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Innviertel

Julias Welt in Schwarz-Weiß

Von Elisabeth Ertl  05. August 2021 16:04 Uhr

Julias Welt in Schwarz-Weiß
Anfang Juli wechselte die 22-jährige Julia Dürnberger von Landesligist Dorf an der Pram zum LASK, der erstmals mit einer eigenen Frauenmannschaft die Saison in der OÖ Liga Frauen bestreiten wird.

DORF AN DER PRAM.Julia Dürnberger (22) aus Dorf an der Pram hat einen Vertrag beim LASK unterschrieben.

Es sind Tränen geflossen, als Kapitänin Julia Dürnberger ihren ehemaligen Mannschaftskollegeinnen aus Dorf an der Pram mitgeteilt hat, dass sie die Saison 2021/22 für die neu gegründete Frauenmannschaft des LASK bestreiten wird. Fünf Tage lang hat die 22-Jährige nach dem Angebot von LASK-Trainerin Lisa Alzner überlegt, sich mit ihrer Familie (vor allem mit Bruder Josef) besprochen und dann ihre Entscheidung für den Wechsel zu den Schwarz-Weißen getroffen. "Der Abschied aus Dorf ist mir schwergefallen, aber diese Chance muss ich einfach nutzen. Andernfalls würde ich mich irgendwann sicher ärgern", ist Julia Dürnberger überzeugt. Für die Chance und das Ziel, in ein paar Jahren in der Bundesliga zu spielen, nimmt die Innviertlerin auch den langen Anfahrtsweg zu den Trainings in Kauf. Dabei ist sie nicht alleine, denn mit der 17-jährigen Isabell Schneiderbauer (St. Marienkirchen bei Schärding) hat der LASK eine weitere Innviertlerin verpflichtet.

Kampf ums Leiberl

Für beide wird es eine spannende Saison in der OÖ Liga Frauen, denn das Ziel der Athletikerinnen ist klar: Bereits 2022 soll der Aufstieg in die zweite Bundesliga gelingen. Bei der Umsetzung will Rechtsfuß Julia Dürnberger, die im offensiven Mittelfeld die Fäden zieht, tatkräftig mithelfen. "Sofern ich mir einen Stammplatz erarbeiten kann. Das ist mein persönliches Ziel für diese Saison. Ein Spaziergang wird das nicht, denn wir haben mit 23 Spielerinnen nicht nur einen großen, sondern auch einen hochkarätigen Kader", sagt die gelernte Bürokauffrau. Sie kommt allerdings mit schlagkräftigen Argumenten nach Linz: 2018/19 wurde sie mit 30 Treffern Torschützenkönigin der Frauenklasse OÖ Süd/West. Außerdem besticht die Dorferin mit ihrer Schnelligkeit, der Zweikampfstärke und ihrem Ehrgeiz.

Julias Welt in Schwarz-Weiß

Eigenschaften, die auch Trainerin Lisa Alzner nicht verborgen geblieben sind. Darum stand Julia Dürnberger bereits beim Testspiel gegen Altmünster von Beginn an auf dem Feld. Nicht nur weil die Linzerinnen 2:0 gewonnen haben, wird dieses Match der Innviertlerin noch lange im Gedächtnis bleiben. "Uns haben 600 Leute im Stadion zugeschaut, darunter gestandene LASK-Fans. Ich hatte Gänsehaut, weil ich nie zuvor vor so vielen Menschen gespielt habe", sagt Dürnberger, die hofft, dass sich dieses Erlebnis wiederholen wird. "Es gibt leider noch immer einige, die dem Frauenfußball mit Vorurteilen begegnenen. Diese Menschen sollen sich einfach mal ein Spiel anschauen. Dann werden sie schnell merken, dass wir nicht nur gut, sondern auch hart im Nehmen sind. Wir sind nicht so wehleidig wie viele Männer. Wenn bei uns eine liegen bleibt, dann hat es wirklich was."

Nicht nur von den LASK-Fans, auch vom Umfeld ist die 22-Jährige begeistert. "Wenn wir zum Training kommen, dann liegt unser Zeug schon im Spint. Vor einem Spiel hängen die Trikots frisch gewaschen auf unserem Platz, wir haben eigene Trinkflaschen und eine Physiotherapeutin. Außerdem dürfen wir die Kraftkammer der Männer nutzen. Das hat keine von uns vorher gekannt. Für uns ist das der absolute Luxus", sagt Julia Dürnberger. Ungeachtet der Annehmlichkeiten dürfe sie nicht darüber nachdenken, was männliche Fußballer auf diesem Niveau verdienen. "Ich hoffe einfach, dass es irgendwann besser wird."

Julias Welt in Schwarz-Weiß

Immer besser wurde jedenfalls sie selbst, seit Dürnberger 2014 beim SV Riedau mit dem Fußballspielen begann. Davor hatte sie zwar mit ihrem Bruder im Garten gekickt, doch erst eine Freundin brachte sie zum Verein. Ihrem damaligen Trainer Omer Tarabic habe sie viel zu verdanken – unter anderem den Spitznamen "Düsi", der sich auch beim LASK durchgesetzt hat. "Düsi" werden auch ihr Bruder Josef und der Papa genannt. Neben ihrem Spitznamen verbindet die drei Dürnbergers ihre Liebe zum Fußball. "Wenn es sich irgendwie ausgeht, dann schauen meine Familie und ich mir jedes Spiel von Josef an. Umgekehrt ist es genauso, auch wenn es in Zukunft etwas schwieriger wird", sagt die Dorferin, "aber das ist alles eine Sache der richtigen Planung".

Wenn ihr neben dem vielen Training, den Spielen und der Arbeit als Bürokauffrau noch Zeit bleibt, verbringt Julia Dürnberger sie am liebsten mit ihren ehemaligen Mannschaftskolleginnen und Freundinnen aus der Heimat. "Wir sind täglich in Kontakt, gehen gemeinsam essen oder fort. Solche Dinge müssen einfach drin sein." "Drin" ist außerdem ihre Arbeit als Bambini-Trainerin in Dorf an der Pram. Dort kümmert sie sich als Teil des Trainerteams um 20 Vier- bis Sechsjährige, die Hälfte davon Mädchen, die mit Julia Dürnberger das perfekte Vorbild haben.

Artikel von

Elisabeth Ertl

Lokalredakteurin Innviertel

Elisabeth Ertl
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