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Innviertel

"Jede gute Idee, egal von wem, muss Gehör finden"

Von Thomas Streif  25. November 2021 06:15 Uhr

"Jede gute Idee, egal von wem, muss Gehör finden"
Rieds neuer Bürgermeister Bernhard Zwielehner bezog am vergangenen Freitag sein Büro im Rathaus.

RIED. Interview: Seit einer Woche ist Rieds neuer Stadtchef Bernhard Zwielehner im Amt

Heute vor einer Woche wurde Rieds neuer ÖVP-Bürgermeister Bernhard Zwielehner angelobt. Den OÖN gab der 45-Jährige, der verheiratet und Vater von drei Söhnen ist, gestern sein erstes ausführliches Interview als frischgebackener Stadtchef.

OÖN: Sie waren erfolgreich in der Privatwirtschaft tätig und gehen mit wenig politischer Erfahrung in das Amt des Rieder Bürgermeisters. Warum wollten Sie diesen Schritt setzen?

Bernhard Zwielehner: Ich durfte ein super Schulsystem in Anspruch nehmen, habe eine interessante Lehre gemacht und hatte die Möglichkeit, zu studieren. Es mag vielleicht abgedroschen klingen, aber ich will der Gesellschaft etwas zurückgeben, und ich glaube, als Bürgermeister meiner jetzigen Heimatstadt kann ich das. Ich war jahrzehntelang in Vereinen aktiv, die Gemeinschaft war mir immer wichtig.

Sie würden in der Privatwirtschaft wohl deutlich besser verdienen.

Das mit Sicherheit, aber das Bürgermeistergehalt (rund 7800 Euro brutto, Anm. d. Red.) ist angemessen für die Aufgabe, es geht mir nicht darum, möglichst viel zu verdienen, darum ist es mir noch nie gegangen. Ich will meinen Teil dazu beitragen, dass Ried und das Innviertel noch lebenswerter werden. Dazu soll es auch ein "Regionalparlament Innviertel" mit allen Nationalrats-, Landtags- und Bundesratsabgeordneten unserer drei Bezirke geben. Ziel muss sein, dass wir uns gemeinsam als eine starke Region Innviertel präsentieren.

Ihr Vorgänger Albert Ortig ist der Angelobung vergangene Woche ferngeblieben. Wie denken Sie darüber?

Darauf will ich nicht näher eingehen. Ich danke Albert Ortig für seine Arbeit in den vielen Jahren. Die Angelobung mit den anderen Parteien haben wir auch so gut über die Bühne gebracht. Ich, die tollen Mitarbeiter der Stadtgemeinde und meine politischen Mitbewerber werden unseren eigenen Weg gehen. Diesen will ich gemeinsam gehen, jede gute Idee, egal von wem, muss Gehör finden.

Nach einem durchaus – vor allem von der SPÖ – hart geführten Wahlkampf sind die Verhandlungen in den vergangenen Wochen harmonisch verlaufen.

Die SPÖ hat am Abend nach der Wahl gesagt, dass man einen gemeinsamen Weg für das Wohle der Stadt gehen will. Genau so ist es gekommen, dafür möchte ich mich bedanken. Das Gesprächsklima ist ausgezeichnet, in so schweren Zeiten wie diesen ist Zusammenhalt noch wichtiger als sonst.

Video: Rieds neuer Bürgermeister Bernhard Zwielehner

Welche Projekte sollen in den kommenden Jahren wesentlich vorangetrieben werden?

In den kommenden Monaten werden wir – mit externer Unterstützung – ein Konzept für die zukünftige Planung der Stadt erarbeiten. Die Umsetzung wird auf drei Säulen basieren: Bürgerbeteiligung, Konsens innerhalb der politischen Parteien und natürlich wollen wir auf die Erfahrung der eigenen Verwaltungsmitarbeiter zurückgreifen. All das wird Teil des neuen Stadtentwicklungsausschusses sein, in dem alle führenden Politiker der anderen Parteien eingebunden sind.

Wie sieht es mit den Umsetzungsplänen für den neuen Rieder Bahnhof aus?

Wir beteiligen uns bei den Kosten für die ersten Vorpläne, die jetzt starten. Daher hoffe ich, dass 2025 mit dem Neubau dieser wichtigsten Verkehrsdrehscheibe im Innviertel begonnen werden kann. Gute Lösungen für die Anbindung der Stadtteile Auleiten und Wegleiten sind dabei natürlich sehr wesentlich. Die Gesprächsbasis und die Zusammenarbeit mit den ÖBB sind sehr gut. Daher bin ich für die Umsetzung dieses wichtigen Projektes sehr zuversichtlich.

Wie ist der aktuelle Ermittlungsstand in der Causa Energie Ried?

Ich befinde mich in Gesprächen mit den beiden Geschäftsführern. Unbestritten ist, dass diese mutmaßlichen Delikte die Stadt in die wohl schwierigste Phase seit Jahrzehnten gebracht haben. Die Auswirkungen des möglichen Kriminalfalls könnten große, fast schon existenzielle Auswirkungen auf zukünftige Stadtbudgets haben, schließlich ist die Energie Ried zu 100 Prozent im Eigentum der Stadt. Bei einem sehr wahrscheinlichen Gerichtsprozess wird es für die Stadt Ried um richtig viel Geld gehen.

Wer wird neuer Aufsichtsratsvorsitzender der Energie Ried? Der Name Lukas Oberwagner, Stadtrat der Grünen, war zu hören.

In einem Arbeitsübereinkommen der Parteien wurde vereinbart, Lukas Oberwagner zum Aufsichtsratsvorsitzenden zu wählen.

Könnte der Fall Energie Ried auch Auswirkungen auf die Zukunft der Rieder Messe haben?

Grundsätzlich nicht, weil die Messe ein eigenständiges Unternehmen, wenn auch im Besitz der Stadt, ist. Die Messe ist für die Stadt ein Leuchtturm und bei Direktor Helmut Slezak, der ausgezeichnete Arbeit leistet, in besten Händen. Wir werden in der Messe, wie auch bei der Energie Ried und der Stadtgemeinde, einen Strategieprozess für die Zukunftsausrichtung starten.

Welche Auswirkungen hat die Coronakrise für die Stadt Ried?

Wir sind leider in einer ganz großen Krisensituation, die Lage im Spital ist äußerst angespannt. Was zählt, ist der Zusammenhalt, nicht nur in der Politik, sondern vor allem in der Gesellschaft.

Sie haben im Wahlkampf mehrfach gesagt, ein "Schwarzer" zu sein. Was heißt das konkret?

Als "Türkisen" habe ich mich nie gesehen, das habe ich schon im März gesagt. Christlich-soziale Werte sind mir enorm wichtig, das soll man auch in Ried spüren. So werden wir z. B. die Weihnachtsunterstützung für sozial Bedürftige um 100 Euro pro Person aufstocken.

Artikel von

Thomas Streif

Lokalredakteur Innviertel

Thomas Streif
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