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Braunauer Warte am Inn

Statt Spott und Hohn wird im Zentrum von Lochen wieder Schnitzel serviert

Von Valentina Dirmaier   29. Januar 2015 00:04 Uhr

Statt Spott und Hohn wird in Lochen wieder Schnitz
Daniel Wehrli, der Neo-Wirt des Bräugasthof Lochen am See.

LOCHEN. Nachdem der Bräugasthof im Zentrum der Gemeinde seine Pforten schloss, wurde zwei Jahre nach einem Nachfolger gesucht. Im Herbst 2014 kaufte die Gemeinde den Betrieb

"Lochen am See, Wirtshaus ade." Spöttische und höhnische Sprüche wie dieser machten in der 2575-Einwohner-Gemeinde lange Zeit die Runde, nachdem Wirt Johann Kriechbaum seinem Bräugasthof den Riegel vorschob. Das war vor mehr als zwei Jahren. Ab dann wurde die Grenzgemeinde mit einem Thema, das bereits viele Kommunen schwer trifft, bittere Realität: das Wirtesterben machte auch vor dem Zentrum Lochens nicht Halt. Hinter der Schließung steckte aber nicht – wie ein den meisten Fällen – ein Problem mit der Nachfolge. Gesundheitliche Gründe würden den Wirt zum Aufgeben gezwungen haben, erklärt Bürgermeister Johann Schweiberer (VP).

Weil sich nach zwei Jahren noch immer kein neuer Wirt im Ortskern breit gemacht hat, wurde die Gemeinde aktiv und kaufte das Wirtshaus (siehe Artikel unten). Noch bevor der Kaufvertrag zwischen dem Besitzer und der Gemeindeverwaltung abgeschlossen war, konnten Pächter und somit ein neuer Bräugasthof-Wirt aufgetrieben werden: Daniel und Erika Wehrli, die gemeinsam mit ihrem acht- und ihrem 16-jährigen Sohn bereits seit sechs Jahren in Lochen gewohnt haben und die Stiftskellerei in der Benediktinerabtei Michaelbeuern leiteten, übernahmen im Oktober die Gaststätte. "Es läuft sehr gut, wir fühlen uns sehr wohl, obwohl wir hier bisher eher anonym gelebt haben", bilanziert der Neo-Wirt, der unter anderem im Pfefferschiff in Hallwang kochte. "Wir wollen gute Hausmannskost, eine frische, ehrliche Küche anbieten. Aber in einem Wirtshaus musst du nicht zaubern oder großartig umreißen. Ob ich will oder nicht, das Schnitzel gehört auf die Karte, ansonsten bin ich fehl am Platz."

Einige Veränderungen brachte der Neuanfang mit sich. In der Gaststube und im Nebenzimmer weht ein frischer Wind. Die Räume wurden in den Farben Apfelgrün und Schokobraun ausgemalt, dekoriert und neu möbliert. "Es ist wirklich wohltuend, dass wir mit dem Ehepaar Wehrli einen Betreiber gefunden haben. Wir haben sehr großes Glück. Nun ist wieder Leben im Zentrum eingekehrt. Dass es Nörgler gibt, ist klar. Aber vor allem die Nachbarn haben die Entscheidung, das Wirtshaus weiterzuführen, sehr begrüßt. Vor kurzem fand im Saal ein Ball statt. Das Flair, das ist kein Vergleich zum Turnsaal, wo der Ball in den letzten Jahren abgehalten wurde. Das haben mir viele bestätigt", schwärmt Ortschef Schweiberer.

Auch Wehrli ist mit dem bisherigen Geschäft sehr zufrieden. "Obwohl wir keine Werbung gemacht haben, wurden bei uns etwa 20 Weihnachtsfeiern abgehalten", sagt der junge Wirt, der seine Gäste nicht nur mit traditionellen Gerichten verwöhnen will. "Wir werden im Jahr sieben oder acht Spezialitätenwochen einführen. Derzeit sind Pastawochen, dann gibt es zwei Wochen Steak."

Überlegen, ob man weitermacht

Weniger gut zu sprechen ist Wehrli auf das geplante Rauchverbot. "Das wird noch einmal einen auf das Wirtesterben draufsetzen. In Bayern hat seit 2008 jedes dritte Wirtshaus zugesperrt, natürlich nicht jedes wegen dem Nichtrauchergesetz. Aber: 70 Prozent des Umsatzes machen wir mit Sicherheit durch die Raucher-Besucher. Dann muss man sich wirklich überlegen, ob man den Betrieb überhaupt noch weiterführt."

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