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Innviertel

Die Marathon-Prinzessin in Pink

Von Elisabeth Ertl 25. April 2019 16:04 Uhr

Die Marathon-Prinzessin in Pink
In der Laufszene ist Christina Oberndorfer bekannt wie ein "bunter Hund". Nicht nur wegen ihres pinken Tops. Rechts oben: Die 38-Jährige wurde zur Sportlerin des Jahres gewählt und siegte beim 26. Welser Halbmarathon (unten).

MEHRNBACH, SCHLADMING. Laufsport: Christina Oberndorfer ist in puncto Laufschuhe eine Prinzessin. Ansonsten lebt und läuft die Mehrnbacherin mehr unter dem Motto "Ein Indianer kennt keinen Schmerz"

Nicht zu laufen ist für Christina Oberndorfer keine Option. Was vor zwanzig Jahren auf einem Heimtrainer begann, hat sich im Laufe der Zeit zu einer Passion entwickelt, die der heute 38-jährigen Ausdauersportlerin eine Auszeichnung und zahlreiche Spitzenplatzierungen eingebracht haben. Zuletzt lief die gelernte Krankenschwester innerhalb einer Woche zwei Marathons : in Wien (3:08,14 Stunden) und Linz (3:09,18 Stunden). Bei Letzterem wurde sie in der Gesamtwertung Elfte und landete bei den dort ausgetragenen Staatsmeisterschaften auf Rang sechs. Nachwehen hat die Innviertlerin, die seit kurzem in Schladming arbeitet, trotz der Strapazen keine. "Direkt nach dem Linz Marathon war ich schon ein bisschen müde, aber am Montag war alles wieder gut", sagt Oberndorfer.

So richtig auf den Geschmack gekommen ist die Mehrnbacherin vor zehn Jahren. 2009 lief sie in Linz ihren ersten Halbmarathon. "Ich hatte mir vorgenommen, die 21 Kilometer in ungefähr zwei Stunden zu schaffen. Mein Papa hat mir damals das Tempo gemacht und am Ende bin ich nach einer Stunde und 40 Minuten durchs Ziel gelaufen", erinnert sich die Athletin der Laufgemeinschaft Innviertel (LGI). Drei Jahre später feierte sie in Wien ihre Premiere auf der Marathondistanz – in 3:20 Stunden. "Davon war ich selbst ein bisschen überrascht. Wahrscheinlich bin ich einfach für längere Distanzen gemacht", analysiert die Krankenschwester.

Das Original ist immer besser

Ihr Beruf ist es auch, der Christina Oberndorfer trotz der Leidenschaft die Risiken nicht vergessen lässt. Deshalb verbraucht sie im Schnitt pro Jahr vier Paar Sportschuhe. "In dieser Hinsicht bin ich eine Prinzessin, aber ich weiß, wie ein kaputtes Knie aussieht. Natürlich kann man das heute mittels Operation austauschen, aber ein künstliches Gelenk ist nie so gut wie das Original", sagt Oberndorfer, die pro Jahr um die 4000 Kilometer abspult.

Mit ihrem Eifer, ihrer fröhlichen Art und vielen Spitzenergebnissen hat sich die Mehrnbacherin weit über die Grenzen des Innviertels hinaus einen Namen gemacht. Gelungen ist ihr das so gut, dass sie auch ohne das Vereinsleiberl der LGI bei Wettbewerben erkannt wird. "Bei einem Lauf in Mettenheim hat der Moderator gemeint: Die Christina Oberndorfer ist heute richtig gut zu erkennen. Es ist die Dame mit dem pinken Top", erinnert sich die 38-Jährige, die mit ihrer Passion zwar kaum Geld verdient, dafür aber Freundschaften geschlossen hat. "Inzwischen gibt es viele, die mir im Laufe der Jahre ans Herz gewachsen sind. Diese Menschen bei verschiedenen Wettkämpfen zu treffen ist ein Hauptgrund, warum ich es mache." Was der Innviertlerin an der Laufszene noch imponiert ist die Tatsache, "dass alle Respekt voreinander haben. Obwohl wir auf der Strecke eigentlich Konkurrenten sind."

Cola als Rettungsanker

Diese Menschen und jene, die sie am Streckenrand anfeuern, geben Christina Oberndorfer Auftrieb, "wenn es zach wird. Das war heuer in Linz der Fall. Das Feld war schon recht ausgedünnt und ich habe mich dann von einer Labstation zur nächsten gehantelt. Es ist unglaublich, wie man sich in so einer Situation über einen Schluck Cola freuen kann", sagt die 38-Jährige, die trotzdem eine fabelhafte Zeit gelaufen ist und am Ende der 42,195 Kilometer entschädigt wurde. "Das Kopfsteinpflaster auf der Linzer Landstraße tut nach so einer Distanz richtig weh. Aber es stehen immer so viele Leute da, die jubeln, das flasht einen total. Und wenn man dann im Ziel steht ist es einfach ein geiles Gefühl."

Sportlerin des Jahres 2018

2018 war es vielleicht noch ein kleines bisschen schöner, denn vor einem Jahr war Christina Oberndorfer beste Österreicherin beim Linz Marathon. Unter anderem deshalb wurde sie zur Sportlerin des Jahres gewählt. Die entsprechende Trophäe hat die 38-Jährige sogar mit in ihre Wohnung nach Schladming genommen. "Der Rest der Pokale und Medaillen liegt in einer Schachtel. Es sind inzwischen einfach zu viele. Würde ich alle aufstellen und -hängen müsste ich sie auch abstauben und dazu habe ich keine Lust." Eine gute Entscheidung, denn bei der aktuellen Anzahl von Pokalen, Urkunden und Medaillen wird es für die Marathon-Prinzessin in Pink nicht bleiben.

 

Wordrap mit Christina Oberndorfer

Athletin und Aushängeschild der LG Innviertel hat für die Volkszeitung ein paar Sätze vervollständigt.

Ich laufe weil ...
es Spaß macht.

So bin ich ...
fröhlich. Ich lerne gerne neue Leute kennen und bin beim Laufen recht gesellschaftsfähig.

Es ärgert mich, dass ...
Frauen im Sport nicht die gleiche Anerkennung bekommen wie Männer. Wir plagen uns genauso. Vielleicht sogar mehr, weil wir andere körperliche Voraussetzungen haben. Und dann werden zwar die besten Männer oder Österreicher bei Wettkämpfen genannt, bei den Frauen wird nur die Siegerin erwähnt und aus. Leider ist es im Sport wie im Alltag: Zur Gleichberechtigung ist es noch ein langer Weg.

Für einen guten Start in den Tag brauche ich ...
eine Tasse Kaffee. Ohne geht überhaupt nichts.

Mein größter Erfolg war ...
der Sieg beim Wachau-Marathon 2016. Das war das Coolste überhaupt. Es hat eine Weile gedauert bis ich gemerkt habe, dass der Radfahrer, der normalerweise vor der schnellsten Dame herfährt, diesmal mir gehört. Und der Moderator der Veranstaltung hat betont, dass ich bei dem Bewerb die Ehre der Österreicher gerettet habe. Daran denke ich gerne zurück.

Als Tier wäre ich ...
ein Hund.

Um abzuschalten, ...
höre ich Musik, schaue einen Film auf DVD – am liebsten einen, bei dem man nicht viel nachdenken muss –, gehe ins Kino oder mit Freunden fort.

Dankbar bin ich, ...
wenn ich bei einem Wettkampf heil ins Ziel komme.

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Artikel von

Elisabeth Ertl

Lokalredakteurin Innviertel

Elisabeth Ertl
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