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Innviertel

Braunauer Hausarzt bei Demo: Seine Aussagen im Faktencheck

Von Magdalena Lagetar  13. Januar 2022 15:59 Uhr

(Symbolfoto)

BRAUNAU. Verunsicherung nach Rede eines Hausarztes, Lungenspezialist Bernd Lamprecht klärt auf.

Immer wieder treten Mediziner bei Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen bzw. die Corona-Schutzimpfung auf und bestärken die Haltung der Gegner mit ihren Aussagen. Auch in Braunau sprach kürzlich ein pensionierter, bekannter Hausarzt aus der Stadt vor der Menge, die sich seit ein paar Wochen jeden Sonntag am Stadtplatz und auf der Innbrücke trifft, um zu demonstrieren. Ein Videomitschnitt der Rede des Allgemeinmediziners gegen die Corona-Schutzimpfung verbreitete sich rasant auf den sozialen Medien und verunsicherte nicht nur jene Menschen, die den Hausarzt kennen und schätzen, sondern auch viele andere.

Die Innviertler Nachrichten baten daher Primar Bernd Lamprecht, Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde und Pneumologie am Kepler-Uni-Klinikum Linz, um einen Faktencheck zu den getätigten Aussagen im Video.

Primar Bernd Lamprecht

Behauptung: Es gibt Neben- und Folgewirkungen von Impfungen, die teilweise erst zwei bis drei Monate später auftreten, obwohl ein Zusammenhang mit der Impfung negiert wird. Das hängt mit der Wirkungsweise der mRNA-Präparate zusammen, die auch Autoimmunreaktionen auslösen können.

Fakt: Die zahlreichen Studien und umfangreichen Anwendungsbeobachtungen zeigen keinen Beleg für die Auslösung von Schüben bestehender Autoimmunerkrankungen oder für das Auftreten neuer Autoimmunerkrankungen. Darüber hinaus ist die Konfrontation des Immunsystems mit einem Merkmal des Coronavirus in dieser Hinsicht sicher nicht riskanter als die Konfrontation mit dem ganzen Virus bei einer Infektion.

Behauptung: Durch die Impfung werden schlummernde Krankheitserreger im Körper reaktiviert.

Fakt: Es gibt weder einen plausiblen Pathomechanismus noch Evidenz dafür, dass die Impfung schlummernde Krankheitserreger reaktivieren würde. Anders sieht es bei schwerer Coronavirus-Erkrankung aus, denn hier kann es als Folge eines geschwächten körperlichen Zustandes durchaus zu Reaktivierungen von zuvor in Schach gehaltenen Krankheitserregern kommen.

Behauptung: Viele Kollegen haben ein Neuaufflammen oder eine Beschleunigung im Ablauf von Krebserkrankungen beobachtet, aber auch neu auftretende Karzinome im zeitlichen Zusammenhang mit einer Covid-Vakzination.

Fakt: Ich betreue selbst sehr viele Patienten mit Lungenkrebs und kann keine ungewöhnliche Dynamik bestätigen. Zeitliche Zusammenhänge erklären sich einfach durch die Impfung eines großen Teils der Bevölkerung binnen kurzer Zeit, dies bedeutet aber nicht, dass es einen ursächlichen Zusammenhang gibt. Die Anzahl an Neuerkrankungen an Krebs hat sich im vergangenen Jahr nicht verändert.

Behauptung: Man ist als Genesener weitaus umfangreicher geschützt denn als Geimpfter.

Fakt: Die Immunität nach Infektion/Erkrankung ist zweifellos gut, aber auch dies schützt nicht vor einer weiteren bzw. neuerlichen Infektion und Erkrankung nach einigen Monaten. Daher werden auch Genesenen Impfungen empfohlen, um einen verlässlichen Schutz sicherstellen zu können. Während man den Schutz der Impfung ohne Risiko einer schweren Coronavirus-Erkrankung erhalten kann, ist der Weg zur Immunität über die Infektion mit einem erheblichen Gesundheitsrisiko verbunden.

Behauptung: Die positive Nutzen-Risiko-Berechnung ist bisher nur für ältere und chronisch Kranke erwiesen. Für Kinder sind die Impfnebenwirkungen bedeutsamer als der Impferfolg.

Fakt: Ich denke, diese Frage ist den Kinderspezialisten zu überlassen, die sich hier nach reiflicher Überlegung und Abwägung von Nutzen und Risiko für eine klare Impfempfehlung entschieden haben. Ich verweise auf das Nationale Impfgremium und die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ). (Anm. d. Red.: Das Nationale Impfgremium hält fest: "Kinder und Jugendliche erkranken im Vergleich zu Erwachsenen zwar selten schwer an Covid-19, dennoch sind schwere Krankheitsverläufe wie ein Multisystem-Inflammationssyndrom auch in Österreich mit einer Häufigkeit von 1:1000 bei Kindern und Jugendlichen mit bestätigter Infektion beobachtet worden. Zudem können Kinder und Jugendliche auch nach milden oder asymptomatischen Verläufen unter Langzeitfolgen von Covid-19 leiden.")

Artikel von

Magdalena Lagetar

Lokalredakteurin Innviertel

Magdalena Lagetar

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