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Innviertel

Drei, die Bürgermeister werden wollen

Von Magdalena Lagetar 25. April 2019

Drei, die Bürgermeister werden wollen

SCHALCHEN. Schalchens Bürgermeister tritt am 7. Juni zurück, Nachfolger bringen sich in Stellung

Stefan Fuchs (SP) hat sich entschieden: Er tritt am 7. Juni als Bürgermeister von Schalchen zurück. Damit endet die Ära des längst dienenden Bürgermeisters des Bezirkes nach 29 Jahren. Überraschend ist diese Entscheidung nicht, schon mehrmals hatte er, unter anderem auch in der Braunauer Warte, seinen Rücktritt angekündigt. "Ich muss nicht bleiben, bis ich 67 bin", erklärte er. Und hält an seiner Entscheidung fest. Fuchs hatte bei der Wahl 2015 zwei Gegenkandidaten, schaffte es aber schon nach dem ersten Wahlgang souverän ins Bürgermeisteramt. Er gilt als großer Gegner der derzeitigen Pläne für die Umfahrung Mattighofen, die Schalchner Gemeindegebiet kreuzen soll.

Volk wählt, nicht Gemeinderat

Stefan Fuchs tritt bewusst vor dem 27. September zurück. Das ist jener Stichtag, von dem abhängig ist, wer den Bürgermeister-Nachfolger wählen darf. Ist der Rücktritt innerhalb von vier Jahren seit der vergangenen Wahl, wählt das Volk. Ist es danach, wählt der Gemeinderat. Für Letzteres wird sich häufig entschieden, wenn die Partei die absolute Mehrheit im Gemeinderat stellt. Dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass der von der Mehrheitspartei aufgestellte Kandidat auch gewählt wird. Der Schalchner Gemeinderat setzt sich seit der Wahl wie folgt zusammen: Die SPÖ hat mit zwölf Mandaten die meisten, gefolgt von der ÖVP mit sieben und der FPÖ, die sechs Mandate hält. Wann die Schalchner Bevölkerung zur Wahl aufgerufen ist, lässt sich noch nicht genau sagen. Fuchs schätzt, dass es im Herbst nach den Ferien soweit sein dürfte.

Einen Wunsch-Nachfolger hat der derzeitige Ortschef schon aufgebaut. Vizebürgermeister Andreas Stuhlberger will das Amt in SPÖ-Hand halten. Aber auch die anderen im Gemeinderat vertretenen Parteien wollen es für sich gewinnen. Die ÖVP schickt den derzeitigen Vizebürgermeister Helmut Friedrich Sperl ins Rennen. Die FPÖ will mit Markus Klepp gewinnen. Die drei Männer, die Fuchs’ Nachfolger sein möchten, haben für die Braunauer Warte erklärt, warum sie Bürgermeister werden wollen, welche drei Gemeindeprojekte ihnen die wichtigsten sind und wie sie zu den umstrittenen Umfahrungsplänen stehen.

 

Drei Fragen an Schalchens Bürgermeisterkandidaten

OÖN: Warum wollen sie Bürgermeister werden?

Andreas Stuhlberger (SP): Weil ich gerne mit und für Menschen arbeite. Ich blicke auf drei Jahre Vizebürgermeistertätigkeit sowie auf zehn Jahre als Gemeinderat zurück, bin seit 25 Jahren mit dem Schalchner Vereinswesen verbunden, da möchte ich noch vieles weiter vorantreiben.

Helmut Friedrich Sperl (VP): Aus meiner Sicht gab es in Schalchen die vergangenen 20 Jahre viele Versäumnisse. Etliche haben sich dann an mich gewendet, damit ich Ihnen im Rahmen meiner Möglichkeiten weiterhelfe. Auch was die Betriebsansiedlung angeht, ist nie etwas weitergegangen, erst durch meine Initiative ist bspw. die Fa. FMV geblieben und wird KTM-Fahrrad im nächsten Jahr 50 neue Arbeitsplätze schaffen.

Markus Klepp (FP):  Ich möchte mich mit aller Kraft und Zeit für Schalchen einsetzen und für alle da sein. Die Stammtischpolitik soll endlich der Vergangenheit angehören. In den vergangenen Jahren ist vieles versäumt worden, die Fehler der Vergangenheit möchte ich so gut es geht ausbessern. Eine enge Zusammenarbeit aller Fraktionen ist für mich das Rückgrat, mit mir als Bürgermeister haben Ausgrenzung und Fehlinformationen keinen Platz.

