhandel und unter ISBN 978-3-902157-84-3.

Pirker ist unter pirker.wm06@aon.at zu erreichen.

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Artikel Gerd Rabe 31. März 2011 - 00:04 Uhr
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