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Innviertel

Illegale Müllentsorgung: "Seit Corona ist das wirklich extrem geworden"

Von Magdalena Lagetar  15. April 2021 06:15 Uhr

Illegale Müllentsorgung: "Seit Corona ist das wirklich extrem geworden"
Mehrere Müllsäcke, sogar Reifen und ein Lattenrost wurden in Schalchen achtlos im Straßengraben entsorgt.

BEZIRK BRAUNAU. Restmüll am Straßen- und Bachrand: In Schalchen leider keine Ausnahmeerscheinung

Im Durchschnitt alle 14 Tage ein halber Kipper voll – so viel Müll wird in der Gemeinde Schalchen laut SP-Bürgermeister Andreas Stuhlberger (Bild) am Straßen- und Bachrand gefunden. "Das ist leider kein neues Problem, aber seit Corona ist das wirklich extrem geworden", sagt der Ortschef. Auch Munderfing kämpft mit demselben Problem. Unverschämt sind die Müllentsorger geworden, gleich mehrere randvolle Säcke Restmüll schmeißen sie achtlos im Gemeindegebiet weg. Am häufigsten direkt von der Straße in den angrenzenden Wald oder in den Bach. "Einmal hatten wir sogar ein Sackerl voll mit PET-Flaschen. Das heißt, die haben den Müll zwar da getrennt und ihn trotzdem einfach weggeschmissen", wundert sich Stuhlberger. Öfter schon wurden Adressen in den Müllsäcken gefunden und damit Anzeigen erstattet, das Problem aber verschwand nicht. "Kameras darf man ja nicht aufstellen, also fahren wir verstärkt zu den Plätzen hin und beobachten. Dann verlagert sich das Problem aber auf andere Stellen", sagt Stuhlberger.

Adressen in den Säcken

Auch die Anrainer hätten sich schon auf die Lauer gelegt. "Ein Auto ohne Kennzeichen ist ihnen aufgefallen", berichtet der Bürgermeister. Mehrmals wurde schon Anzeige erstattet. Er kann sich nicht erklären, warum der Restmüll nicht einfach fachgerecht entsorgt wird. "Die müssen ja auch eine Restmülltonne haben", betont er. Auffällig sei, dass die in den Säcken gefundenen Adressen aus anderen Gemeinden stammen, das heißt, dass die Übeltäter den Müll aus der eigenen Gemeinde wegfahren. Ein Problem, das auch Maria Schmollns Bürgermeister Norbert Heller (VP) kannte. Wie in der Warte berichtet, wurden auch im Kindstal mehrere Kilo Restmüll einfach achtlos entsorgt. "Es ist aber ruhiger geworden, seit wir letztens die Adressen herausgefunden haben", sagt der Bürgermeister auf Anfrage und betont den Wunsch, dass das auch so bleibt.

Hohe Strafen drohen

Den unverschämten Müllentsorgern drohen – am besten auf frischer Tat ertappt – hohe Strafen. Laut Abfallwirtschaftsgesetz liegt der Strafrahmen, wenn es sich um nicht gefährliche Stoffe handelt, zwischen mindestens 450 bis 8400 Euro. Werden gefährliche Stoffe, wie zum Beispiel Altöl oder Kühlschränke mit Kühlmittel, nicht sachgemäß entsorgt, liegen die Strafen bei mindestens 850 bis zu mehr als 41.000 Euro. "Wird der Müll im Wald deponiert, dann spricht man von einer Waldverwüstung, die nach dem Forstgesetz geahndet wird", sagt Raimund Schwarzmayr von der Bezirkshauptmannschaft Braunau, die Warte berichtete. Datum, Uhrzeit, Kennzeichen und der genaue Ort helfen die Täter ausfindig zu machen, die man bei der illegalen Müllentsorgung beobachtet hat.

"Kostet uns rund drei Millionen Euro"
Roland Wohlmuth

„Kostet uns rund drei Millionen Euro“

Die Verschmutzung ist bundesweit nach wie vor da, die Müllmengen in den Straßen werden nicht weniger. Ernüchternd spricht Roland Wohlmuth, Vorsitzender des oö. Landesabfallverbandes und Bürgermeister von Brunnenthal über das sogenannte Littering, also das achtlose Wegwerfen von Müll auf Straßen und Wiesen. Rund drei Millionen Euro pro Jahr werden für die Reinigung von Straßen und öffentlichen Plätzen investiert, hinzu kommt der finanzielle Aufwand der Gemeinden und die viele, nicht bezahlte Arbeit von Ehrenamtlichen. Volkswirtschaftlich hochgerechnet spricht er für Österreich von bis zu 100 Millionen Euro, wenn man alles zusammenzählen würde.

Wichtig: Hui-statt-Pfui-Aktion

Dankbar ist er allen, die bei den Flurreinigungsaktionen mitmachen. Heuer sei die Beteiligung besonders hoch – viele Kleingruppen spazieren unter Wahrung der Coronamaßnahmen durch ihre Gemeinde und sammeln Tonnen an Müll ein. „60 Prozent des gesammelten Mülls sind Getränkeverpackungen, also PET-Flaschen, Blechdosen, Tetrapak. Dann folgen Zigarettenstummel und -Verpackungen. Lauter Materialien, die sehr lange zum Verrotten brauchen würden“, betont Wohlmuth. Er setzt sich daher stark für ein österreichweites Pfand-System ein, das würde diesem Müllberg stark entgegenwirken. „Wir sehen das ja, Pfand-Glasflaschen werden nie so viele gesammelt.“

Eine Salzburger Studie zeigt, dass ein jedes Stück Müll, das achtlos weggeworfen wird und das danach einer aufsammelt und entsorgt im Durchschnitt 55 Cent kostet. Die (ehrenamtlichen) Müllsammler, so Wohlmuth, seien ein gutes Vorbild für all jene, die aus Ignoranz und Dummheit ihren Abfall einfach achtlos wegwerfen. „Volkswirtschaftlich helfen diese Menschen uns massiv und sie halten auch die Umwelt sauber“, betont und lobt der Brunnenthaler. Auch mit der Landwirtschaftskammer und der Landjugend sei man in regem Austausch, denn die Abfälle werden auch in Wiesen geworfen oder vom Wind dort hingeblasen. „Das kann für die Tiere schädlich sein, sie können sich verletzen oder sogar verenden“, verdeutlicht Wohlmuth und dankt allen, die sich an die Regeln halten.

Artikel von

Magdalena Lagetar

Lokalredakteurin Innviertel

Magdalena Lagetar
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