OÖN: Welche drei Projekte, wollen Sie unbedingt umsetzen?

Sperl (VP): Die Verkehrsprobleme gemeinsam mit den Nachbargemeinden lösen, unter Berücksichtigung der Radfahrer, Fußgänger und Kinder; eine Vision und Strategie für Schalchen für die nächsten zehn bis 15 Jahre entwickeln; Endlich den Bau einer neuen Volksschule auf Schiene bringen.

Klepp (FP): Die wichtigen Projekte sind seit langem gesetzt, Schule, Kindergarten, Betriebsansiedlungen, Wohnbau und öffentlicher Verkehr. Leider ist der Fortschritt gerade beim Schul- und Kindergartenbau marginal. Einer der Gründe dafür ist die schlechte Gesprächskultur des Bürgermeisters mit dem Land. Hier müssen Dämme eingerissen werden, sonst werden wir noch in zehn Jahren von den Projekten träumen.

Stuhlberger (SP): Da Schalchen ständig weiter wächst, muss die Kinderbetreuung ausgebaut werden. (Neue Volkschule, Kindergarten und Krabbelstube sind bereits in Planung). Wir brauchen einen regionalen Nahversorger (Dorfladen oder Food Coop, bei dem Produkte von lokalen Landwirten und Betrieben bezogen und gemeinsam vertrieben werden). Sozialer Wohnbau (Alternatives Wohnen für Pflegestufe 1-3, Junges Wohnen, Eigentums- und Mietwohnungen). Kurz: Den ländlichen Charakter aufrecht erhalten, aber trotzdem für die Zukunft gerüstet sein.

OÖN: Thema Umfahrung: Wie stehen Sie zu den Plänen?

Klepp (FP): Die Bauabschnitte 2 und 3 liegen beim Landesverwaltungsgericht, da kann man nicht sagen inwieweit die bekannten Pläne geändert werden müssen. Dass eine Umfahrung unumgänglich ist, wird jeder, der den Verkehr auf der B147 kennt, kaum bestreiten. Wir benötigen eine Lösung für den Individualverkehr, jeder will schnell sein Ziel erreichen. Zwingend erforderlich sind Lösungen für die neuralgischen Punkte. Die Benachteiligung der Anwohner müssen durch geeignete Maßnahmen minimiert, öffentlicher Verkehr, Fußgänger und Radfahrer nicht vergessen werden.

Stuhlberger (SP): Diesen Planungen werde ich so keinesfalls zustimmen. Es ist eine Günstigvariante bei der die Bedenken der Schalchner Bevölkerung einfach ignoriert werden. Es gibt Varianten seitens der Gemeinde Schalchen, die das gesamte Problem lösen. Als Rückmeldung aus Linz bekommt man aber immer die gleichen Antworten: Geht nicht oder zu teuer. Ich bin bereit gemeinsam mit der Bevölkerung, den Nachbargemeinden, der Wirtschaft und dem Land eine Verkehrslösung zu finden und umzusetzen. Eine Lösung für die Region ist notwendig. Das Wichtigste für mich ist aber der Schutz der Bevölkerung!

Sperl (VP): Dass wir gemeinsam mit den Nachbargemeinden eine Lösung brauchen, steht außer Frage. Auf meine Frage vor einigen Jahren noch an LR Hiesl, wieso über Schalchen so „drübergefahren wird“, hat er geantwortet, dass unser Bgm. damals nicht einmal eine Stellungnahme zu den Varianten gesendet hat. Somit war die Entscheidung für das Land einfach: die günstigere Variante. Das Land sitzt klar am längeren Hebel. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Abschnitt 2 und 3 gebaut werden. Ich habe mir immer wieder Zeit genommen, um das Bestmögliche für Schalchen zu erreichen. Resümee: glücklich bin ich mit dieser Variante nicht. Aber realistisch gesehen, wird sie gebaut werden. Das Land weicht keinen Millimeter von seiner Linie ab.

 

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Artikel von

Magdalena Lagetar

Lokalredakteurin Innviertel

Magdalena Lagetar
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