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Innviertel

Geflohene aus der Ukraine und Russland sind in der Küche ein Team

Von Thomas Streif  16. Mai 2022 01:23 Uhr

Geflohene aus der Ukraine und Russland sind in der Küche ein Team
Arbeiten gemeinsam in der Tafelspitz-Nudelkuchl-Küche in Braunau: Mustafa (22), Kristine (47) und Armine (44)

BRAUNAU. Braunauer Gastronom Jochen Reumüller beschäftigt Mitarbeiter aus sieben Nationen.

"Wir suchen seit längerem sowohl für das Service als auch die Küche dringend Personal. Auf unsere Job-Inserate beim AMS meldet sich niemand, es gibt einfach keine Bewerbungen", sagt Jochen Reumüller. Der Braunauer ist Geschäftsführer des Restaurants Tafelspitz-Nudelkuchl am Stadtplatz. Vor einigen Wochen nahm eine Rotkreuz-Mitarbeiterin Kontakt zum Gastronomen auf. "Sie hat mich gefragt, ob wir jemanden für die Küche benötigen, weil zwei Damen, die vor dem Krieg in der Ukraine geflohen sind, eine Arbeitsstelle suchen", sagt Reumüller im OÖN-Gespräch.

Dass er in der Küche bereits seit rund einem Jahr einen russischen Koch angestellt hat, machte die Sache allerdings etwas kompliziert, aber nur kurz. "Ich habe ihn vorher gefragt, ob er damit einverstanden wäre, wenn zwei aus der Ukraine geflohene Frauen bei uns in der Küche anfangen würden. Er hat sofort gesagt, dass das für ihn überhaupt kein Problem ist", sagt Reumüller.

Geflohene aus der Ukraine und Russland sind in der Küche ein Team
Jochen Reumüller, Geschäftsführer Tafelspitz-Nudelkuchl

Auch Mustafa musste fliehen

Ein Schicksal eint Kristine (47), Armine (44) und den 22-jährigen Mustafa – die Flucht. Mustafa stammt aus der autonomen Republik Inguschetien im Süden Russlands und ist Moslem. "Er ist schon zwei Mal aus Russland geflohen, seit rund einem Jahr arbeitet er bei uns in der Küche. Wir sind sehr zufrieden mit ihm", sagt Reumüller, der in seinem Betrieb mittlerweile neun Angestellte aus sieben Nationen beschäftigt.

Am vergangenen Mittwoch hatten die beiden aus der Ukraine vertriebenen Frauen ihren ersten Arbeitstag. "Beide sind sehr engagiert und wollen genau wissen, wie alles funktioniert. Entlohnt werden sie natürlich nach demselben Lohnschema wie alle unsere anderen Mitarbeiter. Jetzt ist es wichtig, dass die beiden rasch einen Deutschkurs besuchen können. Ich hoffe, dass dabei weniger bürokratische Hürden als bei der Beschaffung der Arbeitsbewilligung zu nehmen sind", sagt Reumüller, der über die personelle Verstärkung heilfroh ist: "Wenn wir jetzt nicht jemanden gefunden hätten, dann hätten wir mindestens eineinhalb Tage pro Woche zusperren müssen. Derzeit haben wir an allen sieben Tagen geöffnet. Es ist ein Wahnsinn. Einen Lehrling zu finden, ist so gut wie unmöglich. Hier muss endlich etwas gemacht werden, damit die Gastro-Berufe wieder ein positiveres Image erhalten."

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Thomas Streif

Redaktion Innviertel

Thomas Streif

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