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Innviertel

"Das Leben ist ein ganzes Stück ruhiger geworden"

Von Elisabeth Ertl  26. März 2020 01:04 Uhr

"Das Leben ist ein ganzes Stück ruhiger geworden"
Andreas Meindl trainiert seit drei Jahren die Damenmannschaft der Union Geretsberg.

INNVIERTEL. Innviertler Sportler über ihren Alltag ohne Wettkämpfe und Solo-Trainingseinheiten

Im März 2019 stellte Jasmin Zweimüller beim Messelauf über vier Kilometer einen neuen Streckenrekord (14:54 Minuten) auf. Diese Leistung hätte die 25-Jährige heuer gerne bestätigt. Infolge der aktuellen Situation ist die Innviertlerin allerdings dazu "verdammt", alleine zu trainieren – ohne konkretes Ziel vor Augen. In ihrer Motivation bremst sie das keineswegs. Neun Mal war die Riederin in der Vorwoche laufen bzw. Rad fahren und hat dabei schnelle und lockere Einheiten kombiniert. "Im Grunde läuft mein Training ganz normal weiter. Bis auf die gemeinsamen Intervalleinheiten mit meinen Kollegen. Die fehlen mir sehr", sagt Zweimüller. Sie hat immer noch die Hoffnung, dass ihre geplanten Wettkämpfe im Mai stattfinden werden.

Die von der Regierung vorgeschriebene Distanz zu den Mitmenschen hat Jasmin Zweimüller auch bei ihren Laufeinheiten festgestellt. "Das Wetter war in der Vorwoche so schön, dass relativ viele Leute draußen unterwegs waren. Wenn ich beim Laufen jemanden überholt habe, ist mir aufgefallen, dass die Menschen genau darauf achten, niemandem zu nahe zu kommen. Nur an den Supermarktkassen ist es vielen offenbar völlig egal. Das ist wirklich bedenklich", sagt Zweimüller. Dessen ungeachtet kann die Physiotherapeutin (Interview rechts) der aktuellen Situation auch etwas Positives abgewinnen. "Das Leben ist ein ganzes Stück ruhiger geworden. Ich nütze die Zeit, um neue Workouts zu erarbeiten und mich fit zu halten. Mehr geht momentan nicht."

Viel ruhiger verläuft im Moment auch das Leben von Andreas Meindl, der seit drei Jahren die Damenmannschaft der Union Geretsberg trainiert. Vier wöchentliche Einheiten mit seinen "Mädels" und die Besuche im Fitnessstudio kompensiert der Uttendorfer mit Indoor-Übungen wie Liegestütze und intensiven Laufeinheiten. Letztere meist gegen neun Uhr abends. "Da trifft man in und um Uttendorf niemanden mehr", sagt Meindl. Auf körperliche Ertüchtigung verzichten, könne er nicht. "Da würde ich durchdrehen", gesteht der 34-Jährige. Davon abgesehen, komme er mit der Situation sehr gut zurecht. "Ich bin eher ein Einzelgänger. Die Mannschaft und das Fitnessstudio fehlen mir natürlich, aber ansonsten könnte ich noch länger so weitermachen. Außerdem habe ich noch meinen Hund", sagt Meindl.

"Das Leben ist ein ganzes Stück ruhiger geworden"
Lukas Weißhaidinger trainiert daheim in Taufkirchen an der Pram in seinem eigenen "Wurfstadel".

Bälle und Hütchen

Dass im Frühjahr in der 2. Liga Mitte/West gespielt wird, davon geht der 34-Jährige nicht aus. Sollte es anders kommen, sind er und seine Damen bereit. "Das selbstständige Training ist momentan völlig freiwillig. Ich habe einfach alle Spielerinnen gefragt, ob sie etwas brauchen, bin dann am Samstag auf den Fußballplatz gefahren, habe Trainingshütchen, Bälle und so weiter eingeladen und allen, die etwas haben wollten, vor die Haustür gestellt", sagt Meindl. Er hat volles Vertrauen in seine Mannschaft und ist überzeugt: "Wenn es wieder losgeht, sind wir bereit."

Im Skype-Modus

"Homeoffice" betreibt auch Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger. Trainer Gregor Högler schickt dem Taufkirchner Anweisungen aufs Tablet, das zugleich als Kamera dient. Via Skype verfolgt Högler die Einheiten seines Schützlings. Für beide ist die Situation an sich nicht neu, nur die Regelmäßigkeit. "Wir warten ab und machen das Beste daraus. Die Ruhe, die ich jetzt hier in Taufkirchen habe, tut mir ausgesprochen gut", schreibt Weißhaidinger auf seiner Homepage.

Für alle, die fit bleiben oder werden möchten, hat Physiotherapeutin und Sportlerin Jasmin Zweimüller ein Video erstellt. Viel Spaß beim Mitmachen!

Jasmin Zweimüller - "Homeofficer" Workout

5 Fragen an Jasmin Zweimüller

Wie gehen Sie als selbstständige Physiotherapeutin mit der aktuellen Situation um?

Es ist schwierig. Eigentlich sollen wir den engen Kontakt zu anderen Menschen vermeiden, aber das ist bei meiner Arbeit fast unmöglich. Deshalb habe ich mit vielen Kollegen gesprochen und mich dann dazu entschieden, ab dieser Woche nur junge Leute, die akute Probleme wie Kreuzbandrisse und Ähnliches haben, zu behandeln. Viele Patienten haben auch von sich aus ihre Termine abgesagt.

Können Sie sich bei Ihrer Arbeit ausreichend schützen?

Ich verwende einen Mundschutz und habe mir überlegt, bei den Übungen Handschuhe anzuziehen. Ob sich das in der Praxis umsetzen lässt, wird sich aber erst zeigen. Ich habe allerdings den Vorteil, dass ich teilweise halbwegs gut Abstand halten kann. Wenn ich zum Beispiel einen Patienten am Knie behandle. Als zusätzliche Maßnahmen haben wir in der Praxis Desinfektionsmittel aufgestellt und Zettel mit den wichtigsten Informationen aufgehängt.

Wie groß sind Ihre finanziellen Einbußen?

Derzeit betreue ich pro Woche zirka zehn statt 30 Patienten. Außerdem sind meine Kurse, die ich bei der Sportunion Ried und in Altheim halte, weggefallen. Das schmerzt natürlich schon, aber eine bestimmte Zeit halte ich das aus. Außerdem ist man uns bei der Miete für die Praxis entgegengekommen. Und zum Glück war ich noch nie jemand, der sein ganzes Geld ausgegeben hat.

Betreuen Sie auch jene Patienten weiter, die derzeit nicht zu Ihnen kommen können?

Ich habe lange darüber nachgedacht, für meine Patienten Videos zu machen und diese dann in einer Cloud hochzuladen. Das ist mir dann aber doch zu kompliziert gewesen, und vor allem die Älteren wären damit wahrscheinlich nicht zurecht gekommen. Darum habe ich die Videos jetzt einfach auf Youtube hochgeladen und die entsprechenden Links verschickt.

Wie schnell merken Sie es, wenn ihre Patienten ihre „Hausübungen“ nicht gemacht haben?

Da reicht meistens schon eine kurze Frage und der Blick in ihr Gesicht. Das verrät alles.

Artikel von

Elisabeth Ertl

Lokalredakteurin Innviertel

Elisabeth Ertl
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