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Innviertel

Ein Freudentag, wäre der Anlass nicht so traurig

Von Marina Mayrböck   20. Mai 2022 18:38 Uhr

BRAUNAU. Nach 14 Jahren: Braunau bekommt endlich ein Frauenhaus

116 Betretungsverbote hat die Polizei im vergangenen Jahr im Bezirk Braunau verhängt, jeden dritten Tag eine, um Frauen und Kinder vor Männern zu schützen, die im häuslichen Bereich aggressiv werden. Manchmal reicht eine Wegweisung leider nicht und die Frau muss fliehen. In absehbarer Zeit finden Betroffene in Braunau Schutz, dort wird nun endlich ein Frauenhaus gebaut. Heute fand eine fiktive Spatenstichfeier im Schloss Ranshofen statt, ein „echter“ auf dem Bauplatz war aus Sicherheitsgründen nicht möglich.


Insgesamt gibt es fünf Frauenhäuser in Oberösterreich, wegen der hohen Auslastung ist ein Haus in Braunau notwendig. Sechs Frauen mit ihren Kindern können darin künftig in Sicherheit wohnen. Das Frauenhaus Braunau ist untrennbar mit einem Namen verbunden: Renate Mann. Im Jahr 2008 hat sich die Braunauerin und Sozialdemokratin ein Frauenhaus zum Ziel gesetzt – viele Rückschritte hat sie all die Jahre hinnehmen müssen, doch sie hat unermüdlich weitergemacht. „Und wenn ich nur einer einzigen Frau helfen kann, dann hat sich all diese jahrelange Mühe schon gelohnt“, sagte sie im März 2011 im Interview. Seit 2021 sind sämtliche Genehmigungen auf Papier. Ursprünglich war der Spatenstich für vergangenen August geplant gewesen, musste aber wegen hoher Baupreise verschoben werden. Drei Monate später starb Renate Mann völlig überraschend. Am Tag der Spatenstichfeier hätte sie ihren 69. Geburtstag gefeiert.

Frauenhaus nach Renate Mann benannt
Mit ihr ist eine starke Stimme für Frauenschutz verstummt. Leise ist es um ihr Herzensprojekt zum Glück nicht geworden: die Vereinsmitglieder bringen nun zu Ende, was Mann begonnen hat: „Renate ist es leider nicht mehr möglich, den Endspurt mitzuerleben. Wir werden das Projekt ihr zu Ehren und in ihrem Sinne weiterführen“, sagte die neue Vereinsvorsitzende, Ingeborg Angerer. Die Braunauerin war viele Jahre in der Amag Ranshofen im Einkauf tätig und auch für Bauangelegenheiten zuständig. Ihre Kenntnisse in diesem Bereich kommen ihr nun bei der Umsetzung des Frauenhauses, das nach Renate Mann benannt wird, zugute.
„Es ist ein Projekt, das uns viele Jahre begleitet. Es gab Höhen und Tiefen, jetzt kommt es zur Umsetzung“, sagt Braunaus VP-Bürgermeister Hannes Waidbacher. Die Zahlen sind alarmierend, das Haus deshalb leider notwendig: „Wichtig ist, dass Frauen die Möglichkeit haben zu flüchten. Das einzige Frauenhaus im Innviertel in Ried und die Frauenübergangswohnung für drei Frauen mit ihren Kindern sind immer ausgelastet“, so Waidbacher weiter.
Es ist ein Haus, das Leben retten kann, sagte SP-Landtagsabgeordnete und Bezirksvorsitzende Gabriele Knauseder: „Elf Frauenmorde und 16 Mordversuche seit Beginn des Jahres zeigen, dass massivste Gewalt gegen Frauen in Österreich leider zum Alltag gehört“.
Im Frauenhaus werden Betroffene beraten, wie sie ihr Leben neu beginnen können. „Es ist ein schöner und trauriger Tag, an dem wir etwas starten, was wir eigentlich nicht brauchen sollten“, sagte VP-Landtagsabgeordneter Klaus Mühlbacher und betonte die Wichtigkeit regionaler Angebote. Manns Parteikollege, Braunaus zweiter Vizebürgermeister Wolfgang Grabner-Sittenthaler, erzählte von den Planungsvorbereitungen. „Es war nicht ganz einfach, ein passendes Grundstück zu finden. Ich kann mich gut erinnern, wie mich Renate manchmal geschimpft hat, ‘das könne doch nicht so lange dauern’, sagte sie. Jetzt ist der raumplanerische Prozess abgeschlossen, möge der Bau beginnen und möge das Haus schwach besetzt sein“!

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