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Innviertel

"Die Tage in nächster Zeit werden sicher extrem lang"

Von Josef Schuldenzucker  05. März 2020 00:04 Uhr

Günther Lengauer

UTZENAICH. Utzenaich hat nach fast 23 Jahren einen neuen Bürgermeister: Der 50-jährige Günther Lengauer (VP) wurde am vergangenen Freitag zum Nachfolger von Karl Ehwallner gewählt.

Nach fast 23 Jahren gibt es in Utzenaich einen neuen Bürgermeister. Der 50-jährige Günther Lengauer (VP) folgt Langzeitbürgermeister Karl Ehwallner. Der Geschäftsführer des Bildungshauses St. Magdalena wurde am vergangenen Freitag von Bezirkshauptfrau Yvonne Weidenholzer offiziell angelobt.

 

Rieder Volkszeitung: Herr Lengauer, herzliche Gratulation zum Bürgermeister. Wie waren Ihre ersten Tage?

Günther Lengauer: Es war bereits ziemlich viel los. Ich hatte jede Menge Antrittsbesuche, am Montag war ich auf der Versammlung des Wegeerhaltungs-Verbandes. Und auch der Volksschule habe ich bereits einen Besuch abgestattet.

Sie wurden mit großer Mehrheit (17:2 Stimmen) gewählt. Hätten Sie gerne 100 Prozent gehabt?

Ich habe kein Problem mit zwei Nein-Stimmen. Das ist Demokratie. Als die Entscheidung unserer Fraktion feststand, habe ich mit den anderen Parteien das Gespräch gesucht und um Unterstützung gebeten. Das Votum zeigt, dass die Stimmung im Gemeinderat gut ist. Parteipolitische Scharmützel gibt es eigentlich nicht. Das ist auch ein großes Anliegen von mir. Bundespolitische Probleme sollten auf Gemeindeebene keine Rolle spielen.

Woran, außer dem neuen Namensschild, merkt man, dass ein neuer Bürgermeister am Ruder ist?

(Lacht) Ich habe noch gar kein neues Schild vor meiner Tür hängen. Für mich ist es ganz wichtig, offen auf die Menschen zuzugehen. Das habe ich von meinem Vorgänger Karl Ehwallner gelernt. Offene Kommunikation, ehrlich miteinander umgehen, das ist ganz wichtig. Die Probleme der Menschen anhören, auch wenn man ihnen vielleicht nicht sofort helfen kann. Das zeichnet eine kleine und intakte Dorfgemeinschaft aus.

Ihr Vorgänger war rund zehn Jahre lang Vollzeit-Bürgermeister. Sie sind Geschäftsführer des Bildungshauses St. Magdalena. Wie werden Sie den Spagat zwischen den zwei Jobs schaffen?

Das Geheimnis liegt sicher in einem sehr guten und straffen Zeitmanagement. Ich bekomme von meinem Arbeitgeber genügend Freiheiten. Geplant ist, dass ich an den Dienstagen fix in Utzenaich bin. Oder in der Früh, bevor ich nach Linz fahre, noch Termine wahrnehme. Sehr viele Termine sind ohnedies am Abend. Die Tage in nächster Zeit werden sicher extrem lang werden.

Wie verbringen Sie eigentlich ihre karge Freizeit?

Ich bin gerne draußen in der Natur, fahre mit dem Rad oder gehe walken. Aber ein großes Steckenpferd war schon immer die Politik. Früher war ich parlamentarischer Mitarbeiter in Wien und ÖVP-Bezirkssekretär. Diese Zeit hat mich sehr geprägt.

Gibt es irgendwelche Lieblingsplätze, wo kann man Sie finden?

Ich bin kein großer Stammtisch-Geher, aber ich besuche gerne unsere Gastronomie. Da sind wir im Gegensatz zu vielen anderen Gemeinden noch sehr gut bestückt. Und obwohl ich kein großer Ball- tiger bin, am Ball der Oberösterreicher im Mai in Wien werde ich sicher dabei sein.

Was braucht Utzenaich in nächster Zukunft, was fehlt?

Die finanzielle Situation ist auf jeden Fall in Zukunft eine große Herausforderung. Wir sind nicht mit großen Betrieben gesegnet. Größter Arbeitgeber ist die Firma Großfurtner, es gibt auch einige kleinere Betriebe. Nicht befriedigend ist die Situation mit den Zimmern für Arbeiter. Wir haben mittlerweile zwischen 150 und 200 Personen, die in Nachbargemeinden arbeiten und bei uns nur schlafen. Da schauen wir als Gemeinde durch die Finger, da es für diese Personen keine Ertragsanteile gibt.

Wie sieht es mit Grundstücken für Betriebe und Wohnhäuer aus?

Für Betriebsansiedlungen steht nur wenig Fläche zur Verfügung. Da sind wir ziemlich eingeengt. Deshalb wäre für uns der Wirtschaftspark Innviertel wichtig gewesen. Viele Häuslbauer haben in den vergangenen Jahren Utzenaich als Wohngemeinde entdeckt. Da ist die Nachfrage mittlerweile größer als das Angebot.

Gibt es einen Nahversorger?

Die Bäckerei Enzlmüller hat ein Café eröffnet, dort kann man sich auch mit einem kleinen Angebot an Lebensmitteln eindecken. Aber es gibt zwischen Ried und Reichersberg sehr viele Verkaufsflächen mit 1200 und mehr Quadratmetern. Trotz größter Bemühungen ist es uns nicht gelungen, einen Lebensmittelmarkt bei uns anzusiedeln. Wobei man aber auch sagen muss, dass ein privater Betreiber nicht davon leben kann, wenn nur das eingekauft wird, was bei einem Großeinkauf woanders vergessen wurde.

 

Günther Lengauer ist 50 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Töchter (Elina, 16 Jahre und Sophia, 19 Jahre). Begonnen hat Günther Lengauer seine politische Karriere im Jahr 2003 als Gemeinderat. Bereits in seiner ersten Amtsperiode wurde er Gemeindevorstand, ab 2009 war er Vize-Bürgermeister. 

 

Artikel von

Josef Schuldenzucker

Lokalredakteur Innviertel

Josef Schuldenzucker
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