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„Jugend glaubt heute anders als früher“

KIRCHHEIM, WIPPENHAM, POLLING. Alois Parzmair sorgt für die Seelen in drei Gemeinden – Jugend bereitet ihm keine Sorgen.

Pater nimmt Problem der Kirche gelassen „Jugend glaubt heute anders als früher“

Pater Parzmair betreut die Pfarren Kirchheim, Wippenham und Polling. Bild: privat

Nach dem überraschenden Tod von Pfarrer Tadeusz Kondrowski im November des Vorjahres wurde Pater Alois Parzmair, ein gebürtiger Reichersberger, als Seelsorger bestellt. Warum seine Arbeit wahrscheinlich schon im August endet, welche Beziehung er zum Innviertel pflegt und warum er sich um die Jugend weniger Sorgen macht als viele seiner Kollegen, erzählt der 71-Jährige im Volkszeitungs-Interview. Besonders auffällig ist seine Bekleidung.

 

Volkszeitung: Pater Parzmair, vor meinem Treffen habe ich Sie mir im Ordensgewand oder in einem Collarhemd vorgestellt. Zu meiner Verwunderung tragen Sie jedoch Ihre Privatkleidung.

Pater Parzmair: Das verwundert viele. Man stellt sich einen Mönch immer wie im Film vor, jedoch muss ich sie enttäuschen. Tagsüber tragen wir unsere private Kleidung. Nur bei liturgischen Feiern schlüpfen wir in unser Ordensgewand.

Sie gehören dem Orden der Redemptoristen in Maria Puchheim an. Momentan haben Sie Ihren Sitz nach Kirchheim verlagert?

Die Distanz Kirchheim und Puchheim ist einfach zu groß. Außerdem genieße ich gerade das Leben in einem Pfarrhaus. Im Gegensatz zur Ordensgemeinschaft verbringe ich hier meine Zeit großteils alleine. Außerdem war der Anfang in den drei Gemeinden herausfordernd.

Wie ist es dazu gekommen, dass Sie nun Pfarrprovisor dreier Gemeinden sind?

Die Diözese Linz ist an mich herangetreten und hat mich gebeten, die drei Gemeinden vorläufig zu betreuen.

Wie geht es danach weiter?

Drei Gemeinden zu betreuen ist gewiss eine Herausforderung. Bis zum Sommer werde ich mir alles genau anschauen und erst dann eine Entscheidung treffen.

Wie wir alle wissen, wird die Situation der Pfarren nicht besser. Viele Pfarren teilen sich Priester und Seelsorger. Wird die Arbeit eines Pfarrers künftig von anderen Geistlichen übernommen?

Natürlich helfen wir aus, wenn ein Pfarrer in einer Gemeinde gestorben oder erkrankt ist. Das Problem ist aber, dass Klöster auch zu wenig Leute haben. Da müssen andere Lösungen her.

Etwa ein Seelsorgeteam, wie Pfarrer Kondrowski vor einigen Jahren ins Leben rief?

Das Seelsorgeteam in Kirchheim und Wippenham leistet hervorragende Arbeit. Die Mitglieder sind einen guten Weg gegangen. Sie gestalten nicht nur selbstständig liturgische Feiern, sie bringen sich auch aktiv in die Messe ein. So ein Seelsorgeteam ist etwas Besonderes. In der heutigen Zeit sind solche Strukturen unerlässlich, denn die Priester werden oft nicht mehr nachbesetzt.

Eine weitere Baustelle der Kirche in unseren Breitengraden ist der Abgang vieler Jugendlicher. Wie beurteilen Sie dieses Problem?

Dass die Jugend mit der Kirche Probleme hat, ist kein Geheimnis. Mir fällt aber auch auf, dass viele Jugendliche die Kirche aktiv mitgestalten wollen. Sie sind sehr wohl gläubig, aber auf eine andere Art.

Wie meinen Sie das?

Viele junge Leute arbeiten im sozialen Bereich, freiwillig und beruflich. Sie gehen sorgsam mit der Schöpfung um und kümmern sich um beeinträchtigtes Leben. Das ist auch eine Form von Glauben. Die Jugend glaubt halt anders als früher. Junge Menschen finden den Zugang zur Kirche jedoch nicht, wenn wir ihnen sagen, dass sie am Sonntag den Gottesdienst besuchen sollen.

Wie war Ihre Jugend?

Nach meiner Lehre als Maschinenschlosser bei der Firma Dattenböck habe ich in Horn (Niederösterreich) ein Gymnasium besucht und die Matura nachgeholt.

Wann haben Sie dann den Weg zu Gott eingeschlagen?

Da meine Eltern nicht vermögend waren und ein Internat zu teuer gekommen wäre, bin ich nach Eggenburg ins Kloster. Dort hatte ich den ersten Kontakt mit den Redemptoristen. Das überzeugte mich und ich begann ein Theologiestudium in Mautern (Steiermark) und Innsbruck. Im Jahr 1971 wurde ich geweiht.

Empfindet man die Zeit im Kloster als Jugendlicher nicht als langweilig?

Nein, ganz und gar nicht. Sie ist sehr abwechslungsreich. Ich war ja nicht alleine. Die Zeit vertreibt man sich aber nicht nur mit Beten. Wir haben auch Fußball gespielt, waren Bergsteigen und Skifahren.

Wie gehen Sie damit um, Seelentröster von vielen Gläubigen zu sein?

Viele glauben das bestimmt nicht, aber es ist ein Geschenk für uns, wenn sich Leute uns anvertrauen und öffnen. Dann erhalten wir auch die Bestätigung, dass der eingeschlagene Weg gut ist.

 

Auszeichnungen    

Diözesanbischof Ludwig Schwarz verlieh folgende bischöfliche Auszeichungen an Seelsorger im Bezirk Ried: John Umeojiakor, Pfarrprovisor in Aurolzmünster und Pfarrmoderator in Mehrnbach, wurde zum „Geistlichen Rat“ ernannt. Stanislaus Bedrowski, Pfarradministrator in Schildorn und Waldzell, wurde „Konsistorialrat.“

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Artikel Valentina Dirmaier 31. Januar 2013 - 00:04 Uhr
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