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Innviertel

Ein (kleines) Rieder Fußballwunder und der Blick nach vorne

Von Thomas Streif   02. August 2020 19:29 Uhr

SOCCER - 2. Liga, Ried vs FAC
Gerald Baumgartner und seine Mannschaft jubeln über den Aufstieg in die Bundesliga

RIED. Die SV Guntamatic Ried ist nach drei Jahren zurück in der Bundesliga, der Weg dorthin war steinig und schwer.

Der Fußball schreibt seine eigenen Geschichten, heißt es. Die Geschichte der SV Ried in den vergangenen Wochen war eine, die es in dieser Art und Weise im österreichischen Profifußball wohl noch nicht gegeben hat. Die Corona-Krise stoppte den Erfolgslauf der SV Ried abrupt. Am 8. März siegten die Innviertler mit 2:1 gegen Amstetten, der Vorsprung auf Klagenfurt konnte auf acht Punkte ausgebaut werden, dann wurde das Land „runtergefahren“, viele Wochen lang war wegen der Covid-Situation nicht an Fußball zu denken. Der Liga-Abbruch stand mehrfach bevor. Rieds Finanzvorstand Roland Daxl, der im ORF-Interview am Freitag sichtlich mit den Tränen kämpfte, und Robert Tremel versuchten mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, eine Fortsetzung der Saison zu erreichen. Für viele eine unrealistische Forderung, aber nach langem Hin und Her stimmte eine Mehrheit der Vereine  doch noch einer Liga-Fortsetzung zu. Große Zweifel, dass Ried den Vorsprung noch aus der Hand geben könnte, gab es nicht. Am 5. Juni wurde die Saison schließlich nach fast drei Monaten Pause wieder angepfiffen, die SV Ried siegte gegen Lafnitz mit 3:1. Ein Transparent mit der Aufschrift „ganz Ried steht hinter euch“ wurde auf der Westtribüne platziert, die Richtung stimmte.

Krise mit vier Niederlagen

Doch der Motor begann zu stottern, und wie: von den folgenden fünf Partien verloren die Rieder nicht weniger als vier, Tiefpunkt waren Derbyniederlagen gegen den den FC Juniors OÖ und Blau-Weiß Linz. Aus der Aufstiegseuphorie wurde blankes Entsetzen und Resignation. Erinnerungen an die vergangenen Spielzeiten und dem ständigen Scheitern im Saisonfinale wurden wach, doch die Mannschaft zog sich selber aus dem sportlichen Tief. Ein hart umkämpfter 1:0-Derbysieg in Steyr brachte die Wende. Was folgte, wird in die Rieder Vereinsgeschichte eingehen. „Dieser Punkt könnte für uns noch Goldes Wert sein“, sagte Ried-Trainer-und Sportdirektor Gerald Baumgartner nach dem 2:2 daheim gegen Liefering. Seine Mannschaft hatte in der Schlussphase das 0:2 noch aufgeholt. Er sollte Recht behalten.

Unglaubliches Saisonfinish

Gegen Innsbruck kassierte Ried in der 93. Minute den Ausgleich, Klagenfurt dem Aufstieg ganz nah. Doch Bernd Gschweidl und sein 4:3-Treffer in der allerletzten Sekunde hielten Ried im Titelrennen. Es folgten ein 3:2-Sieg in Horn nach Rückstand und ein 9:0 gegen völlig inferiore Floridsdorfer, die sich am Samstag per Aussendung für ihre Darbietung entschuldigten. Die Klagenfurter kündigten, wie berichtet, wegen der Leistung des FAC einen Protest bei der Fußball-Bundesliga an. Wie bitter das Scheitern in der letzten Runde sein muss, haben die Innviertler Kicker in den vergangenen drei Saisonen jeweils selber gespürt. 

In Ried brachen am Freitagabend nach dem Spiel alle Dämme, mehrere hunderte Fans kamen zur Josko-Arena um die Mannschaft zu feiern, an die Corona-Abstandsregeln hielten sich viele nicht. Hoffentlich bleiben diese Feierlichkeiten ohne Folgen.

Irgendwann zwischen diesen Spielen setzte SV-Ried-Hauptsponsor Guntamatic ein Zeichen und verlängerte trotz der Ungewissheit über die sportliche Zukunft einmal mehr den Vertrag für ein weiteres Jahr. Die Geduld von Guntamatic-Geschäftsführer Günther Huemer, der die Heimspiele fast immer von der Stehplatztribüne aus verfolgt und deswegen bei den Fans sehr beliebt ist, hat sich spät, aber doch ausgezahlt.

Bundesliga-Planungen: Die Zeit drängt

Drei Zweitliga-Saisonen mit einem überdurchschnittlich hohem Budget in der Zweiten Liga haben ihre (finanziellen) Spuren hinterlassen, nicht zuletzt der ausbezahlten Punkteprämien Ein vierter Anlauf für den Aufstieg wäre kaum stemmbar gewesen, zumal Wacker Innsbruck in der kommenden Saison als großer Favorit der Zweiten Liga gilt. In Ried bleibt nicht viel Zeit, um eine schlagkräftige Mannschaft für das Bundesliga-Comeback auf die Beine zu stellen. Gerald Baumgartner, dessen Vertrag sich durch den Aufstieg verlängert haben dürfte, hat sich bereits in den vergangenen Wochen viele potenzielle Neuzugänge genauer angesehen. Dass Baumgartner weiterhin eine Doppelfunktion als Trainer und Sportdirektor übernehmen wird, ist unwahrscheinlich.

Eine Entscheidung darüber wird schon in den kommenden Tagen feiern, denn viel Zeit bleibt nicht, Trainingsauftakt dürfte bereits am 11. August sein. Um der Bundesliga bestehen zu können, wird es auf allen Positionen Verstärkungen oder Ergänzungen benötigen. Das Grundgerüst der Mannschaft steht, ob es lukrative Angebote, beispielsweise für Marco Grüll, geben wird, ist offen. Einige Verträge haben sich durch den Aufstieg verlängert, andere Spieler werden den Verein verlassen. 

SOCCER - 2. Liga, Ried, celebration
Kapitän und SV-Ried-Urgestein Thomas Reifeltshammer jubelt über den Aufstieg

Nach den intensiven und verdienten Feierlichkeiten wird man bei den Verantwortlichen der SV Ried am Montag mit den intensiven, finalen Vorbereitungen für die Saison 2020/2021 beginnen, die Zeit drängt, schließlich hat man weit weniger Zeit als die anderen Vereine der Bundesliga.Das erste Pflichtspiel im Cup gegen Gleisdorf findet in weniger als vier Wochen Ende August statt. Es wartet viel Arbeit,vor allem ist eine seriöse Planung aufgrund der Covid-Krise (Stichwort Zuschauer) nur schwer möglich. Doch das „Rieder Fußballwunder 2020“ dürfte den Verantwortlichen bei dieser Mammutaufgabe viel Rückenwind geben.

SOCCER - 2. Liga, Ried, celebration
Erleichtert: SV-Ried-Boss Roland Daxl und einer der treuesten Fans, Lukas Strasser

 

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