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„Man muss sich erlauben, herumzublödeln“ - Lachyoga-Lehrerin im Interview

EGGELSBERG. Witzeerzähler, Grimassenschneider, Komiker, Fehlanzeige. Ines Salfer aus Eggelsberg hat ohne Hokuspokus leicht lachen. Lachen ist ihr Beruf. Die 33-Jährige ist nämlich Lachyoga-Lehrerin, zaubert den Menschen ein Lächeln auf die Lippen und bildet Trainer aus.

„Man muss sich erlauben, herumzublödeln“

Lachyoga-Vorbilder: Kinder lachen 300- bis 400-mal am Tag ohne Grund. Bild: colourbox

Warte: Seit wann lachen Sie berufsbedingt?

Salfer: Seit 2008. Ich habe damals die Ausbildung beim Erfinder des Lachyoga, Dr. Kataria, gemacht. Danach gründete ich relativ schnell einen eigenen Lachclub in Salzburg und bekam viele Anfragen. Lachyoga hat sich immer mehr als zweites Standbein etabliert.

Warte: Wie vielen Leuten haben Sie schon das Lachen gelernt?

Salfer: Das sind sicher schon hunderte gewesen.

Warte: Der Indische Lachyoga-Meister lachte Ihnen eines Tages aus dem Fernseher. Was passierte dann, haben Sie ihn gesucht?

Salfer: Ja, ich wollte Lachyoga unbedingt lernen. Ich habe mir das Ganze in München angeschaut und dann wollte ich Lachyoga vom Meister lernen. Dr. Kataria, ein indischer, praktischer Arzt, kommt jährlich nach Europa. Ich habe die Ausbildung in der Schweiz gemacht.

Warte: Sie sind Lehrerin für Musik, Italienisch und Deutsch. Finden Sie Lachyoga lustiger?

Salfer: Man kann sagen, Lachyoga ist zu meinem neuen Lieblingsfach geworden.

Warte: Sie sind viel unterwegs, sind sehr gefragt. Haben die Menschen das Lachen verlernt?

Salfer: Verlernt nicht, aber sie haben wahrscheinlich vergessen zu lachen. Sie müssen es neu entdecken. Jeder hat das innere Kind in sich. Man muss sich erlauben, zu blödeln. Jeder kann das. Man braucht keine Begabung zum Komiker oder Witzeerzähler. Neu entdecken hängt auch damit zusammen, dass es Lachyoga noch nicht lange gibt. Erst 1995 wurde der erste Lachclub in einem Park in Bombay gegründet. Lachen über Witze hat sich auf die Dauer nicht bewährt. Über einen Witz lacht man nicht einmal ein paar Sekunden. Bei Lachyoga wird mindestens 15 bis 20 Minuten durchgelacht. Lachen ohne Grund ist etwas, was bei allen Leuten funktioniert.

Warte: Manche werden sich jetzt denken, ‘das ist doch alles lächerlich’.

Salfer: Es gibt schon Leute, die Lachyoga hinterfragen. Lachyoga basiert auf wissenschaftlichen Studien. Es ist belegt, dass es wirkt und wie es wirkt.

Warte: Was passiert beim Lachen mit dem Körper?

Salfer: Lachyoga hat eine stresslösende Wirkung, die Stressshormone im Blut werden messbar weniger. Lachyoga sind Lachübungen in Kombination mit Yoga-Atmung (Pranayama), d.h. die Sauerstoffversorgung wird stark erhöht und die Muskeln entspannt. Es wirkt aber nicht nur entspannend, sondern zuerst einmal aktivierend. So werden Bauch- und Gesichtsmuskeln trainiert, Verdauung und Blutkreislauf angeregt und wenn man zwischendurch lacht, kann man sich besser konzentrieren. Lachen wirkt befreiend, weil Emotionen freigesetzt werden, die man vielleicht im Alltag unterdrückt. Lachyoga ist ein Gesundheitstraining und Atemübung.

Warte: Lachyoga soll ja auch für humorbefreite Menschen geeignet sein.

Salfer: Man braucht keinen Sinn für Humor, um Lachyoga zu machen.

Warte: Sind diese Leute danach lustiger?

Salfer: Dadurch, dass sie eine spielerische, kreative Seite entdecken und wecken, können sie immer mehr Alltagssituationen als lustig erkennen. Mit einer gewissen Gemütsverfassung schaut die Welt anders aus. In einem anderen Licht ist man eher bereit, über Dinge zu lachen, als wenn man grantig ist. So entwickelt sich schrittweise Humor.

Warte: Wer hat denn leichter lachen – Männer oder Frauen?

Salfer: Lachen ist natürlich Kontrollverlust. Frauen sind mehr bereit, spontan zu lachen. Es gibt dafür verschiedene Erklärungsansätze: Eine ist evolutionär. Es gibt die Vermutung, dass Frauen durch die Kinder ihre spielerische Seite schon immer mehr gepflegt haben. Herumzublödeln und die Kontrolle abzugeben fällt vielleicht Männern zuerst schwerer.

Warte: Wie oft lachen Sie am Tag?

Salfer: Wahnsinnig oft durch die Anna (Anna ist ihre kleine Tochter). Die Vorbilder des Lachyogas sind ja Kinder. Sie praktizieren 300- bis 400-mal täglich dieses Lachen ohne Grund. Erwachsene nur zehn- bis 15-mal. Erwachsene brauchen einen Verstandesgrund, um sich das Lachen zu erlauben. 15 Minuten lache ich auf jeden Fall bei meinen morgendlichen Lachübungen gleich nach dem Aufwachen.

Warte: Gibt es Situationen, in denen Ihnen das Lachen vergeht?

Salfer: Es gibt Situationen, die sind nicht lustig. Lachyoga soll nicht bewirken, dass man ständig lacht oder Gefühle verdrängt. Dinge, die Leute erschüttern, erschüttern mich genauso. Wenn etwas Unangenehmes passiert, hat man zwei Möglichkeiten: Entweder man verbleibt in dieser negativen Emotion, oder man schafft es, rauszukommen. Durch Lachyoga übt man, in andere Gefühlszustände zu kommen.

 

Infos:  Eine Ausbildung zum Lachyoga-Trainer bietet Ines Salfer im Dezember an. Der Kurs dauert ein Wochenende und findet am Samstag, 11., und Sonntag, 12. Dezember, jeweils von 9.30 bis 17 Uhr in der Volksschule Eggelsberg statt.

Weitere Informationen zur Ausbildung und generell zu Lachyoga unter www.lachyogasalzburg.at und bei Ines Salfer unter Telefon 0676/5146845.

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Artikel Marina Huber 25. November 2010 - 00:04 Uhr
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